Als die Bremer bei der Abreise in die kurze Winterpause mit Pizzakartons aus der Kabine kamen, weckte dies Assoziationen und Sehnsüchte, die das vorangegangene 0:0 beim FC Augsburg nicht erfüllt hatte. Man konnte jedenfalls auf den Gedanken kommen, dass ein „Pizza“ dem Spiel gutgetan hätte. Doch der einst treffsichere Bremer Angreifer Claudio Pizarro hat seinen Lieferdienst 2020 eingestellt.
Die Frage, wer zuverlässig Tore schießen soll, beschäftigt aber nicht nur Werder, das in dieser Saison noch immer auf ein Stürmertor wartet und mit 17 Punkten nach 15 Spielen unter dem Weihnachtsbaum sitzt. Auch beim FCA (14 Punkte) gehören Treffer vom Fachpersonal zu den Raritäten, was auch daran liegt, dass die Augsburger häufig ohne Stürmer spielen. Gegen Bremen waren sie einem Tor und damit dem Sieg dennoch mehrmals nahegekommen. Unter anderem trafen die eingewechselten Elvis Rexhbecaj und Phillip Tietz in der Schlussphase Pfosten und Latte. Und als Alexis Claude-Maurice dazwischen den Ball tatsächlich ins Tor geschossen hatte, verweigerte Schiedsrichter Tobias Welz dem Treffer die Anerkennung, weil Han-Noah Massengo dem Bremer Jens Stage zuvor auf die Zehen gestiegen war. Aus Sicht vieler Augsburger kein Foul, weswegen sie die Intervention des VAR vermissten. Doch aus Köln kam kein Hinweis zur Korrektur, weil dort keine klare Fehlentscheidung festgestellt wurde. Augsburgs Kapitän Keven Schlotterbeck vermutete spöttisch, die Videoschiedsrichter seien wohl „Kaffee trinken“ gewesen. Nach der nahezu ereignislosen ersten Halbzeit hätte man ihnen das auch kaum verdenken können.
Abgesehen von der oft kleinteiligen Dauerdebatte um den VAR beschäftigt die Menschen beim FC Augsburg derzeit vor allem die Frage, wer die Mannschaft künftig coacht. Manuel Baum, unter dem sperrigen Titel „Leiter Entwicklung und Fußballinnovation“ eigentlich im Hintergrund tätig, war für die vergangenen drei Spiele eingesprungen, nachdem der FCA das Projekt mit Sandro Wagner nach nur fünf Monaten beendet hatte. Auf den 2:0-Sieg gegen Leverkusen und die 0:1-Niederlage in Frankfurt folgte nun der vierte Punkt mit Baum auch deshalb, weil der 46-Jährige die Mannschaft deutlich stabilisiert hat. Unter Wagner hatte der FCA phasenweise die schlechteste Defensive der Bundesliga. Nun lobte Sportdirektor Benjamin Weber die „gute Balance“ unter Baum und vergab dem gesamten Team für die vergangenen drei Spiele die Schulnote drei. „Das war eine gute Tendenz, auf jeden Fall. Wir waren kurz davor, uns eine Zwei zu erspielen“, sagte Weber. Ein 1:0 gegen Bremen hätte dafür gereicht.
Auch eine Weiterbeschäftigung von Manuel Baum schließt Sportdirektor Benjamin Weber nicht aus
Zu möglichen Transfers in der Winterpause, auch für mehr Tore, ließ sich Weber ebenso wenig näher ein wie zur künftigen Besetzung des Trainerpostens. Interessanterweise blieb er auch vage bei der Frage, ob Baum entgegen der ursprünglichen Vereinbarung die Mannschaft doch länger anleiten könnte. „Wir schließen nichts aus“, sagte Weber, verwies auf Gespräche auch mit Baum sowie auf Alternativen und betonte, man wolle eine Entscheidung „aus Überzeugung“ treffen.
Baum, bereits zwischen Dezember 2016 und April 2019 Cheftrainer des FCA, hatte sich in den vergangenen Wochen als Gegenentwurf zum polarisierenden Wagner präsentiert. „Keep it simple“ hatte er zum Spielmotto erhoben und sich auch sonst als „The normal one“ gegeben, wenn man so will. Nun betonte er, dass ihm die Arbeit mit der Mannschaft ebensolche Freude bereite wie sein eigentlicher Job im Hintergrund. „Es gibt verschiedene Funktionen, die mega Spaß machen“, sagte Baum, „diese Sachen an der Seitenlinie machen genauso richtig Spaß wie ein paar Meter weiter oben, wenn man sich das Spiel anschaut.“ Feststeht: Der Trainingsauftakt ist beim FCA für den 2. Januar angesetzt.

