Hoffenheim in der Bundesliga:Kramarics besonderer Hattrick

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FC Augsburg - TSG 1899 Hoffenheim

Diesmal als Torjäger ohne Glück, als Vorlagengeber aber besonders gefragt: Hoffenheims Andrej Kramaric (M.).

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Hoffenheims hauptamtlicher Torjäger Andrej Kramaric wird in Augsburg auch ohne eigenen Treffer zum Mann des Tages. Beim FCA stellt sich gleich wieder eine latente Alarmstimmung ein.

Von Maik Rosner, Augsburg

Andrej Kramaric drehte sich, er hob den Kopf, und kurz nachdem er den Ball durch die Schnittstelle gepasst hatte, durfte er sich zu dem besonderen Kunststück beglückwünschen lassen, es auch ohne eigenen Torerfolg zum Mann des Tages gebracht zu haben. Normalerweise ist der Stürmer ja als hauptamtlicher Torjäger bei der TSG Hoffenheim angestellt. Doch an diesem Samstagnachmittag im Bundesliga-Spiel beim FC Augsburg war Kramaric vor allem als Torvorbereiter aufgefallen. Die ersten drei Treffer der Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß hatte er aufgelegt und damit eine Art Vorlagen-Hattrick geschafft. Am Ende bejubelten die Gäste in Augsburg sogar einen 4:0 (1:0)-Auswärtssieg und damit einen perfekten Start in die Saison.

"Super, genauso haben wir uns das gewünscht", sagte sein Mannschaftkollege Sargis Adamyan, der in der 78. Minute nach dem Zuspiel von Kramaric das vorentscheidende 2:0 erzielt hatte. Zuvor war Jacob Bruun Larsen das 1:0 gelungen (37.), später trafen noch Georginio Rutter (87.) und Sebastian Rudy (90.+5). "Er hat ein super Spiel gemacht", sagte Adamyan über Kramaric, "er steckt die Bälle genauso durch, wie man sie braucht. Das macht mit ihm sehr viel Spaß." Hoeneß wollte sich zu Kramaric eigentlich nicht äußern, um ihn nicht hervorzuheben. Schließlich sagte der Trainer doch über seinen Angreifer, um den es immer wieder Wechselgerüchte gibt: "Er ist die zentrale Figur für unser Spiel. Das zeigt er Jahr für Jahr." Das soll natürlich so bleiben, wenn es nach Hoeneß geht.

Beim FCA mussten sie dagegen einen kapitalen Fehlstart beklagen, obwohl sie lange Zeit recht gleichwertig aufgetreten waren, später aber auf besorgniserregende Weise auseinanderfielen. Dabei hatten sie sich einen guten Einstieg in die Saison ebenso vorgenommen wie eine sorgenfreie Spielzeit. Nun stehen die Zeichen beim FCA sofort wieder auf jene latente Alarmstimmung, in der sie sich in den vergangenen Spielzeiten häufig wiedergefunden hatten.

Mit Markus Weinzierl sind viele Hoffnungen verbunden, dass es wieder besser läuft. Doch nun erlebte der zurückgekehrte Trainer einen Rückschlag, auf dessen Ursache er schon vor dem Spiel explizit hingewiesen hatte. Obwohl er vor Kramaric als Hoffenheimer Schlüsselfigur gewarnt hatte, gestatteten die Augsburger dem kroatischen Nationalspieler die drei Torvorlagen und einige weitere Offensivszenen. "Das ist ein guter Spieler. Das zeigt er nicht nur gegen uns, sondern auch gegen Topmannschaften", sagte Augsburgs Kapitän Jeffrey Gouweleeuw. Seiner Ansicht nach hatte das erste Gegentor den Ausschlag in diesem Spiel gegeben, und besonders ärgerte den Innenverteidiger, wie dieses gefallen war. "So einfach, das darf nicht passieren", klagte Gouweleeuw: "Das hatten wir letztes Jahr auch. Wir müssen lernen aus diesem Spiel."

Der eingewechselte Adamyan holt nach, was Kramaric verpasst

In der ersten Halbzeit ließen sich gerade einmal drei ernsthafte Torchancen bestaunen. Zunächst jene der Augsburger, als Ruben Vargas das Tor aus spitzem Winkel nach einem schönen Schnittstellenpass von Fredrik Jensen verfehlte. Dann die beiden der Hoffenheimer: Angenähert hatten sich die Gäste bereits, als Kramaric abschloss und Augsburgs Torwart Rafal Gikiewicz den Ball über die Latte lenkte. Kurz darauf führte die TSG durch Bruun Larsens Kopfball. Viel zu tun hatte das 0:1 auch mit der laxen Abwehrarbeit der Augsburger.

Von den drei Spielen, die sie mit Weinzierl in der Endphase der vergangenen Saison absolviert hatten, hatten sie zwei verloren und eines gewonnen. Hinzu kam am vergangenen Wochenende das holprige 4:2 im DFB-Pokal beim Oberligisten Greifswalder FC. Trotz dieser recht durchwachsenen Bilanz ließen sich beim FCA gegen Hoffenheim zunächst durchaus leichte Fortschritte im Vergleich zur Zeit unter Weinzierls Vorgänger Heiko Herrlich feststellen. Etwas mutiger agierten die Augsburger, zuweilen mit einem forschem Pressing. Geblieben allerdings sind die Defizite in der Defensive und das Manko der fehlenden Durchschlagskraft bei den eigenen Angriffen.

Die Hoffenheimer hatten sich zunehmend aufs Kontern verlegt, und obwohl sie ihre Gegenstöße nur sporadisch vortrugen, wurden sie durch die Abschlüsse von Rudy und Kramaric gefährlicher als der stets bemühte FCA. Der eingewechselte Adamyan holte nach, was die beiden verpasst hatten. Aus wenigen Metern schob Adamyan ein, nachdem ihn Kramaric mit einem verzögerten Doppelpass freigespielt hatte, erneut begünstigt von groben Augsburger Nachlässigkeiten auf der rechten Abwehrseite. "Die Gegentore schlucken wir viel zu einfach", kritisierte Manager Stefan Reuter. Für Kramaric war es die zweite Torvorlage gewesen, ehe er es selbst noch einmal mit einem Schuss aus rund 40 Metern versuchte, doch Gikiewicz konnte retten. Als Torschütze war Kramaric an diesem Nachmittag offenbar nicht vorgesehen. Im Gegensatz zum eingewechselten Rutter, der zum 3:0 einschob, nachdem er Gikiewicz umkurvt hatte. Der Pass zuvor in die Schnittstelle? War natürlich von Kramaric gekommen.

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