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AS Monaco:Die Geschichte eines erstaunlichen Absturzes

THIERRY HENRY ENTRAINEUR MONACO FOOTBALL Monaco vs Dijon Ligue 1 Conforama 27 10 2018 FEP P

Schuld waren immer die Spieler: Frankreichs Rekordtorschütze Thierry Henry machte bei seinem Debüt als Cheftrainer keine gute Figur.

(Foto: imago)
  • Jahrelang gelang es Monaco, stets ihre besten Fußballer zu Geld zu machen - und trotzdem oben zu stehen.
  • Doch nun erlebt der Verein eine turbulente Saison und erkennt, dass er zu viele seiner Leistungsträger abgegeben hat.
  • Trainer Leonardo Jardim, der während der Spielzeit entlassen und nun wieder zurückgeholt wurde, muss nun erneut ein Wunder vollbringen.

Dies ist die Geschichte eines erstaunlichen Absturzes, einer Entzauberung mit durchaus grotesken Zügen. Die Franzosen haben ihre stille Freude daran, weil die Geschichte im Fürstentum spielt. In Monaco also, unten im schönen Süden, wo alles etwas anders tickt als in der Republik. Auch im Fußball zahlen die Monegassen viel weniger Steuern als die Franzosen, obschon sie ja in der nationalen Meisterschaft mitspielen, in der Ligue 1. Das gibt immer mal wieder böses Blut. Doch die Association Sportive ist eben auch zur französischen Traditionsmarke gereift. Im Ausland nimmt man oft wohl gar nicht wahr, dass das nicht Frankreich ist.

Nun steht Monaco in der Meisterschaft plötzlich auf dem 19. Platz, dem vorletzten. Von den vergangenen 21 Spielen konnte man nur zwei gewinnen. Aus der diesjährigen Champions League flog Monaco schon nach der Vorrunde raus, mit einem Punkt nur, das reichte nicht einmal für die Europa League. Die beiden nationalen Pokalwettbewerbe? Da ist man auch ausgeschieden. Es bleibt nur noch die Hoffnung auf den Klassenerhalt, die nackte Rettung.

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Der Niedergang ist die Folge einer Reihe verfehlter Personalentscheidungen, die, wären sie in der ordentlichen Wirtschaftswelt passiert, vermutlich die gesamte Führungsetage zum Rücktritt gezwungen hätten. Im vergangenen Oktober, als die Baisse chronisch wurde, entließen die russischen Klubbesitzer den gefeierten Coach der letzten Jahre, den Portugiesen Leonardo Jardim. Er erreiche das Team nicht mehr, hieß es. Neue Impulse erhoffte man sich von einem, der zwar noch nie Cheftrainer war, dessen Name allein aber allen abgelöschten Herrschaften Beine machen würde: Thierry Henry, der verehrte "Titi", groß geworden im Nachwuchs von Monaco, dann Rekordtorschütze der französischen Nationalmannschaft. Er sollte sich - nach gut zwei Jahren als Co-Trainer der belgischen Nationalelf - gleich an einer Großaufgabe beweisen.

Henry kommt nicht gut an

Das Experiment war zumindest gewagt, es misslang gründlich. Henry, ein Mann mit üppigem Selbstvertrauen, machte nach jeder Niederlage seine Spieler verantwortlich, sehr direkt und schnippisch. Kam nicht gut an. Anfang Januar forderte er Verstärkungen und bekam gleich zwei prominente: Seinen Freund Cesc Fàbregas von Chelsea wollte er ganz unbedingt, die beiden kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim FC Arsenal. Und von Schalke 04 kam Naldo. Man kann nicht behaupten, die beiden hätten das Niveau Monacos auf Anhieb gehoben. Naldo sah schon zwei Mal Rot, in drei Spielen. Fàbregas fragt sich wohl gerade, ob dieser Wechsel eine gescheite Wahl war: Henry wurde bereits entlassen, ziemlich brüsk, nach nur 104 Tagen im Amt. Fàbregas war nur wegen "Titi" gekommen.

Und Monaco holte nun tatsächlich Jardim zurück. Die Sportzeitung L'Équipe schätzt, dass der doppelte Rauswurf binnen drei Monaten den Klub etwa 20 Millionen Euro gekostet hat. Das immerhin kann man sich locker leisten. Monaco hat ein Modell entwickelt, das dem Verein viel Geld eingebracht hat. Es basiert auf dem "Trading", dem Handel mit Spielern. Es war lange Zeit so unerhört einträglich und dazu auch noch so erfolgreich, dass so mancher Verein nun versucht, es zu kopieren. In den vergangenen Jahren kaufte Monaco die Dienste vieler junger und sehr junger Spieler ein. Den besorgten Eltern versprach man ein tolles Umfeld: eine überschaubar große und im Kern doch recht langweilige Stadt, Wohlstand rund herum, gutes Klima, ein Auge auf die schulischen Leistungen. Man sagte ihnen auch, dass ihr Nachwuchs nirgendwo bessere Aussichten haben würde, bald großen Fußball ohne viel Druck spielen zu können, an der Spitze der französischen Ligue 1 und in der Champions League, und dass er dann dank dieser prominenten Bühne wohl bald noch größeren Fußball spielen dürfte, in Spanien etwa, England oder Italien.