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Radsport:Aufregung um Dottore Epo

21 07 2019 Tour De France Tappa 15 Limoux Prat D albis 2019 Astana Fuglsang Jacob Prat D alb

Soll Kontakt zu Michele Ferrari gehabt haben: Jakob Fuglsang

(Foto: Sirotti Stefano/imago)
  • Michele Ferrari erzeugt mal wieder viel Aufregung im Radsport.
  • Ein Report legt nun nahe, dass der Sportarzt in einem engen und verbotenen Kontakt mit Vertretern der kasachischen Astana-Mannschaft stand, darunter der dänische Spitzenfahrer Jakob Fuglsang.

Michele Ferrari zählt seit Jahren zu den berüchtigtsten Medizinern im Radsport-Gewerbe, "Dottore Epo" lautet sein vielsagender Spitzname. Diverse Spitzen-Athleten betreute er, unter anderem den enttarnten Super-Manipulator und siebenmaligen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong. Beim organisierten Betrugssystem in dessen US-Postal-Team spielte er nach Erkenntnissen der amerikanischen Anti-Doping-Agentur eine wichtige Rolle. 2012 wurde er für sein Tun lebenslang gesperrt. Nun erzeugt Michele Ferrari wieder viel Aufregung im Peloton - weil es den Verdacht gibt, dass er bis zuletzt in einem engen und verbotenen Kontakt mit Vertretern der kasachischen Astana-Mannschaft stand, darunter der dänische Spitzenfahrer Jakob Fuglsang.

Das geht aus einem Report hervor, der im vergangenen Jahr für die Anti-Doping-Organisation des Radsports (CADF) erstellt worden war und den zu Wochenbeginn die dänische Zeitung Politiken und die norwegische Zeitung VG in Teilen veröffentlichten. Offenkundig erhielt die CADF im Vorjahr Hinweise darauf, dass Ferrari im Astana-Umfeld noch aktiv sei. Deswegen beauftragte sie eine externe Firma mit Nachforschungen, die wiederum einen 24-seitigen Report erstellte und im Sommer übergab.

Sportlern ist schon die bloße Zusammenarbeit mit ihm untersagt

In dem Bericht heißt es unter anderem, dass die vorliegenden Informationen nahelegten, Ferrari sei weiter in das Doping von Astana-Athleten involviert. Zudem sei er 2019 bei der Katalonien-Rundfahrt anwesend gewesen und habe Fuglsang sowie dessen kasachischen Teamkollegen Alexej Luzenko in Nizza bzw. Monaco getroffen. Wegen Ferraris Bann ist Sportlern schon die bloße Zusammenarbeit mit ihm untersagt; tun sie es doch, droht eine Zwei-Jahres-Sperre. Wie die CADF mit dem Bericht weiter umging, ist unklar.

Fuglsang wies die Vorwürfe am Montagabend zurück. "Ich bestreite, dass ich mich mit Doktor Ferrari getroffen habe", schrieb er auf Instagram. Wortgleich äußerte sich auch der Kasache Luzenko. Astana erklärte, dass das Team nicht mit verdächtigen Doktoren wie Ferrari zusammenarbeite und es Fahrern verboten sei, externe Mediziner zu konsultieren. Zudem betonten sie, dass kein Doping-Verfahren eröffnet sei. Auch Ferrari, der verbotene Praktiken stets bestritt, wies die Darstellung zurück. Er sehe sich "einmal mehr gezwungen, einen Schwindel zu dementieren"; er stünde seit mehr als zehn Jahren in keiner Beziehung zu Astana-Fahrern und sei seit 1994 bei keinem Rennen gewesen. Der Weltverband UCI sagte, er habe keinen Bericht von der CADF erhalten, verfolge den Fall aber eng.

Fuglsang, 34, gehört nun im achten Jahr zum Kader der affärenumrankten Equipe. Aber noch nie war er so stark wie im Vorjahr. So gewann er etwa das prestigeträchtige Rennen Lüttich-Bastogne-Lüttich und kam auch bei zwei weiteren Frühjahrsklassikern aufs Podium. Bei der Tour de France musste er verletzt aussteigen.

Es ist nicht das erste Mal, dass es um eine Verbindung zwischen Ferrari und Astana geht. Der Arzt selbst bestätigte einmal, dass er früher mit Alexander Winokurow zusammengearbeitet habe. Der war als Aktiver als (Fremdblut-)Doper aufgeflogen und ist heute Generalmanager der Astana-Equipe. Zudem ermittelte die Staatsanwaltschaft Padua vor einigen Jahren in diesem Kontext intensiv - schon damals gab es Berichte, dass diverse Astana-Fahrer noch mit Ferrari trainieren würden.

© SZ vom 04.02.2020/sonn
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