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Aufregung um Coach der Schweiz:Hitzfeld entgleist

Eigentlich gilt er als zurückhaltender Gentleman, doch diesmal zückt er den Stinkefinger: Der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld findet für seine unfeine Geste im WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen eine kuriose Entschuldigung - trotzdem droht ihm eine Strafe.

Switzerland vs Norway

Ottmar Hitzfeld (re.) war sauer: Auf den Schiedsrichter, auf seine Spieler und nicht zuletzt auf sich selbst. Doch wem zeigte er den Mittelfinger?

(Foto: dpa)

Ottmar Hitzfeld sieht in diesem Moment genau so aus, wie er immer aussieht. Schwarzer, elegant schlichter Trenchcoat, der Kragen hochgestellt, das graue Haar stoppelig nach hinten gekämmt, die vielen Falten und Furchen im Gesicht so tief, dass man einen ganzen Uli Hoeneß drin verstecken könnte, der Schritt langsam, Ottmar Hitzfeld ist ja keiner dieser Rumpelstilzchen-Trainer, er ist kein Klopp; er rennt nie, er schreitet, und wenn er sauer ist, dann schimpft er und gestikuliert zwar auch mal, aber er fuchtelt nicht. Und dann dieser Blick: ernst, sehr, sehr ernst.

Ottmar Hitzfeld also geht ein paar Schritte, er dreht sich zur Spielfeldmitte, er schimpft, und dann passiert es: Ottmar Hitzfeld ist für einen kurzen Moment lang nicht mehr Ottmar Hitzfeld. Alles landet irgendwann im Netz, also ist auch das im Internet anklickbar, als Video: Wie Ottmar Hitzfeld nach dem Abpfiff des WM-Qualifikationsspiels Schweiz gegen Norwegen seinen Mittelfinger effenberghaft zum so genannten Stinkefinger ausstreckt, um dem Schiedsrichter anzuzeigen, was er von ihm hält.

Der Schiedsrichter, ein gewisser David Fernández Borbalán aus Spanien, ist in diesem Moment zwar nicht im Bild zu sehen, aber die Sache ist ja klar, Hitzfeld wird später über den Herrn Borbalán schimpfen, er wird sagen, dass er "nicht viel über den Schiri sagen möchte", aber dass es "immer schwierig" sei, "gegen zwölf Mann zu spielen". Gegen wen sonst sollte der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld die unschöne Geste gerichtet haben, wenn nicht gegen den Schiedsrichter?

Natürlich haben auch die Regelwächter des Fußball-Weltverbandes Fifa diese Videobilder, wahrscheinlich werden sie die Aufnahmen dieser Tage ungefähr genau so oft anschauen wie die videogierige Internetgemeinde, ein Hitzfeld als Effenberg, so was sieht man ja nicht alle Tage. Ottmar Hitzfeld, 63, ist in der branchenüblichen Typologie der Trainer der Gentleman, der Lörracher Mathematiklehrer, der zwar emotionsgeladen ist, aber seine Emotionen im Griff hat.

Seine Biografie ließ er von Josef Hochstrasser schreiben, einem ehemaligen Pfarrer, und nur einmal verlor Ottmar Hitzfeld in seiner jahrzehntelangen Laufbahn bisher die Contenance: Als er nach sieben Jahren als Trainer des FC Bayern auf dem Rasen der Münchner Arena verabschiedet wurde, da weinte er.

Und jetzt: Prüft die Fifa, ob, und wenn ja, welche Konsequenzen Herr Hitzfeld in dieser Sache zu erwarten hätten, wie die Fifa am Sonntag mitteilte. Es droht eine Strafe wegen ungebührlichen Verhaltens. Ein Stinkefinger, noch dazu vor laufender Kamera, das kann teuer werden: Stefan Effenberg, der Erfinder des öffentlichen Stinkefingers, wurde nach seiner Geste gegen die deutschen Fans in der Vorrunde der WM 1994 nach Hause geschickt, und erst vor wenigen Tagen wurde der Trainer des französischen Meisters Montpellier, René Girard, nach seinem Stinkefinger in der Champions League gegen Schalke-Trainer Huub Stevens zu einem Spiel Sperre und einem weiteren auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt.

Aber doch ist die Sache mit Hitzfeld eine andere, im Gegensatz zu Effenberg und Girard ist bei Ottmar Hitzfeld ja nicht eindeutig geklärt, wem die Geste galt, was wiederum für eine eventuelle Bestrafung relevant wäre. Ottmar Hitzfeld sagt: Er habe den Stinkefinger gar nicht dem Schiedsrichter gezeigt. Sondern sich selbst.

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