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Auslosung für die Fußball-WM:Künstlich blöd

Die Fifa lässt sich bei der Setzliste für die WM-Auslosung nicht in die Karten schauen und demonstriert wieder einmal ihre intransparente Grundeinstellung.

Die Fifa ist ein Monopolist. Für das Volksgut, das sich der Weltverband angeeignet hat, den Fußball, gibt es nur diesen einen Anbieter. Da jede Konkurrenz fehlt, spielt Transparenz im Markt eine zu vernachlässigende Rolle. Und deshalb wundert es nicht, dass auch am Dienstag noch nicht die Kriterien offiziell verkündet waren, nach denen am Freitag in Kapstadt die Lostöpfe für die Gruppenauslosung zur WM 2010 besetzt werden sollen.

Die Fifa hält sich bedeckt: Wie die Setzliste zur WM-Auslosung am Freitag zustande kommt, ist ihr großes Geheimnis.

(Foto: Foto: AFP)

Sie haben in der Fifa aber auch eine komplizierte Aufgabe zu lösen, denn was beispielsweise nicht passieren darf, ist, dass Südafrika, der Gastgeber, früh auf der Strecke bleibt. Da liegt die Hürde hoch, hat doch die WM 2006 setz-taktisch Maßstäbe gesetzt: Gastgeber Deutschland wurden Costa Rica, Polen und Ecuador zugeordnet, jene Supermörderhammergruppe, bei deren Verkündung sich der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann ein schelmisches Grinsen nicht einmal mühsam verkneifen konnte.

Sie werden ihn - unter Vortäuschung einer Verlosung - also schon hinbekommen, ihren wunschgemäßen Turnierplan. Es war den Monopolisten ja auch schon geglückt, die 32 auserwählten Teams so zusammenzurufen, wie es zu erwarten war. Kein Prominenter (außer dem derzeit lobby-schwachen Russland) muss zu Hause bleiben, auch weil vor den europäischen WM-Playoff-Spielen plötzlich eine Setzliste erfunden wurde, nach der das große Frankreich die Iren erwarten durfte.

Niemand sollte jetzt behaupten, dass die Grande Nation ganz klein geworden wäre, hätte nicht ein Schiedsrichter-Trio aus Schweden das frechste Handspiel seit der Hand Gottes von Diego Maradona ignoriert. Dass Thierry Henry per Doppel-Hand (zuerst stoppte er den Ball, dann führte er ihn in eine bessere Position) die Vorarbeit zum WM-bringenden Treffer der Franzosen leistete, war mittels zig Kamerapositionen fürs Publikum sofort zu erkennen. Nur die Schiedsrichter wurden künstlich blöd gehalten - und sollen es bleiben. Was also behauptet werden muss, ist, dass die Fifa ihre Allmacht ausnutzt, um die Rechtsunsicherheit institutionell zu pflegen.

Die Tränen der Iren und die globale Empörung haben Fifa-Chef Joseph Blatter nicht irritieren können. Auch nicht, dass jetzt sogar im vergleichsweise finanzschwachen Feldhockey nach mehr Fairness mittels einer Video-Hilfe geforscht wird. Die Fifa genießt ihr Monopol. Da stört jeder, der Durchblick verlangt.

© SZ vom 02.12.2009/jbe

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