Spaßabend in Baku
Eine Reise zur Heimstatt von Qarabag Agdam in Baku muss vielen englischen Fans einem Fest gleichen. Egal, ob sie Newcastle United anhängen (die Magpies waren am Mittwoch dort zu Gast) – oder anderen Premier-League-Klubs. Der Grund: Das Nationalstadion in Baku ist nicht mehr nach Stalin (ab 1951) oder Lenin (ab 1956) benannt, sondern nach Tofik Bakhramov. Ihn halten alle Engländer in Ehren, seit er als Linienrichter im WM-Finale 1966 das „Wembley-Tor“ von Geoff Hurst goutiert und einen fundamentalen Beitrag zum Englands einzigem WM-Sieg geleistet hatte; das Endspiel gegen Deutschland endete 4:2 (n. V.). Und damit in die Gegenwart: In einem einseitigen Playoff-Hinspiel der Champions League besiegte Newcastle Qarabag mit 6:1. Vier Treffer erzielte allein Anthony Gordon – weil er einen Elfmeter nicht an DFB-Stürmer Nick Woltemade abgeben wollte, wurde Gordon von Kollege Kieran Trippier zur Pause gerügt. Die restlichen Tore erzielten Jacob Murphy und DFB-Verteidiger Malick Thiaw. Offen blieb danach nur dies: Wie zur Hölle schaffte es Eintracht Frankfurt im Dezember, in Baku zu verlieren? Denn dass Newcastle im Achtelfinale steht, dürfte klar sein.
Verhext in Brügge

„Hexerei!“, titelte die Zeitung As am Donnerstag zur Partie von Atlético Madrid beim FC Brügge (3:3). Was nichts damit zu tun hatte, dass dort irgendeine Form von Magie zu beobachten gewesen wäre. Sondern damit, dass Brügge auf Spanisch „Brujas“ heißt, wörtlich: „Hexen“, seit Flandern im 16. Jahrhundert Teil der spanischen Krone wurde. Das Wort „Brugge“ können die Spanier nicht korrekt aussprechen, nur verballhornen. Andererseits: Vielleicht ist in Brügge doch so etwas wie Hexerei im Spiel. Weniger, weil Atlético erst durch Julián Álvarez (8.) und Ademola Lookman (45.+4) sowie später durch ein Eigentor von Joel Ordóñez (79.) in Führung lag und Brügge dennoch stets zurückkam. Sondern weil nach dem Anschlusstreffer der Belgier von Raphael Onyedika (1:2/52.) zwei Spieler zu Treffern kamen, die von Bundesligisten übersehen und von Brügge aus der zweiten deutschen Liga geholt wurden: Der Ex-Hannoveraner Nicolò Tresoldi erzielte das 2:2 (60.), den 3:3-Endstand stellte Christos Tzolis, vormals für Düsseldorf tätig, her (89.). Dass Atlético-Trainer Diego Simeone auf den Scheiterhaufen kommt, wenn er das Rückspiel verliert, ist unwahrscheinlich. Ausgeschlossen ist es nicht.
Brandstiftung in Bodö/Glimt

In der Gazzetta dello Sport las es sich tags darauf sehr direkt: „Inter, wir haben ein Problem (in der Defensive)“. Die 1:3-Niederlage der Mailänder beim norwegischen Klub FK Bodö/Glimt war damit präzise verschlagwortet worden. Probleme stapeln sich für Inter Mailand in der Tat turmhoch auf nach diesem desolaten Auftritt am Mittwoch in den Champions-League-Playoffs – eine Extrarunde, auf die sie beim Finalisten der Vorsaison ohnehin gern verzichtet hätten. Maßgeblich beteiligt war, ja genau, die Defensive. Präziser: Vor allem der Verteidiger-Routinier Francesco Acerbi, 38, ließ sich immer dort blicken, wo es brannte – und zwar als personifizierter Brandstifter gegen die Mailänder Sache. Ein ums andere Mal kombinierten sich die Norweger hübsch nach vorn, und Acerbi gab nicht nur bei den Gegentoren durch Sondre Fet (20.), Jens Petter Hauge (62.) und Kasper Högh (64.) keine gute Figur ab. In diesem Spiel war er da zwar nicht allein. Aber dass das Alter am Abwehrmann zu nagen beginnt, lässt sich einer Statistik entnehmen: Inter hat in dieser Saison acht Spiele verloren – bei sechs davon war Acerbi, sonst inzwischen Teilzeitkraft, in der Startelf gestanden.
