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Arturo Vidal beim FC Bayern:Der Krieger schöpft neuen Mut

Einsatz und Leidenschaft: Arturo Vidal konnte mit dem Sieg gegen Augsburg Selbstvertrauen nach schwierigen Zeiten tanken.

(Foto: AFP)
  • Statt durch Undiszipliniertheiten aufzufallen, sorgt Arturo Vidal wieder sportlich für Schlagzeilen.
  • Bayern-Trainer Jupp Henyckes schaffte es, den Mittelfeldspieler wieder erfolgreich ins Kollektiv einzufügen.
  • Gegen Anderlecht dürfte rotiert werden, Vidals Stellung innerhalb der Mannschaft bleibt davon unbeeinflusst.

Sie nennen ihn den Krieger, aber das täuscht ein bisschen. Er ist übersät mit Tätowierungen, ein martialisches Gesamtkunstwerk, aber auch das täuscht ein bisschen. Er pflegt auf dem Fußballfeld einen ruppigen, hart an der Grenze des Erlaubten wandelnden Stil, selbst das täuscht ein bisschen. Arturo Vidal ist ein Krieger, das schon, er muss ja einer sein, wenn er es sich sogar hat auf die Haut schreiben lassen, Guerrero steht da. Arturo Vidal ist aber ein Krieger, der voller Widersprüchlichkeiten steckt. Er ist einer, der manchmal anarchisch unterwegs ist, auf dem Rasen, im Leben. Und doch ist er einer, der eines besonders schätzt: Ordnung.

An diesem Mittwoch spielt der FC Bayern in der Champions League beim RSC Anderlecht; für die Gäste geht es nur noch darum, sich eine gute Ausgangsposition für das letzte Gruppenspiel in zwei Wochen gegen Tabellenführer Paris Saint-Germain zu sichern. Für Trainer Jupp Heynckes geht es allerdings auch darum, im neunten Spiel nach seiner Rückkehr weiter ohne Punktverlust zu bleiben. Und es geht ihm darum, eine Mannschaft, die noch vor zwei Monaten in Einzelinteressen zu zerfallen drohte, weiter zu formen für die größeren Herausforderungen, die noch anstehen.

Kurzzeitig sah es so aus, als könnte Heynckes erstmals als Gemütsmasseur scheitern

Wie weit er damit schon ist, zeigt sich in diesen Tagen besonders deutlich an Vidal, dem Krieger, der die Ordnung sucht.

Es ist noch keine drei Wochen her, da war Vidal, 30, in den Schlagzeilen, und zwar auf eine Art, wie sie typisch für ihn erscheint. Die Schlagzeilen handelten von einem Discobesuch, auch ein Handgemenge kam darin vor, und wie so oft in diesen typischen Vidal-Schlagzeilen: Alkohol. Zudem irrlichterte Vidal ein paar Partien lang über den Rasen. Sein Kriegertum verleitete ihn zu unkontrollierten Aktionen, etwa jene, für die es im Pokal in Leipzig dringend einen Elfmeter hätte geben müssen. Heynckes erzählte daraufhin von den gemeinsamen Tagen in Leverkusen. Auch damals sei Vidal durch Undiszipliniertheiten aufgefallen, die beiden hatten sich irgendwann ausgesprochen. Dann, so Heynckes, "sind wir ziemlich gute Freunde geworden".

Wenige Tage später, in der Champions League in Glasgow, durfte Vidal von Beginn an spielen. Er war unauffällig, fast scheu, wurde ausgewechselt. Kurzzeitig wirkte es so, als könnte Vidal zur größten Herausforderung für Heynckes werden. Als könnte der Trainer erstmals in seiner Lieblingsdisziplin als Gemütsmasseur scheitern. Doch dann kam das Spiel gegen Augsburg, Vidal durfte wieder anfangen, auf der Position hinter der Spitze. Beim 3:0 schoss er ein Tor selbst, ein weiteres bereitete er vor. Er war robust, zielstrebig, lauffreudig. Er war ein Guerrero, der wusste, wohin er gehört.

Er habe ein längeres Gespräch mit Vidal geführt, erzählte Heynckes; dass er mit dessen körperlichem Zustand nicht zufrieden sei, dass er so nicht auf ihn setzen werde. Also trainierte Vidal eifrig. Also setzte Heynckes auf ihn. "Ich fühle mich körperlich deutlich besser", sagte Vidal, "dafür waren die letzten zwei Wochen sehr wichtig." An der Figur des Arturo Vidal zeigen sich noch einmal deutlich die Unterschiede zwischen Heynckes und seinem Vorgänger Carlo Ancelotti. Beide sind Trainer, die den Spielern ein gutes Gefühl geben wollen; Ancelotti, indem er den Spielern Freiheiten lässt; Heynckes, indem er den Spielern einen passenden Platz in der Teamstruktur zuweist.