Karriere von Arjen Robben:Der pflügende Holländer

Arjen Robben beendet nach dem Abschied vom FC Bayern seine Karriere. Er hatte schwierige Momente zu überstehen - schoss aber ein unglaublich wichtiges Tor. Seine Karriere in Bildern.

Von Jonas Beckenkamp und Thomas Hürner

17 Bilder

Arjen Robben Groningen 2002

Quelle: imago

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Es ist kaum vorstellbar, aber Arjen Robben trug tatsächlich auch mal andere Trikots als jenes des FC Bayern. Wer seine Karriere in München würdigt, beginnt also am besten vor seinen bereits zehn Bayern-Jahren. Robben konnte auch damals auf europäischem Spitzenniveau überzeugen. Von seinem Jugendverein FC Groningen (im Bild, Robben noch mit Haaren) ging es für ihn über PSV Eindhoven und den FC Chelsea im Jahr 2007 zu Real Madrid.

Borussia Dortmund v Real Madrid - Friendly Match

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Bei den Königlichen hatte er durchaus seine Momente, doch stets begleitete ihn auch: seine Verletzungsanfälligkeit. Bei Real waren sie letztlich nicht ganz davon überzeugt, dass dieser Dribbler mit den Kristallknochen dauerhaft durchhält - nach zwei Jahren Spanien ging Robben nach München.

Bayern Muenchen v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Seine Ankunft bedeutete einen Schub für die ganze Bundesliga - schließlich kam Robben als große Attraktion. Für 25 Millionen Euro landete er (schon damals mit lichtem Haupthaar) kurz vor Transferschluss im Sommer 2009 in München. Dort fand er sein Lächeln wieder, das er aufgrund der hohen Erwartungshaltung in Madrid fast verloren hatte. "Ein absoluter Wunschspieler", sagt FCB-Boss Uli Hoeneß damals - er sollte Recht behalten.

Hertha BSC - FC Bayern München

Quelle: dpa

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Robben und die Bayern, das passte sofort. Vom Start weg wurde er zum entscheidenen Faktor im Bayern-Kollektiv und gewann gleich in seiner ersten Saison die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. Wichtig für den persönlichen Wohlfühlfaktor: Die Holland-Connection um Mittelfeldspieler Mark van Bommel und den damals ebenfalls neuen Trainer Louis van Gaal. "Wenn die beiden nicht hier gewesen wären", erzählte Robben, "dann weiß ich nicht, ob ich hierhergekommen wäre."

Champions League - FC Bayern München - Inter Mailand

Quelle: dpa

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Der ganz große Sprung gelang den Bayern in der Saison 2009/2010 aber nicht. Im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand blieb man weitgehend chancenlos, trotz Robbens Ansturm stand am Ende eine 0:2-Niederlage. "Bayern kontrollierte den Ball, wir aber das Spiel", sagte der damalige Inter-Trainer José Mourinho nach der Partie. Das galt auch für Robben: Der Holländer wurde stets gedoppelt und konnte erstmals in der Königsklassen-Saison nicht entscheidend eingreifen.

Borussia Dortmund - FC Bayern München

Quelle: dpa

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Wenn Robben fit war, was nach der WM 2010 nicht immer der Fall war, dominierten seine Dribblings das Spiel der Bayern. Sein Ehrgeiz erwies sich als grenzenlos, sein Selbstbewusstsein ebenso. Robben wollte die Dinge oft alleine entscheiden. Das ging häufig gut, manchmal aber daneben. Sein zweiter Rückschlag erfolgte 2012, als er in der 86. Minute des entscheidenden Ligaspiels beim BVB einen Elfmeter verschoss. "Es tut mir wahnsinnig leid, für die Mannschaft und die Fans", sagte er hinterher. Vielleicht hatte dieser Fehlschuss die Münchner tatsächlich den Titel gekostet. Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer polterte damals: "Wenn ich Trainer gewesen wäre, hätte er nicht schießen dürfen."

FC Bayern Muenchen v Chelsea FC - UEFA Champions League Final

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Aber Robben erhohlte sich, er kehrte mit den Bayern erneut in ein großes Finale zurück, diesmal war es das berühmte "Finale dahoam" in der Champions League gegen Chelsea, seinen Ex-Klub. Das Spiel hätte die Erfüllung aller roten Sehnsüchte werden sollen - und die Münchner zeigten an sich ein großes Spiel. Leider führte das nicht zu einem großen Ergebnis. Der FC Bayern verlor im Mai 2012 unglücklich im Elfmeterschießen, auch Robben vergab wieder vom Punkt - und der Henkelpott blieb nicht in München.

FC Bayern Muenchen After Party

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Für Robben begann daraufhin im Jahr 2012 eine Leidenszeit. Obwohl er immer unangefochtener Leistungsträger im FCB-Trikot gewesen ist und das Publikum mit Einzelaktionen und Toren verzückte, wurde er plötzlich von den eigenen Fans ausgepfiffen. Der traurige Höhepunkt war ein Länderspiel-Gaudikick seiner Holländer gegen Deutschland in der Münchner Arena nach dem verlorenen "Finale dahoam". Rafael van der Vaart, damals Teamkollege in der "Elftal", merkte nach der Partie an: "Der FC Bayern sollte sich schämen, das hat Arjen nicht verdient. Das ist peinlich."

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Quelle: AFP

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Doch eine der wichtigsten Charaktereigenschaften von Arjen Robben ist: Er steht wieder auf, egal ob nach Demütigungen oder Verletzungen. Auch für den FC Bayern ergab sich in der Saison 2012/2013 die Chance zur Wundenheilung. Im Champions-League-Finale im Londoner Wembley-Stadion hieß der Gegner Borussia Dortmund, zwei Minuten vor dem Schlusspfiff gelang den Roten der Siegtreffer zum 2:1 - Torschütze: Arjen Robben. Es war wohl sein allerwichtigster Treffer überhaupt.

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Final

Quelle: Getty Images

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Eine späte Genugtuung und sein größter sportlicher Moment: Robben hält den Henkelpott in den Händen, endlich, zum ersten und bislang einzigen Mal in seiner Karriere. "Ich kann es nicht fassen", sagte der Holländer nach der Partie gegen den BVB in London, "das bedeutet mir so unglaublich viel." Er hatte auch einen langen Anlauf genommen.

FC Bayern München - Wintertrainingslager in Doha, Fußball-WM 2022 Katar

Quelle: FCB/dpa

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Längst war Robben, der über alle Fußballplätze hinwegpflügende Holländer, eine Institution in München, fast wie Bastian Schweinsteiger. Inzwischen auch so etwas wie eine bayerische Tradition: das Wintertrainingslager im viel kritisierten Golfstaat Katar. Der guten Laune bei den Spielern tat das jedoch keinen Abbruch, auch Robben genoss den warmen Winter-Stopover samt Kamel.

***BESTPIX*** Bayern Muenchen v Borussia Dortmund - DFB Cup

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Immer wieder gab es aber auch solche Bilder: Ein verbissen jubelnder Robben nach einem Treffer, hier nach einem Tor gegen den BVB, mit dem er ja viele Rechnungen offen hatte. Meist ging seinen Treffern der typische "Robben-Move" voraus. Anrennen mit Tippelschritten, warten auf den richtigen Moment für den Haken nach innen, satter Linksschuss links oben hinein. Robbens Technik, seine Dynamik und sein Wille waren zu dieser Zeit unerreicht. Verteidigen konnte seine Geschwindigkeit kaum einer in der Bundesliga. Sein statistisch bestes Jahr hatte er 2014/15, als er in nur 21 Partien 17 Tore und sieben Vorlagen zustande brachte.

FC Bayern München - SV Werder Bremen

Quelle: dpa

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Dann folgte eine neue Ära: Pep Guardiola hob das Bayern-Spiel nach dem Triple-Sieg 2013 unter Jupp Heynckes spielerisch auf ein neues Level, er machte aus dem Team eine perfekt getaktete und organisierte Passmaschinerie. Freigeister wie Robben und Franck Ribery fühlten sich beschnitten, doch letztlich arrangierte man sich miteinander. Auch Guardiola wusste ja, dass er Robbens Überraschungsmomente, seinen Anarchismus für sein dominantes Ballbesitzspiel brauchte.

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Leider ist Robben bis heute nicht nur bekannt für sein Offensivtalent, sondern auch für seine Verletzungsleiden als Fußballer. Seine Muskeln rissen immer wieder, seine Knöchel bekamen über die Jahre viel ab, die Belastung zollte ihren Tribut. Immer wieder folgten auf sportliche Glanzzeiten ausgiebige Aufenthalte im Bayern-Lazarett. Doch stets gelang es Robben, innerhalb kürzester Zeit wieder sein volles Leistungspensum zu erreichen. Robben achtet massiv auf das Wohlergehen seines Körpers und kaum ein Bayern-Spieler schuftet so hart auf dem Trainingsplatz.

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Quelle: AP

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Ein Überblick über die Verletzungen und Blessuren, die Robbens Körper wegstecken und auskurieren musste, zeigt: Allein bis Juli 2016 hatte es ihn fast überall einmal erwischt. Und seither sind sogar noch weitere Wehwehchen hinzugekommen: Oberschenkel- und Knieprobleme, jeweils eine Wadenzerrung, Adduktorenverletzung, ein Muskelfaserriss und auch mal ein eingeklemmter Nerv.

FC Bayern Muenchen Celebrate Winning The Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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In den vergangenen zehn Jahren hat sich Robben womöglich mal einen XXL-Trophäenschrank zugelegt: Immerhin müssen sieben Meisterschalen, vier DFB-Pokale, fünf nationale Superpokale, die Fifa-Klub-WM-Trophäe und natürlich der Henkelpott bei ihm Platz finden. Etwas verwunderlich: Zum Bundesliga-Spieler der Saison wurde Robben nur ein einziges einmal gekürt, in seiner ersten Spielzeit 2009/2010, als er prompt 16 Tore schoss.

Bayern Muenchen v Borussia Dortmund - Bundesliga; Robben

Quelle: Getty Images

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Und so endet im kommenden Sommer auch die Ära eines bayerischen Fußballer-Duos, das den Verein nachhaltig geprägt hat: Robben und Franck Ribery, "Rib&Rob", zwei Individualisten mit einzigartigen Qualitäten und branchenüblichen Eitelkeiten. Am Ende dieser Spielzeit werden sie den Klub verlassen, für den FC Bayern bedeutet das einen großen Umbruch. Die Fans werden Arjen Robben vermissen, und ab und zu vielleicht immer noch singen: "Ich hab geträumt von dir, von unsrer Wembley-Nacht! Wir haben den Cup gewonnen, den Thron erklommen, der Arjen hat's gemacht!"

© SZ.de/ebc
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