Aufstiegsspiele zu dritten Liga:230-Tage-Päuschen

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Jubel 1:5, Yannik Jaeschke (TSV Havelse 11) bejubelt seinen Treffer zum 1:5 gegen Florian Urbainski (SV Altas Delmenhor

Der Jabiri von Havelse: Yannik Jaeschke ist beim Aufstiegsaspiranten aus dem Norden für den Torerfolg zuständig.

(Foto: Martin Ewert/imago images/foto2press)

Der TSV Havelse trifft mehr als ausgeruht auf den FC Schweinfurt. Die Frage ist, ob das ein Vor- oder ein Nachteil ist.

Von Christoph Leischwitz

Es ist ein wenig wie bei der Frage, ob die Henne oder das Ei zuerst da war. Ob der FC Schweinfurt nun einen Vorteil hat aufgrund der vielen Pflichtspiele in den vergangenen Wochen. Oder ob umgekehrt der TSV Havelse einen Vorteil hat, weil dessen Trainer Jan Zimmermann den FC Schweinfurt zuletzt so häufig beobachten konnte, also dessen Stärken und Schwächen besser kennt. Zumindest dürften die Spieler des Meisters aus der Regionalliga Nord gut in Form sein; einen langen Trainings-Lockdown wie in Bayern musste der niedersächsische Viertligist nicht kompensieren. "Das kann man sich doch alles hin- und her überlegen", sagt Trainer Jan Zimmermann vom TSV Havelse vor den Aufstiegsspielen: mehr Spielpraxis hier, höhere Belastung dort. Da können die Umstände noch so ungewöhnlich sein, entscheidend sei doch einfach, wer seine Leistung besser auf den Platz bekomme. Allerdings ist es für Havelse die erste Leistungsabfrage nach 230 Tagen ohne Pflichtspiel, wenn am Samstag um 13 Uhr das Hinspiel im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion angepfiffen wird.

Havelse war Abbruch-Meister - nach gerade mal neun absolvierten Partien

Der 41-jährige Trainer Zimmermann hat eine ganz besondere Motivation: Er will dem TSV Havelse in die dritte Liga verhelfen, als Abschiedsgeschenk quasi. Dann wird er 13 Kilometer weiter südöstlich arbeiten, als Cheftrainer des Zweitligisten Hannover 96. Für ihn selbst sei die Meisterschaft im Norden gar nicht so überraschend gekommen. Doch es ist zumindest fair zu sagen, dass Havelse aus einer Momentaufnahme heraus zum Abbruch-Meister wurde, nach gerade einmal neun absolvierten Spielen. In dieser Zeit brachte es die Mannschaft aber immerhin auf ein Torverhältnis von 21:5, und ähnlich wie bei Schweinfurt mit Adam Jabiri ist in Havelse der gefährlichste Stürmer leicht ausgemacht: Der 27-jährige Yannik Jaeschke hat sechs Tore erzielt, in der Saison davor in 21 Partien elf.

Vor 31 Jahren hatten sich die Kontrahenten kurz mal ganz gut kennengelernt. 1990 waren sie nämlich gleichzeitig in die zweite Bundesliga aufgestiegen - und gleichzeitig nach einem sehr erfolglosen Jahr auch gleich wieder deutlich runtergegangen (Schweinfurt verlor in Havelse 1:4 und spielte zu Hause 1:1). Havelses Trainer damals hieß übrigens Volker Finke. Vor anderthalb Jahren bestritt Schweinfurt in einem Trainingslager mal ein Testspiel gegen Havelse. "Aber ich wüsste jetzt noch nicht einmal, wie viele der Spieler von damals noch dabei sind", sagt Adam Jabiri. Die Havelser gelten als eine Mannschaft, der gerne das Attribut "eklig" zugeschrieben wird: zweikampfstark, schwer zu bespielen. "Genau das erwarte ich von meiner Mannschaft", sagt Zimmermann. Und kündigt an, dass man in Schweinfurt "aktiv", spielen werde, "so, wie wir das immer machen" - und auf gar keinen Fall abwartend.

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