Augsburg Große Überraschung

Kann das Spiel mit nur einer Aktion verändern: Augsburgs Drew LeBlanc hat eine besondere Gabe für die Spielorganisation.

(Foto: imago/GEPA pictures)

Die Panther besiegen den EHC. Spielmacher Drew LeBlanc ist besonders wichtig für diesen Erfolg.

Von Christian Bernhard

Christoph Ullmann hat so ziemlich alles gesehen, was es im deutschen Eishockey zu sehen gibt. Seit 17 Jahren spielt der 35-Jährige in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), er hat dreimal die Meisterschaft gewonnen und mehr als zehn Jahre lang das Trikot der Nationalmannschaft getragen. Wenn einer wie Ullmann vor einem Spieltags-Wochenende sagt, dass man sich nach diesem darüber unterhalten könne, was in dieser Saison möglich sei, kann man sich sicher sein, dass es ein besonderes Wochenende gewesen ist.

Ullmann trägt seit dieser Saison das Trikot der Augsburger Panther, die auch nach dem speziellen letzten Wochenende eine der großen Überraschungen der DEL-Spielzeit sind. Nach der unglücklichen 3:5-Niederlage am Freitag gegen Tabellenführer Mannheim gewannen sie am Sonntag das hochemotionale Derby gegen Meister München mit 3:2. Der Siegtreffer von Adam Payerl fiel erst 21 Sekunden vor Schluss, zuvor hatten Daniel Schmölz (12.) und Matt Fraser (56.) ebenfalls in Überzahl getroffen. Die Augsburger sind damit als Tabellendritter wieder vor dem EHC.

Aus dem Kollektiv der Panther, das sich in dieser Saison speziell in der Defensivarbeit stark verbessert hat, ragt ein Spieler heraus: Drew LeBlanc. Der Augsburger Spielmacher leitete zwei der drei Treffer gegen München ein und ist nun mit Iserlohns Jon Matsumoto bester Vorlagengeber der Liga. Besonders beeindruckend ist seine Gabe, das Überzahlspiel seines Teams zu organisieren und dabei auch das Tempo zu bestimmen. Panther-Trainer Mike Stewart bezeichnet den US-Amerikaner als "game changer", sprich als jemand, der das Spiel mit nur einer Aktion verändern kann.

"Was er mit der Scheibe machen kann, ist beeindruckend", sagt sein Trainer, der sich auch sehr darüber freut, dass der 29-Jährige in seinem vierten Jahr in Augsburg zu einem "Allrounder" geworden sei. Die Verbesserung im Defensivverhalten kommt ihm auch offensiv zugute. Stewart erklärt es so: "Wenn er in unserer Zone richtig gut arbeitet, bedeutet das, dass er die Scheibe bekommt. Und er liebt die Scheibe." LeBlanc sei eine "interessante Mischung", betont sein Coach. Auf der einen Seite habe er den Puck "verdammt viel auf seiner Schaufel", auf der anderen verteile er diesen aber auch gut. Davon profitieren seine Flügelspieler. Geht es nach Stewart, kann LeBlanc sein beeindruckendes Fertigkeiten-Paket sogar noch praller füllen. "Seine Entwicklung ist noch nicht zu Ende", betont der Panther-Trainer, "er kann noch besser werden."

Das gilt in dieser Saison auch für die Augsburger als Team. Trotzdem hält sich Stewart nach außen sehr zurück. Das vorrangige Ziel sei weiterhin das Erreichen der Playoffs, sagt er, intern gebe es mehrere Ziele. "Internes bleibt aber intern", betonte er nach dem achten Heimsieg in Serie seines Teams. Neben den drei Punkten nahm er aus dem Wochenende mit, dass seine Mannschaft jeden in der Liga schlagen könne: "Das ist ein gutes Gefühl, aber wir bleiben auf dem Boden."

Die hochrangige Konkurrenz zollt den Schwaben großen Respekt. "Wir haben gegen eine sehr gute Mannschaft verloren", sagte Münchens Trainer Don Jackson. Mannheims Angreifer Chad Kolarik erklärte, die Augsburger seien ein Team, das Hockey spielen könne. "Sie skaten gut und können mit dem Puck umgehen." Kolariks Trainer Pavel Gross hatte schon in Mannheim darauf hingewiesen, dass die Augsburger in den vorangegangenen 20 Partien die meisten Punkte der Liga geholt hatten. Durch den Derbysieg am Sonntag gilt dies auch für die letzten 22 Partien. Es gehe jetzt Richtung Norden, sagte Stewart am Sonntag, und spielte damit auf die nächsten zwei Partien an: am Mittwoch nach Wolfsburg und zwei Tage später nach Berlin. Es konnte aber auch tabellarisch verstanden werden. Spätestens seit dem vergangenen Wochenende sollte klar sein, dass die Augsburger auch mittelfristig nicht vorhaben, die oberste Tabellen-Region zu verlassen.