Zum Abschluss seiner Saison bekam Jannik Sinner in den Katakomben der Tennisarena in Turin noch einen Ritterschlag. Der legendäre Gianni Morandi, in Italien als Musiker, Schauspieler und Lebemann geschätzt, begegnete Sinner nach dessen Sieg bei den ATP Finals und sagte: „Jannik, in Italien haben wir Ferrari, Armani – und dich!“ Wobei im Grunde noch wesentlich vielsagender war, dass der große Sänger sich genauso geehrt fühlte, als der große Tennisspieler ihm postwendend verriet, dass er vor dem Finale noch einen Morandi-Song gehört hatte: „Wirklich? Welche Ehre“, sagte der 80-Jährige.
Es sind diese kleinen Episoden, die ähnlich viel über Sinners paradiesisches Dasein in Turin erzählen wie die sportliche Bilanz: Ein Match hat der 24-Jährige in den vergangenen drei Jahren in Turin verloren, das Finale von 2023. Wie schon im vergangenen Jahr gewann er das Turnier ohne Satzverlust, auch wenn sein Finalgegner Carlos Alcaraz immerhin erstmals in dieser Woche das Kunststück vollbrachte, Sinner ein Aufschlagspiel abzunehmen. Allein, es half kaum etwas: 7:6 (4), 7:5 gewann der Südtiroler das sechste Finale, das die Nummer eins und die Nummer zwei der Weltrangliste in diesem Jahr gegeneinander ausspielten.
Die Bilanz spricht zumindest am Jahresende 2025 für den Spanier: Vier Finalduelle gewann er gegen Sinner, darunter bei den French Open und den US Open zwei Grand-Slam-Finals. Der Pokal für die oberste Position in der Weltrangliste wurde Alcaraz bereits am Freitag verliehen. Am Sonntag gehörte die Bühne in Turin aber wieder Sinner, dem lokalen Heroen, der einen Quotenrekord ermöglichte: Sieben Millionen Zuschauer hat in Italien noch nie ein Tennismatch vor den Fernseher geholt.

