Aaron Hunt bei Werder Bremen Dienstältester Spieler

Hunt war in allen Spielen der Saison einer von denen, die Struktur ins aufgeregte Bremer Spiel gebracht haben, die sieben Werder-Punkte sind auch seine. Bayern am Wochenende ist ein leichtes Spiel, gegen Bayern hat gerade niemand was zu verlieren. Werder Bremen ist bis auf Weiteres: ein Versprechen. Was man der Mannschaft anmerkt, wenn man sie spielen sieht: Sie spielt nicht immer gut, aber auf jeden Fall gern zusammen.

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Hunt sagt: "Wir hatten vor der Saison drei Trainingslager, da denkt man vorher immer: Drei? Das ist vielleicht eins zu viel. Aber diesmal hätte es von der Stimmung her ruhig noch eins mehr sein können." Dass das vorher nicht immer so war, will Hunt so nicht sagen, nach altbremer Wortwäger-Tradition wägt er die Worte. Er knetet die Mütze in der Hand, er sagt: "Sicher herrscht ein besserer Teamgeist als in den Jahren zuvor."

Beim Jubeln steht Hunt, als Schütze und Vorbereiter, regelmäßig im Zentrum eines Knäuels von Spielern, an deren Gesichter sich auch das Werder-Publikum noch immer gewöhnen muss, viele Blonde dabei, die sich aus relativer Ferne auch noch recht ähnlich sehen. Aber den, der so lange dabei ist wie Hunt, glauben alle zu kennen, und weil Hunt vielen Bremer Fans als einer gilt, der es nicht packt, wenn es drauf ankommt, war sein doppelter Strafstoß gegen Hamburg mehr als ein Moment, auch seine Wühlerei beim letzten Spiel in Freiburg, als er Werders Siegtor schoss. Und dass sein Bild am Stadion hängt, ist ein Statement des Klubs, sehr bemerkenswert in Zeiten der Debatten um die Macht der Fans. Bei Werder setzen sie auf einen, den die Fans längst abgeschrieben hatten.

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Seine Körpersprache deuteten die Fans nicht als Unsicherheit, sondern als Arroganz, als Ausdruck seines Phlegmas. Er ist Nationalspieler geworden in Bremen, aber sie nannten ihn Talent, das klang wie ein Schimpfwort. Die Fans haben ihre ganze Wut in ihren Foren ausgebreitet, einer von ihnen hat ihm mal fünf Euro hingehalten, als Motivationsspritze, und das Video der gescheiterten Geldübergabe online gestellt. "Es war ja zum Teil so, dass manchmal gepfiffen wurde, als ich zur Einwechslung bereit stand, als ich also noch gar nicht auf dem Platz war", sagt er.

Eine Mischung aus Überdruss, Missverständnissen und Respektlosigkeit. Die Fans - also die Idioten unter ihnen - wünschten ihn hierhin und dorthin und auch an Orte, an denen nie Fußball gespielt worden ist. "Wenn man zuhause spielt und ausgepfiffen wird, das ist eine spezielle Situation. Überhören kann man es nicht", sagt Aaron Hunt. Es hört sich nicht mal bitter an, als er das sagt, eher realistisch, abgeklärt. Wer so lange dabei ist wie er, weiß, mit wem er es im Stadion zu tun hat.

Die Geschichten des Klubs und seines dienstältesten Spielers klingen ähnlich im Moment. Aaron Hunt - beschimpft, verhöhnt und ausgebuht - ist immer noch da. So wie Werder - abgeschrieben, totgesagt und runtergewettet - auch wieder da ist. Im Moment sieht es jedenfalls so aus, und es gibt Momente, die sind belastbarer als ein Augenblick.