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Aufstieg von Angelique Kerber:Beste Deutsche seit Steffi Graf

Siege gegen Top-Athletinnen wie Serena Williams, Platz sechs in der Weltrangliste: Angelique Kerber ist die beste deutsche Tennisspielerin, seit Steffi Graf 1999 zurückgetreten ist. Ein Ende ihrer Entwicklung ist nicht abzusehen - wer Kerber fragt, wie sie das geschafft hat, erntet oft fragende Blicke.

Um ein Happy-End einschätzen zu können, muss man immer auch den Anfang der Geschichte im Auge haben. Das ist auch im Fall von Angelique Kerber so, die trotz ihrer Finalniederlage von Cincinnati gegen die Chinesin Li Na auf Platz sechs der Weltrangliste vorgerückt ist - und damit so gut dasteht wie keine Deutsche, seit Steffi Graf im August 1999 als Nummer drei der Welt zurücktrat.

Western & Southern Open - Day 8

Ende der Entwicklung nicht absehbar: Angelique Kerber.

(Foto: AFP)

Für Kerber ist es der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die sinnigerweise vor exakt einem Jahr begann. Am 20. August 2011 ging sie in Dallas an den Start, bei einem kleineren Turnier in Texas, für das sie sich dennoch erst einmal durch die Qualifikation kämpfen musste. Das war das Resultat eines völlig verkorksten Frühjahrs, in dem die Kielerin bis auf Platz 107 der Weltrangliste abgesackt war, weil sie gegen Spielerinnen mit Namen wie Gallovits-Hall, Dominguez Lino oder Pous-Tio verlor, deren Vornamen selbst Experten nur mit Mühe memorieren können.

In Dallas überstand sie die erste Runde (gegen die fast unbekannte Chanelle Scheepers) nur mit äußerster Mühe. Was folgte, ist Teil einer der beeindruckendsten Aufsteiger-Geschichten im Tennis: Halbfinale bei den US Open, Halbfinale in Wimbledon, bei zwölf der vergangenen 17 Turniere zumindest im Viertelfinale, 2012 vier Finalteilnahmen, als einzige Spielerin auf der Tour mehr als 50 Saisonsiege, in der abgelaufenen Woche erstmals nacheinander Erfolge gegen zwei Top-Fünf-Spielerinnen. Kerber wird um Blogs für Turnierseiten gebeten und darum, Twitter-Fragen von Fans zu beantworten. Sie ist im Dauer-Einsatz und zeigt dennoch keine Anzeichen, überspielt zu sein oder überheblich zu werden.

Wer Kerber fragt, wie sie das geschafft hat, erntet oft einen fragenden Blick, weil sie sich das alles selbst nicht genau zusammenreimen kann. Was unübersehbar ist: Sie hat konditionell enorm hinzugewonnen und verfügt über eine ungeheure Willenskraft. Dadurch bringt sie unendlich viele Bälle zurück und sät Zweifel im Kopf der Gegnerinnen. Das wiederum hat zur Folge, dass sie inzwischen sogar Top-Athletinnen wie Serena Williams dazu bringt, schlechter zu spielen als gewöhnlich. Das ist zwar nicht immer spektakulär, aber es ist eine nicht zu unterschätzende Kunst. Und in der Addition ergibt es eine Mischung, die auf der Tour gefürchtet wird. Nicht zufällig hat Kerber von ihren 19 Dreisatzpartien in dieser Saison 18 gewonnen.

Ihre Aussagen, Fitness und ein gutes Team seien wichtig, mögen auf Dauer einfallslos klingen. Und auch der Satz, sie müsse an ihrer Konstanz arbeiten, mag monoton anmuten. Aber er ist wahr. Und das ist letztlich das Erstaunlichste: Angelique Kerber kann sich gerade spielerisch noch verbessern. Ihre Geschichte mag also schon jetzt happy sein. Aber von einem Ende kann längst nicht die Rede sein.

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