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Aufstieg in die Premier League:Sammelbüchsen für den Neuaufbau

Nach dem Abstieg in die vierte Liga stand der einstige Zweitligist vor einem gewaltigen Schuldenberg. Mehrere Spieler verließen Bournemouth, der Verein, längst bankrott, reichte Sammelbüchsen durchs Stadion. Die Fans auf den Rängen warfen Münzen und Scheine hinein, die Zuschauer auf den VIP-Sitzen überwiesen Spenden. Ein Neuaufbau sollte her, einer, für den die Bedingungen kaum widriger hätten sein können: Wegen Verstößen gegen die Lizenzauflagen bestrafte der englische Fußballverband (FA) Bournemouth vor Beginn der Saison 2008/09 mit 17 Punkten Abzug.

"Vor sechs Jahren lag der Verein auf seinen Knien", sagt Trainer Eddie Howe heute. "Wir hatten nichts. Eine Gruppe von Anhängern hat ihr Geld genommen, um den Club am Leben zu erhalten", so Howe. Schließlich, im Januar 2009, übernahm Howe das Traineramt und schaffte trotz der Hypothek den Klassenerhalt in der "Football League Two". Es war das erste kleine Wunder in der englischen Hafenstadt, aber nicht das letzte.

Ein Jahr später führte Howe den FC Bournmouth zum Wiederaufstieg, 2012/13 dann bis in die zweithöchste englische Liga. Es dauerte zwei weitere Jahre und 90 Zweitligaspiele, bis zu jenem Montagabend, an dem Marc Pugh, Matt Ritchie und Callum Wilson mit ihren Treffern jegliche Zweifel daran beseitigten, dass Bournemouth der insgesamt 66. Verein sein wird, der in der höchsten englischen Spielklasse um Punkte kämpft.

66. Team in der obersten Spielklasse

"Bournemouths märchenhafter Aufstieg aus den Untiefen der dritten Liga in die Premier League", wie die Sun bemerkte, ist einer, der an echte Fanliebe erinnert, und an Fußballer, die mit Herzblut bei der Sache sind. Tatsächlich aber verdankt der AFC Bournemouth seinen Erfolg zu einem Gutteil einem spendablen Geldgeber, wie man ihn auch in Leipzig kennt und schätzen gelernt hat. Immerhin steht RB Leipzig - vor wenigen Jahren noch in den Niederungen des Amatuerfußballs zu finden - dank seines Sponsors mittlerweile an der Schwelle zur Bundesliga und dürfte in Kürze das schaffen, was Bournemouth praktisch bereits erreicht hat. Auch im englischen Süden ist vor einigen Jahren ein Investor eingestiegen - Maxim Demin ist mittlerweile Besitzer des Klubs. Im Rampenlicht zu stehen, so der Guardian, sei zwar "nicht der Stil des russischen Ölmilliardärs, auch wenn sein Investment in die Infrastruktur und in den Kader eine Rolle gespielt" habe.

Durch den Aufstieg kann Bournemouth jetzt dank des neuen TV-Vertrags mit der Premier League knapp 170 Millionen Euro an fixen Mehreinnahmen einplanen. Lediglich Charlton Athletic, Bournemouths Gegner im Saisonfinale, könnte daran theoretisch noch etwas ändern - die Londoner schickten prompt eine vielsagende Warnung nach Südengland. "Bournemouth feiert, als ob sie eine 19:0-Niederlage im Valley (Charltons Heimspielstätte, d. Red. ) am Samstag schon sicher ausgeschlossen hätten", twitterte Charlton. Mit dem Zusatz: "Wir werden ja sehen ..."

© SZ.de/koei/ebc/jobr
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