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Aufsteiger SC Freiburg :"Und jetzt haut ab!"

Mit einem Sieg in Paderborn gelingt den Breisgauern die Bundesliga-Rückkehr. Danach stürmt die Mannschaft die Pressekonferenz, bis Trainer Streich seine Spieler zur Räson ruft. Die Party geht weiter.

Als der Tross gegen ein Uhr nachts daheim angekommen war, konnte auch Christian Streich endlich richtig feiern. Der Trainer stand auf einer kleinen Empore am Freiburger Stadion und gab den Einpeitscher für das rund 3000-köpfige Empfangskomitee.

Rund 50 Wochen nach dem ebenso unglücklichen wie unnötigen Abstieg ist der SC Freiburg nach dem 2:1 in Paderborn wieder in der Bundesliga - und man wird lange suchen müssen, um einen Fußballinteressierten zu finden, der das den Schwarzwäldern nicht gönnen würde.

Der kleine Sportclub aus dem Breisgau ist so etwas wie das gute Gewissen der duchkommerzialisierten Bundesliga.

Das liegt nicht zuletzt an seinem Trainer. Streich ist ein Kauz, keine Frage, sein Verhalten an der Seitenlinie kann einem schon einmal auf die Nerven gehen, doch er ist ein anständiger Kerl, ein Mann mit Haltung. Er hat oft genug betont, dass es wichtigeres gibt als Fußball, wenige Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg wetterte er gegen "die unsägliche fremden- und gästefeindliche Politik einiger Parteien" und forderte seine Spieler zum Wahlgang auf.

"Der andere Trainer muss noch was sagen, die kämpfen gegen den Abstieg."

Als diese Spieler am Freitagabend, nachdem der Aufstieg perfekt war, die Pressekonferenz stürmten, um ihrem Coach eine Bierdusche zu verpassen, ließ Streich dies resignierend-milde lächelnd über sich ergehen, ehe er seine Aufstiegshelden aus dem Raum scheuchte. "Und jetzt haut ab! Der andere Trainer muss noch was sagen, die kämpfen gegen den Abstieg. Geht raus!"

Der Gegensatz hätte auch kaum größer sein können. Freiburg und Paderborn sind 2015 gemeinsam abgestiegen. Während Streich und die Seinen, obwohl es noch nicht einmal unbedingt geplant war, souverän den sofortigen Wiederaufstieg klarmachten, liegen die Ostwestfalen auch wegen abenteuerlicher Personalentscheidungen (Stefan Effenberg!) auf Platz 18 der zweiten Liga.

Stoppelkampf grollt: "Die Latte hatte ein Freiburger Trikot an"

Dabei hätte Paderborn am Freitag mindestens ein Unentschieden verdient gehabt. "Diese Mannschaft ist außergewöhnlich. Aber wir hatten heute auch Glück, Paderborn muss einem heute ein Stück leidtun", sagte Streich angesichts dreier Lattentreffer der Paderborner in der Schlussphase. Paderborns Mittelfeldspieler Moritz Stoppelkamp konstatierte: "Ich glaube, die Latte hatte heute ein Freiburger Trikot an. Aber wenn du unten stehst, hast du die Scheiße am Schuh. Wir hatten sie heute an der Latte." Streich gab ihm recht. "Was wir letztes Jahr an Pech hatten, hatten wir jetzt an Glück", sagte er.

Aber nur mit Glück gewinnt man sicher nicht zehn der letzten elf Spiele, ein bisschen Können gehört schon auch dazu. Fünf Millionen Euro gab der SC für Neuzugänge aus, für seine Verhältnisse ist das gar nicht so wenig. Andererseits nahm man durch Verkäufe auch 30 Millionen Euro ein. Die Zugänge schlugen zudem alle ein: Torjäger Nils Petersen, zuvor nur ausgeliehen, wurde fest verpflichtet. Er traf 21 Mal. Der dynamische Standardspezialist Vincenzo Grifo (für eine Million Euro aus Hoffenheim) ist womöglich der beste Mittelfeldspieler der zweiten Liga, Sechser Amir Abrashi nicht viel schlechter.

Grifo und Abrashi waren am Freitag auch bei den Presseraumstürmern ganz vorne mit dabei, wie alle anderen gehorchten sie der Anweisung ihres Trainers. Natürlich, wer kann Streich schon widersprechen?

Bei ein paar Bier sollte es nicht bleiben

Außerdem konnten sie ja auch in der Kabine weiterfeiern. Und im Flugzeug. Und mit den Fans am eigenen Stadion. Noch auf dem Paderborner Rasen hatten sie ihren Trainer in die Luft geworfen. "Ich hatte schon ein paar Bier, aber dabei wird es sicher nicht bleiben", erklärte der aus München stammende Stürmer Florian Niederlechner, der erst in der Winterpause aus Mainz nach Freiburg gekommen ist und bisher sechs Tore zum Wiederaufstieg der Breisgauer beigetragen hat.

Schon vor einem Jahr, nach dem Abstieg in Hannover, waren Freiburgs Spieler und Streich übrigens von den Fans am Stadion empfangen worden. Mit aufmunterndem Applaus. Im Breisgau leben eben anständige Leut'.