Arminia BielefeldArminia jagt das kuriose Triple

Lesezeit: 2 Min.

Die Mannschaft von Arminia Bielefeld feiert in Unterhaching den Aufstieg in die zweite Liga.
Die Mannschaft von Arminia Bielefeld feiert in Unterhaching den Aufstieg in die zweite Liga. (Foto: Uwe Lein/dpa)

Die Bielefelder Arminia kehrt zurück in die zweite Fußball-Bundesliga, in der sie bereits 32 Spielzeiten verbrachte. Vorher könnte sie noch eine besondere Sammlung an Pokalen gewinnen.

Von Ulrich Hartmann

Die Fußballer von Arminia Bielefeld waren gerade mit dem Mannschaftsbus auf dem Weg zum Paderborner Flughafen, als am Samstagnachmittag plötzlich feststand, dass schon vor ihrem Spiel am Sonntag bei der Spielvereinigung Unterhaching ihr Aufstieg in die zweite Liga perfekt war. Weil die Verfolger Saarbrücken und Rostock verloren hatten, waren die Bielefelder bereits durch. Spontan hielt man an einem Getränkemarkt, tanzte einen Videoclip fürs Internet ein, erwarb Erfrischungen, flog nach München und erspielte in all dem Überschwang tags darauf in Unterhaching auch noch einen 2:1-Sieg.

Bielefelds bedeutendste Bestimmung ist somit erfüllt: Die Arminia kehrt nach zwei Drittliga-Jahren in die zweite Liga zurück. Noch nicht geschafft ist indes auch nur ein einziger Teil eines ganz besonderen Triples, das die Bielefelder in dieser Saison erreichen können. Es ist ein Triple, das zum Beispiel der FC Bayern nie gewinnen wird, auch wenn er sich noch so sehr anstrengt.

Am nächsten Samstag können die Bielefelder, seit Sonntag Tabellenführer, Drittliga-Meister werden. Am 24. Mai könnten sie den DFB-Pokal gewinnen sowie zum Abschluss am (voraussichtlich) 29. Mai auch den Landespokal Westfalen im Endspiel gegen die Sportfreunde Lotte. Binnen einer Saison DFB-Pokalsieger, Westfalenpokalgewinner und Drittliga-Meister zu werden – so ein Triple ist nur einem sehr exklusiven Kreis von Fußballklubs vorbehalten, noch nie hat ein Verein diese Kombination geschafft. Dass das der Arminia gelingt, ist nicht unbedingt wahrscheinlich, aber auch keineswegs ausgeschlossen.

Aber auch wenn es am Ende nicht drei Titel wären, würde die Arminia das verkraften. Bielefelds jüngste Geschichte war extrem ereignisreich. Was vor sieben Jahren durch regionale Unternehmen mit einer Rettungsaktion namens „Bündnis Ostwestfalen-Lippe“ inklusive eines Schuldenschnitts für die damals mit fast 30 Millionen Euro verschuldete Arminia begann, was 2020 in die erste Bundesliga führte und ab 2023 in einen dramatischen Absturz von der ersten bis in die Abstiegszone der dritte Liga mündete: Das alles findet jetzt sein vorläufiges Comeback-Happy-End.

Am 24. Mai begegnet die Arminia dem VfB Stuttgart im DFB-Pokalfinale

Die Arminia darf in der kommenden Saison auf jeden Fall wieder in der zweiten Liga mitspielen. Und sollten die Bielefelder am 24. Mai im Berliner Olympiastadion die Sensation schaffen, im DFB-Pokalfinale den Bundesligisten VfB Stuttgart zu besiegen, dann dürften sie nächste Saison sogar in der Europa League antreten; englische, spanische, italienische oder französische Topklubs würden endlich einmal auf der legendären Bielefelder Alm spielen, einem 26 000-Zuschauer-Stadion zwischen Wohnhäusern mitten in Bielefeld.

Unter der Anleitung des Trainers Mitch Kniat haben Spieler wie Jonas Kersken (Torwart mit den wenigsten Gegentreffern der Liga), Mael Corboz (Kapitän aus USA), Julian Kania (Armine mit den meisten Saisontoren), Louis Oppie (Armine mit den meisten Assists), die starken Mittelfeldspieler Marius Wörl und Stefano Russo sowie die starken Abwehrspieler Christopher Lannert und Leon Schneider den Aufstieg mitgestaltet und das Publikum versöhnt. Mit im Schnitt 21 000 Zuschauern bei Heimspielen ist die Arminia die Nummer vier in der dritten Liga hinter Dynamo Dresden, Alemannia Aachen und Hansa Rostock.

Seit Einführung der Bundesliga 1963 hat die Arminia 23 Mal die Liga gewechselt und kommt dabei auf insgesamt 19 Jahre in der Bundesliga sowie auf zwölf Jahre in der dritten Liga. Und die nächste Saison wird Bielefelds 32. Spielzeit in der zweiten Liga sein, die Arminia kehrt also gewissermaßen heim. Weiteres Auf und Ab allerdings nicht ausgeschlossen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur Startseite

Merlin Polzin beim HSV
:Hamburgs Erlöser

Kitschiger geht’s kaum: Merlin Polzin aus Hamburg-Bramfeld schafft, woran zig seiner Vorgänger scheiterten und führt den HSV als Trainer zurück in die Bundesliga. Über die Protagonisten eines Aufstiegs, der mit keinem anderen zu vergleichen ist.

SZ PlusVon Thomas Hürner

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: