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Auslosung für die WM 2018:Espresso am Schwarzen Meer

  • Deutschland trifft bei der Fußball-WM in Russland in der Vorrunde auf Mexiko, Schweden und Südkorea.
  • Joachim Löw kann nun wahrscheinlich mit einem Quartier in Sotschi planen.
  • Im Achtelfinale könnte es zu einem Duell mit Brasilien kommen.

Joachim Löw blickte also hinab auf die Auslosungszeremonie im Staatlichen Kremlpalast, gleich würde der "Germany"-Zettel aus einer der Loskugeln gezogen werden - und es warteten durchaus noch ein paar harte Brocken auf den Bundestrainer. Vielleicht nicht gerade sogenannte "Hammerlose" - aber doch Lästigkeiten, denen Löw auf seiner Mission Titelverteidigung gern aus dem Weg gehen wollte. Kaliningrad etwa, die Enklave am baltischen Meer. Oder Jekaterinburg am Ural.

Doch dann, welche Freude: Moskau! Sotschi! Kasan! Das also sind die Spielorte der deutschen Nationalelf in der Gruppenphase der Fußball-WM 2018 in Russland. Den Bundestrainer und seine Begleiter hat das am Freitagabend auch deshalb erfreut zurückgelassen, weil Sotschi und Kasan auch Spielorte beim Confed Cup im zurückliegenden Sommer waren, den die DFB-Elf bekanntlich gewann. Nicht, dass der Bundestrainer empfänglich wäre für Gerede über gute oder schlechte Omen. Aber es kann ja nicht schaden, wenn man in einer Stadt, in der man etwas zu erledigen hat, schon weiß, wo man einen guten Espresso bekommt.

Und außerdem ist jetzt, da die Deutschen als Kopf der Gruppe F bekanntes Terrain bereisen dürfen, der Lieblingsplan von Löw und dem Nationalelf-Manager Oliver Bierhof realistischer geworden, sich während des Turniers in Sotschi niederzulassen. Am Schwarzen Meer! Wo man sich womöglich von einer ähnlich entspannten Atmosphäre durch das Turnier tragen lassen kann wie 2014 in Brasilien. Das DFB-Quartier "Campo Bahia" nördlich von Salvador, nur per Fähre erreichbar, galt mit seiner idyllischen Abgeschiedenheit als wesentlicher Beitrag zum Titelgewinn. Und nun: Die nächste WM unter Palmen? Für das vorsorglich geblockte Alternativ-Quartier Ramenskoje, 45 Kilometer vor Moskau gelegen, spricht jetzt jedenfalls weniger. In Sotschi unterzukommen, "das war im Sommer eine gute Geschichte", erinnerte sich Löw gerne zurück - man werde nun noch mal nachdenken und zeitnah entscheiden.

Und die Gruppengegner? Ach ja, die Gruppengegner, klar, die wurden kurz darauf auch noch aus den Kugeln gezogen im Rahmen der bunten Show in Moskau. Zu den als Gruppenkopf gesetzten Deutschen gesellten sich im Tableau Mexiko aus Lostopf 2, Schweden aus Lostopf 3 und Südkorea aus Lostopf 4. Auf die Mexikaner treffen die Deutschen am Sonntag, 17. Juni, im Moskauer Luschniki-Stadion, auf die Schweden am Samstag darauf in Sotschi, und die Südkoreaner folgen dann am Mittwoch, 27. Juni in Kasan .

"Erschrocken bin ich sicher nicht", kommentierte Löw die Herausforderungen, die ihm die Losfeen Diego Maradona, Cafu und Fabio Cannavaro zugeteilt hatten. Klar, "sportlich seien das sehr interessante Gegner" - Löw versichert bei derlei Gelegenheiten stets jedem seinen auch tatsächlich empfundenen Respekt. Doch schon vor der Russland-Reise war Löw die Gelassenheit in Person gewesen ("Nervös werden wir nicht"). Man tritt Löw deshalb nicht zu nahe mit der Vermutung, dass ihn die Frage, wo er seinen Kaffee im Sommer trinkt, kaum weniger gefesselt hat als jene, ob man nun Spaniern oder Engländern würde aus dem Weg gehen können.

Als Weltmeister müsse sein Team ja eh weiterkommen, sagte Löw im Kreml, "egal, in welcher Gruppe wir sind. Das ist unser Anspruch".

So lädt das Tableau auch zu ein paar Beobachtungen über die Gruppenphase hinaus ein. Etwa - falls Deutschland Gruppenerster wird - auf ein mögliches Achtelfinale in St. Petersburg gegen Brasilien. Das dafür allerdings Gruppenzweiter werden müsste - weshalb ein Wiedersehen mit dem Halbfinalgegner von 2014 (7:1) im Finale wohl wahrscheinlicher ist. Dort könnte man auch auf die Franzosen treffen, während Spanien und Argentinien mögliche Halbfinal-Gegner sind. Außerdem interessant: Gastgeber Russland eröffnet die WM gegen Saudi-Arabien, mutmaßlich einen Gegner zum Warmspielen für die von ebenso vielen Erwartungen wie sportlichen Sorgen und Dopingvorwürfen begleitete Sbornaja .

Fans der deutschen Elf übrigens können sich ab nächstem Dienstag um Tickets bewerben. Bestellungen für die deutschen Vorrunden-Spiele sind dann bis zum 31. Januar auf der Homepage des Weltverbandes Fifa möglich (FIFA.com/ tickets).Voraussetzung dafür ist wie schon bei der EM 2016 die Mitgliedschaft im "Fan Club Nationalmannschaft", teilte der DFB mit. Nach dem Wirbel vor dem Turnier in Frankreich ("Zwangsmitgliedschaft"; "Abzocke") hat der DFB das Verfahren diesmal mit dem Bundeskartellamt abgestimmt; Fans haben jetzt die Möglichkeit, eine Mitgliedschaft nur für die Dauer der WM abzuschließen. Diese "Turnierregistrierung" kostet zehn Euro, soll aber für mehr Sicherheit sorgen.

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