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Augsburg - Paderborn:Fehlender Funken

Torwart Luthe rettet Augsburg das 0:0 gegen den Letzten Paderborn. Der neue Trainer Herrlich hatte sich sein Heimspiel-Debüt eigentlich anders vorgestellt. Aber die gewünschte offensive Dominanz war nicht zu erkennen.

Sein erstes Spiel im eigenen Stadion hatte sich Heiko Herrlich ursprünglich mal anders vorgestellt. Dass der Funken vom Platz auf die Zuschauer überspringe, das hatte er sich gewünscht, als er im März als Trainer vorgestellt worden war. Doch nun, als er am Mittwoch gegen den SC Paderborn erstmals ein Heimspiel des FC Augsburg anleitete (das erste nach der Corona-Pause, ein 1:2 gegen Wolfsburg, hatte er wegen seines Zahnpasta-Einkaufs und Quarantäne-Regelverstoßes nur in der Loge gesehen), waren natürlich keine Fans da. Und mit dem Funken auf dem Platz war es auch so eine Sache. Augsburg spielte 0:0 gegen den Tabellenletzten.

Mehr offensive Dominanz, das ist Herrlichs Idee, die er in Augsburg vermitteln will. Doch dafür fehlte am Mittwoch sowohl die Passqualität in der Spieleröffnung als auch die Kombinationssicherheit, wenn der Ball mit einem langen Pass trotzdem mal im vorderen Drittel angekommen war. Auch im offensiven Verteidigen, das Herrlich sehen möchte, fehlten oft die Impulse für geordnetes Angriffspressing. Und so hatten die Paderborner die Torchancen: Durch Streli Mamba nach zwölf Minuten; der Stürmer verpasste eine flache Hereingabe knapp. Und durch Gerrit Holtmann nach 22 Minuten; Augsburg Torwart Andreas Luthe parierte.

Am vergangenen Sonntag, als Augsburg in Herrlichs erstem Spiel auf der Bank 3:0 beim FC Schalke 04 gewann, hatte das noch ganz anders ausgesehen. Da war Augsburg überzeugend aufgetreten, hatte nach zuvor sechs Spielen ohne Sieg erstmals wieder gewonnen und in Herrlichs Worten damit "den Turnaround" geschafft. Einen großen Schritt könne man gegen Paderborn machen, hatte er vor dem Spiel gesagt, einen großen Schritt in Richtung Klassenverbleib. Er veränderte seine Startelf nur auf einer Position, Kapitän Daniel Baier begann für Carlos Gruezo, die Intention dürfte mehr Ballsicherheit gewesen sein.

Das Spiel prägte aber eher keine Ballsicherheit, sondern der energische Auftritt der Gäste. Es war durchaus bezeichnend für die Begegnung, dass Paderborns Klaus Gjasula für ein Foul an Florian Niederlechner seine 15. gelbe Karte der laufenden Saison sah, Bundesliga-Rekord sind 16 von Tomasz Hajto für den MSV Duisburg 1999. Paderborn blieb auch torgefährlicher: Wieder Holtmann schoss nach einer Stunde frei im Strafraum an den Pfosten, Luthe hatte noch die Hände am Schuss. Er hielt auch zehn Minuten später im Eins-gegen-eins mit Paderborns Stürmer Sven Michel. Als die Gäste am Schluss mehr riskierten, weil ihre Hoffnung auf den Klassenverbleib bei nur 19 Punkten nach 28 Spielen merklich schwindet, hatte der FCA noch Konterchancen, die eingewechselten Sergio Cordova und Noah Sarenren Bazee vergaben. Herrlich, auch das war durchaus bezeichnend, hatte da bereits Stephan Lichtsteiner eingewechselt - seinen erfahrensten Verteidiger.

© SZ vom 28.05.2020

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