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Atlético gegen Chelsea in der Champions League:Klammern, Rempeln, Checken, Treten

ATLETICO MADRID VS. CHELSEA

Umzingelt von wütenden Londonern: Atlético Madrids Mittelfeldspieler Diego (Mitte).

(Foto: dpa)

Viele Fouls, kaum Torszenen, zeitschindende Londoner und kartenfordernde Madrilenen: Das Halbfinal-Hinspiel zwischen Atlético und Chelsea hält viel von dem, was befürchtet worden ist. José Mourinho ermauert sich durch das 0:0 eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel - verliert jedoch Torwart Petr Cech und Kapitän John Terry.

Die Teams verbinden durchaus Ähnlichkeiten. Unter anderem gelten die Trainer von Atlético Madrid und dem FC Chelsea als gewiefte Taktiker mit verwandter Spielmasche: gegen den Ball viel laufen, den Gegner zermürben, hinten dicht machen und kontern. Deuten darauf nicht auch die Ligatabellen hin? Diego Simeone, der Atlético-Coach, hatte vor dem ersten Halbfinal-Treffen noch einmal darauf hingewiesen: "Beide Mannschaften haben in ihren Ligen die wenigsten Gegentore." 22 hat Atlético zugelassen, 26 Chelsea - mit einem Spiel mehr. Zwei Defensivgebilde also, eher keine Ballbesitz-Fanatiker, zudem ein Hinspiel - was zu erwarten war, trat ein: kaum Torszenen, viele Foul-Unterbrechungen, zeitschindende Londoner, kartenfordernde Madrilenen - keine Sternstunde.

Das folgerichtige Ergebnis: 0:0.

Zwei der 26 Gegentore haben Chelsea-Trainer José Mourinho besonders weh getan, die beiden am Samstag beim 1:2 gegen Sunderland, mit denen der Klub deutlich schlechtere Aussichten auf den Titel in England hat. Gegen Atlético hatte Mourinho sein Team nun leicht umgebaut. Die Angreifer André Schürrle und Demba Ba blieben zunächst draußen, dafür setzte er auf den besonderen Ehrgeiz von Fernando Torres, der bei Atlético einst groß geworden war.

Auf der Gegenseite wiederum spielte etwas überraschend von Beginn an der Ex-Wolfsburger Diego und erwartungsgemäß Torwart Thibaut Courtois, 21, und da wurde es vorab etwas kompliziert. Der Belgier gehört eigentlich Chelsea und ist seit drei Jahren an Atlético ausgeliehen. Eine Klausel, wonach die Spanier den Engländern für den Einsatz des Belgiers sechs Millionen Euro in diesem Halbfinale zahlen hätten müssen, hatte die Uefa für unwirksam erklärt. Courtois, ein bislang sicherer Rückhalt für Madrid, stand zwischen den Pfosten, und er war wie Torres hoch motiviert.

Cech verletzt sich früh

Beweisen konnte er sich dennoch nicht, denn vor dem Atlético-Tor spielte sich so gut wie nichts ab. Der FC Chelsea stand so tief, dass sogar Mourinho zwischendurch sein Team nach vorne fuchtelte - ohne Ergebnis. Man wollte nichts riskieren, verdichtete zwei hintereinander liegende Abwehrketten und spielte bisweilen konzeptlos nach vorne. Erst recht, nachdem Torwart Petr Cech einen Eckball über die Latte bugsiert hatte, gestürzt war und mit Schulterverletzung ausgewechselt wurde. Chelseas Torwart-Zukunft spielte ja auf der anderen Seite, also musste der 41-jährige Deutsch-Australier Mark Schwarzer nochmals ran - in seinem zweiten Champions-League-Spiel.

Sicherheit blieb angesagt. Atlético versuchte sein Bestes, erreichte aber nichts Zählbares. Mourinhos Spieler rückten immer weiter nach hinten, Simeones Spieler weiter fleißig hinterher, der Ballbesitz wechselte meist durch verzogene Weitschüsse oder durch Fouls aller Art, Klammern, Rempeln, Checken, Treten, und danach Liegen oder Reklamieren. An dieser Tendenz änderte sich in der zweiten Hälfte nichts. Frank Lampard gelang nach Wiederbeginn zwar ein sehenswerter Schuss, der allerdings in Courtois' Armen landete.

Nach der kurzen Ausflugphase in den anderen Strafraum zog sich Chelsea lieber wieder zurück, vielleicht in der Gewissheit, dass den Madrilenen ohnehin die Abschlussstärke fehlte. In der Tat: Diego scheiterte einige Male aus der Distanz, Raul Garcia und Diego Costa kamen näher heran, Gefahr ergab sich nicht. Auch der Londoner Sturm blieb aber harmlos, obwohl Mourinho in der 73. Minute Schürrle für den verletzten John Terry brachte. Terry wird vermutlich ebenso wochenlang ausfallen wie Torwart Cech, offenbarte Trainer José Mourinho nach der Partie. Ums Torezählen ging es an diesem Abend also nicht, ergiebiger war dafür das Zählen gelber Karten. Vier Stück gab Schiedsrichter Jonas Eriksson. Drei Spieler sind deshalb fürs Rückspiel gesperrt: Frank Lampard, John Obi Mikel und Gabi. Macht 2:1 für Atlético.

© SZ vom 23.04.2014/ebc

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