Argentinien Messis Ärger

Enttäuschendes Ergebnis: Nach seinem ersten Länderspiel seit der Weltmeisterschaft in Russland ging Messi wortlos davon.

(Foto: Gustavo Ortiz/dpa)

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Barca-Messi und dem Argentinien-Messi: Im Nationalteam verliert der Torjäger gegen Venezuela.

Von Javier Cáceres, Madrid/Berlin

In der Haut des Argentiniers Darío Benedetto wollte man am Wochenende auch nicht stecken. Der Grund: Es verfolgte ihn eine Sequenz aus dem Spiel der argentinischen Nationalelf gegen Venezuela. Beim 1:3 der Argentinier in Madrid gab es eine Szene, in der Benedetto, Mittelstürmer bei CA Boca Juniors, den Ball per Hacke auf Lionel Messi spielen wollte - genauso, wie es der Uruguayer Luis Suárez vor Wochenfrist beim FC Barcelona getan hatte. Mit einem kleinen, entscheidenden Unterschied, der die Differenzen zwischen dem Barça-Messi und dem Argentinien-Messi in einem Spielzug kristallisierte. Suárez hatte Messi den Ball in den Lauf gespielt, so dass ihn der Argentinier lediglich über die Linie drücken musste. Benedetto spielte Messi den Ball in den Rücken. Und rief bei Messi nur Frust hervor.

In Worte kleiden wollte er diesen nicht, Messi ging nach seinem ersten Länderspiel seit der enttäuschenden Weltmeistschaft in Russland wortlos auf und davon. Und reiste anderntags ab: Wegen leichter Beschwerden am Schambein wurde er von der Pein befreit, mit Argentiniens Nationalmannschaft weiter nach Marokko zu reisen, zum nächsten Test am Dienstag.

Und so bleibt es ein Mysterium, was Messi vom aktuellen Neuanfang Argentiniens hält. Einem Land, das seit 26 Jahren einem internationalen Titel hinterherrennt, die Warterei nur zu gern bei der diesjährigen Copa América in Brasilien beenden würde - aber nun dabei ist, den elften Coach seit 1993 zu verschleißen. Der Name des aktuellen Trainers: Lionel Scaloni.

Der 40-Jährige nahm Messi nach dem 1:3 gegen Venezuela, das eine Basketball-, aber sicher keine Fußballnation ist, in Schutz. Es seien "andere, die nun einen Schritt nach vorn tun müssen". Jede gefährliche Aktion Argentiniens sei von Messi ausgegangen, man suche nach Spielern, die ihn verstehen. In Mexiko freilich meldete sich Daniel Pasarella zu Wort, der 1978 Kapitän der argentinischen Weltmeisterelf und später Nationaltrainer war. Er warf Messi vor, beim FC Barcelona eine "andere Einstellung an den Tag" zu legen als in Argentiniens Nationalelf. Daheim freilich lasten sie das Desaster gegen Venezuela - Tore von Salomón Rondón (5.), Jhon Murillo (44.) und Josef Martínez (76. / Elfmeter) - einem anderen an: Scaloni. Dessen siebtes Spiel als Trainer überhaupt quittierte die argentinische Sportzeitung Olé mit dem Titel "Inmaduro", unreif. Was einerseits eine Menge über den Kredit erzählt, den der unerfahrene Coach Sclaoni hat, und andererseits auch eine Anspielung auf den Gegner aus Venezuela war, diesem bis zur Janusköpfigkeit gespaltenen Land. Dort ist bekanntlich Nicolás Maduro Präsident, der auch eine Rolle spielte. Denn Venezuelas Trainer Rafael Dudamel stellte nach dem Spiel sein Amt zur Verfügung.

"Wir leben in sehr trüben Gewässern", sagte Dudamel - und klagte über die Politisierung, die ihn und sein Team aufreibe. Vor dem Spiel hatte sich der Madrider "Botschafter" von Maduros Gegenspieler Juan Guaidó, dem selbsternannten Präsidenten Venezuelas, mit der Mannschaft getroffen - und entgegen der Absprachen ein Video des Treffens öffentlich gemacht. Eine Respektlosigkeit, wetterte Dudamel. Er versucht, seine Mannschaft aus den polarisierten politischen Debatten des Landes herauszuhalten. Man habe deshalb auch neulich Maduros Botschafter in Chile empfangen, ebenfalls aus Gründen der Höflichkeit. Das alles bedeute nicht, dass er unpolitisch sei, betonte Dudamel. Seine Meinung zum venezolanischen Machtkampf wolle er aber so lange für sich behalten, wie er Trainer sei. "Dies ist die Mannschaft ganz Venezuelas", sagte er.