Augsburg gegen LeipzigPuppenkiste gegen Blechbüchsenarmee

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Die Geschichte der jüngsten Rivalität zweier Bundesligisten erhält ihr nächstes Kapitel. Ein Rückblick auf die Gemeinheiten der vergangenen Jahre.

Von Sebastian Fischer

Ein echter Bundesligist braucht einen echten Rivalen. Werder Bremen hat den HSV, Dortmund hat Schalke. Der FC Augsburg und RB Leipzig sind auch echte Bundesligisten, allerdings die mit der jüngsten Erstligageschichte aller 18 Klubs. Beide haben ein Problem: keinen Rivalen in der Liga. Praktischerweise verabscheuen sie einander. Die Chronologie der jüngsten deutschen Fußballfeindschaft.

2. Dezember 1973: "Don Blech und der goldene Junker" von der Augsburger Puppenkiste wird als Fernsehserie erstausgestrahlt. Sie handelt von den Abenteuern von Don Blech, dem General a.D. der Blechbüchsenarmee. Das hat rein gar nichts damit zu tun, dass knapp 36 Jahre später auf Initiative der Blechbüchsenlimonadenfirma Red Bull RB Leipzig gegründet wird.

21. Juli 2009: Torwart Sven Neuhaus wechselt vom Zweitligisten Augsburg in die fünfte Liga zum neu gegründeten RB Leipzig. Er stößt in Augsburg auf Unverständnis.

25. Oktober 2011: Der Bundesliga-Aufsteiger FC Augsburg, gegründet 1907 unter dem Namen FC Alemannia, gewinnt in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim Viertligisten RB Leipzig nur 1:0. Leipzigs Fans singen: "Erste Liga, keiner weiß warum." Ein Augsburg-Fan namens Klaus Hofmann freut sich und trinkt darauf ein Bier.

2. August 2013: Leipzig, inzwischen Drittligist, verliert im Pokal mit 0:2. Der Fan und Brandschutz-Unternehmer Klaus Hofmann, nach einer Millionenspende für den Bau eines Nachwuchsleistungszentrums Aufsichtsratsmitglied des FC Augsburg, freut sich und trinkt darauf ein Bier.

4. Dezember 2014: Klaus Hofmann wird FCA-Präsident. Er sagt: "Seit viereinhalb Jahren freue ich mich über jede Leipziger Niederlage und trinke darauf ein Bier."

30. September 2016: Aufsteiger Leipzig schlägt Augsburg im ersten Bundesligaduell beider Klubs mit 2:1. Hofmann freut sich nicht. Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff wird ein Jahr später Stefan Reuter in einer Talkshow vorwerfen: "Ihren Präsidenten mussten wir fast aus unserer Loge entfernen, weil er den Mittelfinger permanent gezeigt hat. Als ein Spieler von uns verletzt am Boden lag, ist er aufgesprungen und hat geschrien: 'Jawohl! Er liegt am Boden!'" Angeblich werden zwei Sicherheitsbeamte gerufen, um Hofmann zu beruhigen. Er wird Mintzlaffs Worte als "Behauptungen" zurückweisen.

3. März 2017: Augsburg erkämpft gegen Leipzig ein 2:2, Torschütze: Martin Hinteregger. Der wird übrigens von Leipziger Fans ausgepfiffen. Der Österreicher soll sich nach eigener Auskunft 2016 geweigert haben, wie zahlreiche Spieler vor ihm von RB Salzburg zu RB Leipzig zu wechseln. Er ging nach Augsburg und schimpfte, Sportdirektor Ralf Rangnick lasse Salzburg zum Ausbildungsklub verkommen. "Die Art und Weise, wie Leipzig Salzburg kaputt macht, ist nicht schön anzuschauen." Die Reaktion aus Leipzig: "Das ist einfach nur populistisch und inhaltlicher Nonsens."

20. Mai 2017: RB Leipzig beendet seine erste Bundesligasaison auf Platz zwei, Augsburg sichert den Klassenverbleib. Hofmann tanzt bis 5 Uhr mit den Augsburger Spielern Dominik Kohr und Raul Bobadilla und setzt sich danach auf eine Parkbank in Augsburg. So wird er es später berichten.

Versuch der Versöhnung: Augsburgs Kapitän Daniel Baier (Mitte) bittet Leipzigs früheren Trainer Ralph Hasenhüttl um Verzeihung.
Versuch der Versöhnung: Augsburgs Kapitän Daniel Baier (Mitte) bittet Leipzigs früheren Trainer Ralph Hasenhüttl um Verzeihung. Adam Pretty/Bongarts/Getty Images

19. September 2017: Nach Aussage von Mintzlaff verweigert Hofmann Leipzigs Funktionären die Begrüßung. Weil sie "arrogant und überheblich" seien, sagt er angeblich. In der 74. Minute geht Augsburgs Kapitän Daniel Baier in einem Zweikampf zu Boden. Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl springt erbost auf. Baier vollzieht eine schüttelnde Handbewegung auf Höhe der Lenden, die Eingeweihte als Aufruf zur Selbstbefriedigung verstehen. Hasenhüttl verweigert Baier nach Leipzigs 0:1-Niederlage den Handschlag. Baier sagt im TV-Interview: "Mein Gott, das ist ein Fußballspiel, wo Emotionen dazugehören." Nach Augsburger Schilderung wird Baier beim Versuch, sich zu entschuldigen, aus der RB-Kabine geworfen. Hofmann nennt Leipzig "ganz schlechte Verlierer". In Deutschland wird kurz über Manieren auf dem Fußballplatz diskutiert. Tags darauf entschuldigt sich Baier öffentlich. Drei Tage später nimmt Hasenhüttl die Entschuldigung an.

25. September 2017: In der Talkshow "Sky90" ist Augsburgs Manager Stefan Reuter zu Gast, Mintzlaff wird zugeschaltet. Beide schildern die Gemeinheiten der vergangenen Monate aus ihrer Sicht. Die Welt schreibt: "Streit zwischen RB Leipzig und Augsburg eskaliert." Jemand twittert: "Übler Beef zwischen #FCA und #RBL."

27. November 2017: In der Jahreshauptversammlung des FC Augsburg sagt Hofmann: "Das Konstrukt Leipzig darf keine Lizenz haben." RB erfülle nicht die Voraussetzungen eines Vereins im Rahmen der Spielordnung des DFB, da nur 17 Mitglieder zugelassen sind. Hofmann kündigt an, Mitglied werden zu wollen. "Das probiere ich aus! Schauen wir mal, was passiert."

28. November 2017: RB Leipzig weist darauf hin, dass die Rasenballsport Leipzig GmbH eine Kapitalgesellschaft sei, wie auch die FC Augsburg 1907 GmbH & Co. KG. RB Leipzig weist nicht darauf hin, dass Augsburg rund 14 500 Mitglieder hat. Ein RB-Sprecher sagt: "Wir nehmen die Bewertung des Lizenzierungsverfahrens der DFL von Herrn Hofmann amüsiert zur Kenntnis, vielleicht kommen ihm diese Einfälle nachts auf der Parkbank."

9. Februar 2018: Leipzig schlägt Augsburg 2:0. Hofmann ist laut Vereinsangaben beruflich in den USA unterwegs.

18. September 2018: Hofmann kritisiert auf der Jahreshauptversammlung erneut das Lizenzierungsverfahren in der Liga, lobt die Bedeutung der Demokratie im Fußball und kündigt an, bei jedem Bundesligisten Mitglied werden zu wollen. Bislang ist er nur Mitglied beim FC Augsburg.

20. Oktober 2018: Der FCA feiert seinen 111-jährigen Geburtstag mit einem "Retro-Spieltag" samt Rahmenprogramm, weil vor exakt 111 Jahren der FC Alemannia sein erstes Spiel austrug. Die Feier hat rein gar nichts damit zu tun, dass der neun Jahre junge Rivale Leipzig zu Gast ist.

© SZ vom 19.10.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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