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Asien-Cup:Misstrauen begleitet Katars große Feier

Public Viewing in Doha: Katarische Fans feiern zu Hause den Halbfinalsieg bei der Asienmeisterschaft.

(Foto: AFP)
  • Die katarische Nationalmannschaft streift erstmals ihre Statistenrolle bei einem großen Wettbewerb ab.
  • Nach sechs Siegen in sechs Spielen beim Asien-Cup, mit einer Torbilanz von 16:0, trifft sie an diesem Freitag im Finale in Abu Dhabi auf Japan.
  • Doch das Thema Einbürgerung sorgt erneut für Konfliktstoff.

Félix Sánchez Bas sitzt kerzengerade auf dem Podium, stützt seine Arme auf den Tisch, wie ein Schüler vor einer Prüfung. Wenn der Trainer des katarischen Nationalteams eine Frage auf der Pressekonferenz nicht verstanden hat, lässt er sie sich noch einmal übersetzen. Kein Zögern, kein Wort der Genugtuung. Seine Mannschaft spielte bei der Asienmeisterschaft ohne die Unterstützung eigener Fans und Familien. Zuletzt beim 4:0 im Halbfinale gegen den Gastgeber, die Vereinigten Arabischen Emirate, warfen Zuschauer Flaschen und Schuhe auf den Rasen, als Zeichen tiefer Abneigung. Die Emirate unterstützen die 2017 verhängte Handelsblockade Saudi-Arabiens gegen Katar. Doch Sánchez Bas wiederholt seit Wochen Sätze wie: "Wir konzentrieren uns auf den Sport."

Im März 1970 bestritt die katarische Nationalmannschaft ihr erstes Länderspiel. Fast 50 Jahre später streift sie nun erstmals ihre Statistenrolle bei einem großen Wettbewerb ab. Nach sechs Siegen in sechs Spielen beim Asien-Cup, mit einer Torbilanz von 16:0, trifft sie an diesem Freitag im Finale in Abu Dhabi auf Japan.

Immer mehr Medien außerhalb Asiens interessieren sich für diesen Aufstieg, doch Félix Sánchez Bas sagt: "Für uns sind diese Leistungen keine Überraschung. Wir haben dafür Jahre lang hart gearbeitet, wir sind als Gemeinschaft gewachsen."

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Sánchez Bas, 43, begann seine Laufbahn mit Anfang 20 als Jugendtrainer beim FC Barcelona. 2006 wechselte er in die "Aspire Academy" in Doha, in eines der weltweit größten Trainingszentren für Spitzensport. Die 2004 eröffnete Akademie ist das Zentrum für die vielleicht größte Talentsichtung der Fußballgeschichte. Hunderttausende Jugendliche wurden in dutzenden Ländern auf drei Kontinenten beobachtet. Die Vergabe der WM 2022 nach Katar im Jahr 2010 intensivierte den Austausch mit Wissenschaftlern und Akademien in Europa. Fast wöchentlich reisen Jugendteams zu Testspielen und Trainingslagern nach Katar.

Zwei Spieler lösen Gerüchte aus, die in einem offiziellen Protest enden

Sánchez übernahm 2013 die U19-Auswahl Katars und führte sie ein Jahr später zum Gewinn der Asienmeisterschaft. So lernte er in der Akademie auch jene Spieler kennen, die aktuell das Gerüst des A-Nationalteams bilden. Seit 2017 betreut er die Auswahl, die ein Durchschnittsalter von 24 Jahren hat. Etliche der 23 Spieler im Kader haben durch ihre Vorfahren Wurzeln in anderen Ländern, doch nur vier wurden nicht in Katar geboren, darunter Verteidiger Ró-Ró, der aus Portugal stammt, oder der Mittelfeldspieler Karim Boudiaf, aufgewachsen in Frankreich.

Zwei andere Spieler lösten in den vergangenen Tagen Gerüchte aus, die am Donnerstag in einen offiziellen Protest des Gastgebers mündeten. Der Fußballverband der Emirate verlangte den Ausschluss Katars. Er behauptet, dass Almoez Ali, 22, geboren im Sudan, und Bassam Al Rawi, 21, geboren im Irak, nicht für Katar spielberechtigt sind. Beide Spieler behaupten, dass ihre Mütter in Katar geboren seien. Der Weltverband Fifa erlaubt Spielern den Einsatz für ein neues Land, wenn sie selbst dort geboren wurden - oder aber ein Teil der Eltern beziehungsweise Großeltern. Sollte nichts davon zutreffen, müssen die Spieler nach ihrem 18. Geburtstag fünf Jahre in dem Land wohnen. Ali und Al Rawi sind noch keine 23. Der Verband der Emirate will sogar beweisen können, dass die Mutter Al Rawis in Bagdad geboren wurde.

"Ich bin überhaupt nicht besorgt", sagte Félix Sánchez Bas zu den Vorwürfen, die der Asiatische Fußballverband AFC untersucht. In sozialen Medien wunderten sich Nutzer, warum die Emirate erst jetzt an die Öffentlichkeit gehen, einen Tag vor dem Finale. Sie deuteten das als erneute Schikane, nachdem tausende Tickets für das Halbfinale von der Sportbehörde in Abu Dhabi ausschließlich an Staatsbürger der Emirate kostenfrei verteilt worden waren.