ATP-Turnier Murray ist wirklich da

Das ATP-Turnier am Aumeisterweg findet nun doch ohne Tommy Haas statt. Dafür präsentiert sich der Weltranglisten-Dritte Andy Murray der Öffentlichkeit.

Von Gerald Kleffmann

Am Sonntagmorgen stieg Patrik Kühnen aus dem Auto, schob ein Absperrgitter beiseite und parkte sein Vehikel. Dann betrat er die Anlage des MTTC Iphitos und fragte sich verwundert: "Was ist denn hier los?"

Hunderte von Menschen wuselten bereits umher, vor dem Schalter mit dem Schlagwort "Tageskasse" bildete sich eine Schlange, entlang der Tennisplätze standen Gruppen von Zuschauern und beäugten selbst Trainingseinheiten unbekannterer Profis. Vor genau einem Jahr, am ersten Turnierwochenende, an dem traditionell die Qualifikation ausgespielt wird, herrschte eher verhaltene Stimmung, bei feucht-kühlen Temperaturen. Kühnen, in seinem zehnten Jahr als Turnierdirektor der BMW Open, weiß die Lage schon richtig einzuschätzen, vor allem dieses oberste Münchner Gesetz, das hier lautet: "Wenn das Wetter passt, ist es voll." Sonntag passte es.

Mehr als 5000 Besucher pilgerten an den ersten beiden Tagen zum MTTC Iphitos, am Rande des Englischen Gartens auf Höhe des Biergartens "Aumeister" gelegen. "Wir sind sehr zufrieden", sagte Kühnen zur ersten Mini-Bilanz. Zumal ja der Hauptakt erst noch folgt, das eigentliche Turnier. Mitte März, beim Meldeschluss, lag der Cut-off bei Weltranglistenplatz 57. Auf diesem befand sich damals der unerschütterliche Victor Estrella Burgos aus der Dominikanischen Republik; Spieler hinter ihm mussten auf eine Wildcard oder die Qualifikation hoffen, um einen der Startplätze im 32er-Feld zu ergattern. "Für ein Turnier der 250er Kategorie ist das überragend", sprach Kühnen und bekam nicht mal eine lange Nase: Er hatte ja nicht geflunkert. Fünf Deutsche (Jan-Lennard Struff, Florian Mayer, Philipp Kohlschreiber, Alexander Zverev, Benjamin Becker) sind im Hauptfeld vertreten, drei weitere (Dustin Brown, Nils Langer, Mischa Zverev) haben noch die Chance, in der letzten Qualifikationsrunde an diesem Montag einen von vier freien Plätzen im Hauptfeld zu sichern, in dem ein bekannter Name allerdings fehlen wird: der von Tommy Haas.

Kaum gelandet, schon aktiv: Tennisprofi Andy Murray bei seinem ersten Training am Sonntagnachmittag auf dem Center Court des Münchner Turniers.

(Foto: Philippe Ruiz)

Unter den vielen Geschichten, die eine Veranstaltung in einer Einzelsportart wie Tennis gerne bietet, ragten vorab zwei heraus, die diese Woche prägten sollten: Haas kam die Rolle des nationalen Hauptdarstellers zu, Andy Murray die des internationalen Topacts. Beide betraten auch am Sonntag die Anlage, sie zogen viele Blicke auf sich. Nur: Haas, eine Art Berufscomebacker, erschien ohne Schläger. Der 37-Jährige musste die avisierte Premiere nach seiner nun vierten Schulter-Operation im letzten Moment verschieben, wofür er sich bereits am Samstag entschuldigte: "Ich habe alles gegeben, um fit zu sein für mein Lieblingsturnier. Leider hat es trotz intensiver Vorbereitung nicht gereicht." Haas hatte zuletzt schon die Veranstaltungen in Indian Wells, Miami und Monte Carlo als Teilnehmer ausgelassen (in Indian Wells hatte er aber viel trainiert) und war vor zwei Wochen nach München gereist, um in der Heimat seiner Eltern und Schwester an sich zu arbeiten. Ohne durchschlagende Fortschritte. Seine Schulter bereitet ihm insbesondere beim Aufschlag Probleme. Wann er überhaupt zurückkehrt, ist weiter offen.

Wie sein Manager Edwin Weindorfer bestätigte, wird Haas in jedem Fall auch beim Masters-Serien-Turnier in Madrid passen, das kommende Woche ansteht. In Rom wiederum, dem dann folgenden Masters-Event, taucht Haas nicht auf der sogenannten Entry-List auf, er hat demnach nicht gemeldet. Somit könnte der beste deutsche Spieler der vergangenen 16 Jahre, derzeit nur auf Rang 173 der Weltrangliste geführt, nur noch mit einer Wildcard in Italien starten, die er - so Weindorfer - wohl bekommen könnte. Haas indes hat vor zwei Wochen betont, er werde erst wieder spielen, wenn er sich absolut wettbewerbsfähig fühle. Gut möglich daher, dass er die kräftezehrende Sandplatzsaison samt den French Open in Paris ganz auslässt, um in Stuttgart (ab 8. Juni) beim ATP-Turnier, das sein Manager veranstaltet, zum Start der Grasplatz-Saison zurückzukehren. Auf diesem deutlich körperschonenderen Belag wäre es sicher einfacher, wieder ins Geschehen einzugreifen. Auch diese Option hänge wie gerade eben alles vom Genesungsprozess von Haas ab, sagte Weindorfer. Am Dienstag wird sein Spieler nochmals zum Münchner Publikum auf dem Center Court sprechen und über seine Befindlichkeit genauer Auskunft geben.

"Leider hat es trotz intensiver Vorbereitung nicht gereicht": Tommy Haas leidet weiter unter Schulterbeschwerden.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Schon am Dienstag spielt Murray Doppel - mit Jean-Julien Rojer

Murray, Weltranglisten-Dritter, Wimbledonchampion, Olympiasieger und seit 11. April auch Ehemann, rückt somit noch ein bisschen mehr in den Fokus, und er überlieferte immerhin schon mal direkt nach der Anreise aus Barcelona, wo er einige Trainingstage verbrachte, positive Nachrichten. "Ich fühle mich physisch sehr gut", sagte der 27-jährige Schotte und ordnete freundlicherweise die Meldung gleich ein: "Das war in den letzten Jahren zu Beginn der Turniere auf Sand nicht immer der Fall." Dass Murray, der "seit zehn Jahren oder so kein 250er Turnier mehr gespielt" hat, wie er meinte, in München antritt, hat mit einem besonderen Jubiläum zu tun. Zur 100. Auflage der Internationalen Meisterschaften von Bayern gönnen sich die Veranstalter diesen speziellen Spieler. Sein erstes Einzel bestreitet Murray, der am Sonntag eine erste Einheit auf dem Center Court absolvierte, nach einem Freilos am Donnerstag. Offiziell im Einsatz ist er indes schon am Dienstag, im Doppel schlägt er dann mit dem Niederländer Jean-Julien Rojer auf.