FC ArsenalUnzufrieden im Halbfinale

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Und wieder eine Großchance vergeben: Arsenals Noni Madueke droht gegen Sporting an sich und seinen Teamkollegen zu verzweifeln.
Und wieder eine Großchance vergeben: Arsenals Noni Madueke droht gegen Sporting an sich und seinen Teamkollegen zu verzweifeln. Mike Hewitt/Getty Images

Zum vierten Mal in seiner Geschichte erreicht der FC Arsenal die Runde der letzten Vier in der Champions League. Doch Euphorie ist nach dem müden 0:0 gegen Sporting keine da. Stattdessen breitet sich die Angst aus, wieder ohne Titel zu bleiben.

Von Sven Haist, London

Nick Hornby, bekennender Edelfan des FC Arsenal, gelangte nach unzähligen Stadionbesuchen zu einer düsteren Erkenntnis. „Der natürliche Zustand eines Fußballfans ist bittere Enttäuschung – ganz gleich, wie das Ergebnis ausfällt“, schrieb der britische Bestsellerautor in seinem zeitlosen Roman „Fever Pitch“. Damit lieferte Hornby eine treffende Beschreibung für die Gefühlslage seiner Gunners nach dem Viertelfinale der Champions League. Zwar erreichte der Verein zum zweiten Mal in Serie und erst zum vierten Mal nach 2006, 2009 und 2025 das Halbfinale der Königsklasse. Dennoch ging nach dem Abpfiff ein kollektiver Seufzer durch das Stadion, der wohl über den Norden Londons hinaus in Fußballeuropa zu vernehmen war. Von Jubel, geschweige denn Euphorie, war nichts zu spüren. Die Spieler standen entkräftet auf dem Rasen, manche zusammengesunken – kaum anders als ihre Gegenspieler von Sporting Lissabon. Für einen kurzen Mo­ment wirkte es, als seien am Mittwoch beide Klubs ausgeschieden.

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Diese Stimmung kulminierte in einem bemerkenswerten Interview direkt nach dem Spiel. Als die Reporterin des Senders TNT Arsenals Mittelfeldspieler Declan Rice nach den vorherrschenden Emotionen befragte, zögerte er einige Sekunden. Schließlich antwortete er sichtbar bemüht, er sei „hochzufrieden, überaus glücklich“. Sein angespannter Gesichtsausdruck ließ allerdings eine Diskrepanz vermuten, als handle es sich um eine Bild-Ton-Schere, in der zwar Rice zu sehen, aber jemand anderes zu hören war. Daraus entwickelte sich ein eigentümliches Gespräch, in dessen Verlauf die Reporterin nach der „Frustration“ des Spiels fragte, nach Verbesserungsansätzen im Offensivspiel, nach der Unruhe im Vereinsumfeld – und danach, ob ein Sieg im Spitzenspiel bei Manchester City in der Premier League am Sonntag zwingend sei.

Die angesprochenen Themen erweckten den Eindruck, als stünde nicht ein Spieler des Tabellenführers Arsenal vor dem Mikrofon, sondern ein Akteur des Erzrivalen Tottenham Hotspur, das sich derzeit mitten im englischen Abstiegskampf befindet. Die Gunners hingegen haben kurz vor Saisonende sowohl die Chance, erstmals in der Vereinsgeschichte den Henkelpokal der Champions League zu gewinnen, als auch erstmals seit 22 Jahren wieder die Meisterschaft zu erringen. Sie führen die Tabelle seit Oktober an, aktuell – bei einem Spiel mehr – mit sechs Punkten vor Manchester City.

Trotz dieser vielversprechenden Ausgangslage präsentiert sich Arsenal jedoch nicht wie ein selbstbewusster Titelanwärter. Seit der Finalniederlage im League Cup gegen Manchester City vor einem Monat agiert die Mannschaft von Trainer Mikel Arteta zunehmend verkrampft. Es wirkt, als wollten die Gunners den Erfolg erzwingen. Nur ein Sieg aus den vergangenen fünf Partien sowie lediglich drei eigene Tore unterstreichen die Entwicklung. Darunter nun das nervöse und zerfahrene 0:0 gegen Sporting Lissabon, mit dem Arsenal das 1:0 aus dem Hinspiel gerade so verteidigte.

„Wovon reden wir eigentlich, Leute?“, entgegnet Trainer Arteta auf kritische Fragen

Auf beiden Seiten stand am Ende jeweils nur ein Schuss aufs Tor, zudem trafen beide Teams je einmal den Pfosten. Leichtigkeit und Konstanz scheinen abhandengekommen zu sein – ebenso die einstige Abgezocktheit. Lange Zeit galt Arsenal als Mannschaft, die Spiele auch mit weniger spektakulären Mitteln geschickt zu kontrollieren wusste. Davon war gegen Sporting wenig vorhanden. Obwohl die Portugiesen zwingend ein Tor benötigten, um das Gesamtergebnis auszugleichen, erhöhte Arsenal mit zunehmender Spieldauer das Tempo und suchte das offensive Risiko – und lief mehrmals Gefahr, ausgekontert worden.

Solche Darbietungen nähren auf der Insel die Einschätzung, dass Arsenal auch in dieser Saison womöglich wieder ohne Titel bleiben könnte. Eine latente Grundskepsis scheint den Verein zu belasten. Nach dem Auftritt gegen Sporting ließ Trainer Arteta seinem Frust über die öffentliche Meinung freien Lauf. „Wovon reden wir eigentlich, Leute?“, entgegnete er im Pressesaal auf die Erkundigung, ob er Erleichterung verspüre. Angesichts der Debatten könnte man meinen, seine Mannschaft sei im Tabellenkeller platziert, zürnte er. Er empfinde vielmehr „große Dankbarkeit für das, was die Spieler und Fans leisten“. Auch Declan Rice reagierte ungehalten und wies die Fragen der Reporterin zurück: Von Frustration könne keine Rede sein, kritische Diskussionen gehörten zum Alltag, und selbstverständlich wolle man künftig wieder mehr Tore erzielen – ebenso wie in Manchester gewinnen.

Immerhin mindert das Weiterkommen in der Champions League den Druck vor dem Ligaduell in Manchester. Dem FC Arsenal bleibt damit vorerst eine hochkarätige Alternative zur Meisterschaft erhalten; im Halbfinale wartet Atlético Madrid. Sollte es am Ende diesmal zu einem Titel reichen, hätte Nick Hornby auch hier bereits eine passende Darlegung der Emotionen geliefert: Über den Ligatitel 1989 schrieb er einst, es gebe nichts, womit man das Gefühl wirklich beschreiben könnte.

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