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Aufklärung im Dopingfall Lance Armstrong:Landis peilt eine Belohnung von fünf Millionen an

Die Post war Teamsponsor bei sechs seiner sieben Tour-de-France-Titel, ihre Gesamtzahlung von 40 Millionen Dollar band sie vertraglich daran, dass die Fahrer nicht dopen. An diesem Punkt geklagt hatte 2010 zunächst Armstrongs Ex-Teamkollege Floyd Landis. Der finanziell ruinierte Doping-Kronzeuge, der noch 500 000 Dollar an Spender zurückzahlen muss, die ihm frühere Prozesse finanzierten, peilt nun auf der Grundlage eines besonderen amerikanischen Informantengesetzes eine Millionen-Belohnung an: Der Federal False claims act erlaubt Bürgern, im Namen der Regierung Betrug gegen staatliche Einrichtungen zu verfolgen - wie die Post eine ist.

Radsport Armstrongs gedopte Rivalen Bilder

Betrug bei der Tour de France 1999 bis 2005

Armstrongs gedopte Rivalen

Der Betrüger ist überführt: Lance Armstrong muss auf seine sieben Titel bei der Tour de France von 1999 bis 2005 verzichten. Zu einer Neuverteilung der Erfolge kommt es nicht - wohl aus gutem Grund: Schließlich ist keiner der einstigen Armstrong-Rivalen sauber geblieben. Ein Überblick über die Radprofis auf dem Tour-Podium an der Seite des Amerikaners - und deren Doping-Vergangenheit.

Der Staat USA kann die Causa an sich ziehen, das Justizministerium prüft das noch. Strafrechtlich war der Fall ja schon im Februar eingestellt worden, unter dubiosen Umständen vom kalifornischen Bundesanwalt Andre Birotte. Jetzt wird geraunt, Washington zögere, in Landis' Zivilstreit einzutreten, weil die überwältigenden Beweise den früheren Rad-Fitnesscoach Birotte ganz schlecht aussehen ließen. Allerdings: Winkt die US-Justiz ab, macht Landis eben allein weiter, Anwälte findet er zuhauf. Im Erfolgsfall streicht er bis zu 30 Prozent der Summe ein. Er wäre der große Gewinner.

Armstrong aber landet dann wohl an dem Ort, den er scheut wie der Teufel das Weihwasser: im Zeugenstand. Lügen unter Eid ist im Sport unpopulär geworden, seit die US-Sprintheldin Marion Jones deshalb hinter Gittern landete. Insofern liegt die große Brisanz der Washingtoner Akte in der Offenbarung, wie sich Armstrong gegen die Forderung gewehrt hatte, gewisse Papiere vorzulegen, als noch die Bundesermittlung zum Post-Betrug lief: Er wollte Zusatzartikel 5 zur Verfassung anwenden. Der besagt, dass niemand gezwungen werden darf, sich selbst zu belasten. Als Birotte den Fall abblies, brauchte Armstrong Artikel 5 nicht mehr; nun kam er der Vorladung nach und übergab die verlangten Papiere. Zwar blieben die bisher unter Verschluss, bei einer Wiederaufnahme spielen sie aber eine so zentrale Rolle wie Armstrongs Bezug auf Artikel 5: Wie kann sich der Mann, der stets vorgab, er habe aus Respekt vor allen Krebskranken nie gedopt - wie kann der sich selbst belasten? Seine Anwälte toben. Sie fühlen sich ausgetrickst.

Kein Wunder, zum Aktenfundus sollen auch Belege für Armstrongs Verbindung zum italienischen Arzt Michele Ferrari gehören. Der sieht seinem nächsten Dopingprozess entgegen, zuhause ist er auf höchster Ebene vernetzt. Die Ermittler haben allerlei Geldflüsse über Schweizer Firmen gefunden, weshalb die Ferrari-Affäre ähnlich staatstragend werden könnte wie die Armstrongs. Gleich nachdem dessen Akte in Washington publik wurde, gab Ferrari ein Interview: Er beteuerte, niemals Fahrer gedopt und auch nie Betrug bei Armstrong mitgekriegt zu haben. Das Interview gab er Al-Dschasira. Der arabische Sender wusste nicht einmal, dass gegen Armstrong wissenschaftlich klare Epo-Tests vorliegen.

Nun läuft der Großversuch, die Allianz der Doping-Vertuscher im Radsport aufzubrechen. Im Zentrum steht die UCI, der nicht nur droht, dass Armstrong in einem US-Zeugenstand umfallen könnte. Auch der Prozess mit Sponsor Skins kommt in Gang, der zwei Millionen Dollar Schadenersatz fordert und den Rückzug der Sport- bosse McQuaid und Verbruggen. Skins-Chef Jaimie Fuller teilte am Freitag mit, er erwarte in Kürze einen Schlichtungs-Termin. Von seiner Forderung aber rückt er nicht ab: "Wie die UCI alles blockt, ist völlig unentschuldbar." Dies zeige, wie gering der Wunsch sei, Doping auszulöschen.

Pressestimmen zum Usada-Bericht

"Schändlicher Armstrong als Tyrann"