bedeckt München

Argentinien - Deutschland: Mann gegen Mann:7:5 für Diego

Auf welcher Position ist welche Mannschaft überlegen? suedddeutsche.de vergleicht die Startformationen von Deutschland und Argentinien - und gibt einem Spieler einen Doppelpunkt. Das Duell Mann gegen Mann.

11 Bilder

Romero, Neuer

Quelle: afp/getty/dpa

1 / 11

Sergio Romero/Manuel Neuer

Zwei Imperien des Fußballs haben zwei Torhüter ins Turnier geschickt, die man im Torwartleben als Küken bezeichnen muss. Romero: 23 Jahre, vor der WM sechs Länderspiele. Neuer: 24 Jahre, vor der WM fünf Länderspiele.

Beiden wird eine fulminante Zukunft prophezeit, doch scheint die Zukunft von Manuel Neuer eher zu beginnen. Der Schalker flog zwar beim 1:2 der Engländer etwas desorientiert durch den Fünfmeter-Raum, wirkt sonst aber sehr sicher. Die Richtungswechsel von Jabulani beeindrucken ihn bislang nicht, und sein Talent, als erster Feldspieler die eigenen Angriffe einzuleiten, macht ihn zu einem Torwart-Unikum bei dieser WM.

Romero hat zwar noch keinen schweren Fehler hinter sich, aber auch noch keine ernsthafte Prüfung - wobei er selbst bei kleinen Prüfungen leicht flatterhaft wirkte. Den Beweis, ein siegbringender Rückhalt zu sein, muss er noch erbringen.

Punkt für Deutschland: 0:1

Otamendi, Lahm

Quelle: afp

2 / 11

Nicolas Otamendi/Philipp Lahm

Otamendi gehört zur neuen Generation in Maradonas Team. Der 22-Jährige von Velez Sarsfield ist einer von nur vier Feldspielern, die in der argentinischen Liga spielen. Ihm wird wie Romero eine große, erfolgreiche Zukunft vorhergesagt - allerdings nicht rechts hinten, sondern als Innenverteidiger. Er wird den Auftrag erhalten, Lukas Podolski zu stoppen. Sonst wird Otamendi wenig unternehmen.

Womit sich sein Auftrag stark von Philipp Lahms Möglichkeiten unterscheidet. Bayerns Außenverteidiger hat den Anspruch, seine Seite dicht zu machen, zur Not wie gegen Ghana in der Mitte auszuhelfen, und dann das Spiel nach vorne anzutreiben. Trotz einiger Unsicherheiten gegen England lieferte sich Lahm bisher mit dem Brasilianer Maicon einen spannenden Kampf um den Status als bester Rechtsverteidiger des Turniers.

Punkt für Deutschland: 0:2

Demichelis, Mertesacker

Quelle: dpa/reuters

3 / 11

Martín Demichelis/Per Mertesacker

Zaunpfahl gegen Verkehrsampel. Tolpatsch gegen tapsiger Bär. Die beiden Innenverteidiger mussten einiges einstecken während dieser WM.

Per Mertesacker war als Chef der deutschen Abwehr angereist und gilt inzwischen als Sicherheitsrisiko. Lahm und Arne Friedrich decken bisweilen nicht nur ihre Gegner, sondern auch ihren Nebenmann Mertesacker.

Martín Demichelis wurde von Diego Maradona in die Albiceleste zurückgeholt, doch niemand weiß besser als die Deutschen, zu was für Aussetzern "Micho" fähig ist. Leistete sich einen solchen gegen Südkorea, wirkte auch beim Gegentor gegen Mexiko schwerfällig.

Fazit: Ein Duell auf gleicher Höhe - auf Grasnarbenhöhe. Für beide Mannschaften wird entscheidend sein, ob ihre bislang wackligen Innenverteidiger diesmal solide spielen.

Unentschieden: 0,5:2,5

Burdisso, Samuel, Friedrich

Quelle: afp/getty/dpa

4 / 11

Walter Samuel/Arne Friedrich

Der 31-jährige Friedrich ist die Entdeckung des deutschen Turniers. Mit großartigen Leistungen nahm er bislang nicht nur den Gegenspielern alle Bälle ab, sondern glich auch noch die Schwächen seines Nebenmanns Mertesacker aus. Aus dem Biedermann rechts hinten ist ein Mann der Mitte mit Strahlkraft geworden.

Walter Samuel (Mitte) bewegt sich schon länger auf dem Niveau von Friedrich, was vermutlich daran liegt, dass der Deutsche bis vor kurzem immer Rechtsverteidiger spielen musste. Samuel, 32, Triple-Gewinner mit Inter Mailand verkörpert besonders eine Eigenschaft, auf die Argentinien am meisten hofft: internationale Erfahrung. Er fiel wegen einer Oberschenkelzerrung gegen Mexiko aus, wurde aber von Nicolas Burdisso (AS Rom, li.) sehr gut ersetzt.

Unentschieden: 1:3

Heinze, Boateng

Quelle: getty/ddp

5 / 11

Gabriel Heinze/Jerome Boateng

Als Gabriel Heinze nach Südafrika kam, hing ihm der Geruch in den Kleidern, er profitiere von dem gewinnbringenden Verhältnis seines Bruders und Diego Maradona. Heinzes Bruder vermarktet Maradona, und weil der 32-Jährige in der Heimat nicht mehr als herausragender Verteidiger wahrgenommen wurde, kam der Verdacht auf, die Stammplatzgarantie sei der Familienbande geschuldet. Dann aber köpfte Gabriel Heinze im ersten Spiel gegen Nigeria den einzigen Treffer, präsentierte sich insgesamt auf hohem Niveau.

In der DFB-Elf gilt die Position des Linksverteidigers als Problemstelle. Weil Lahm lieber rechts spielt und dann nicht gleichzeitig links verteidigen kann, musste Bundestrainer Joachim Löw einen anderen finden. Zuerst versuchte sich der 21-jährige Holger Badstuber, gelernter Innenverteidiger. Jetzt steht dort der 21-jährige Jerome Boateng, gelernte Innen- oder Rechtsverteidiger. Boateng ist zwar eines der größten Abwehrtalente des Landes, doch mangels Erfahrung auf dieser Position:

Punkt für Argentinien: 2:3

Mascherano, Schweinsteiger

Quelle: ap

6 / 11

Javier Mascherano/Bastian Schweinsteiger

Michael Ballack fand lange vor Bastian Schweinsteiger leicht anrüchige Worte für die argentinische Mannschaft. Im März vor dem Testspiel in München bezeichnete er den Gegner als "abgewichst". Auf Fußballerisch bedeutet das so viel wie: mit Ingrimm und Vehemenz den Vorteil suchend, bisweilen auch über die Grenze des Erlaubten hinausgehend. Auf niemanden treffen die Attribute besser zu als auf Javier Mascherano. Vielleicht würde der die Bezeichnung "abgewichst" als Kompliment verstehen. "Argentinien, das ist Mascherano und zehn andere Spieler", sagte Maradona, nachdem er die Albiceleste übernommen hatte. Der 26-Jährige vom FC Liverpool ist der Schlüsselspieler im defensiven Mittelfeld.

Die gleiche Bedeutung kommt Bastian Schweinsteiger zu. Michael Ballack (der sich selbst vermutlich als "abgewichst" bezeichnen würde) fällt aus, und so ist der 25-Jährige vom FC Bayern der Chef im Mittelfeld. Auf dem Spielfeld füllte er diese Position bislang mit Leistungen voller Kraft und Übersicht aus. Seine fragwürdigen Aussagen über die argentinische Mannschaft und die argentinische Mentalität an sich dürften ihn aber vor diesem Spiel unter Druck setzen.

Punkt für Argentinien: 3:3

Di Maria, Khedira

Quelle: ap/getty

7 / 11

Ángel di María/Sami Khedira

Wieder zwei Vertreter der neuen Generation: di María, 22 Jahre alt, demnächst Real Madrid, Sami Khedira, 23 Jahre alt, noch VfB Stuttgart.

Beide fügen sich als unauffällige, aber wertvolle Arbeiter in das Mittelfeld ihrer Mannschaften ein. Beide bekommen den Auftrag, vor allem in der Defensive zu schuften und sollen die Balance schaffen hinter den vielen offensiven Kollegen. Dabei haben di María und Khedira durchaus ihre Qualitäten im Angriffsspiel, was sie für den Gegner schwer berechenbar macht. Di María kommt dabei über die linke Seite, während Khedira in der Mitte wirkt.

Stehen im Schatten ihrer viel gelobten Mitspieler, dennoch als Stammspieler kaum zu ersetzen.

Unentschieden: 3,5:3,5

Rodriguez, Müller

Quelle: dpa/ap

8 / 11

Maxi Rodriguez/Thomas Müller

An diesen beiden verdeutlicht sich der Unterschied der beiden Spielsysteme: Beide werden im rechten Mittelfeld spielen, doch auf völlig unterschiedlichen Höhen. Maxi Rodriguez, 29, hat zwar seine Qualitäten in der Offensive schon belegt, wird aber vor allem Javier Mascherano vor der Abwehr helfen müssen. Thomas Müller, 20, ist hingegen das Sinnbild des neuen, jungen und offensiven Deutschlands, das nach dem England-Spiel von der Welt bewundert wurde.

An diesen beiden Spielern lassen sich auch die Hoffnungen ihrer Länder ablesen. Argentinien sieht die Erfahrung als größten Vorteil an, Deutschland die unbekümmerte Jugend. Der Turnierverlauf hat bislang beiden recht gegeben, dennoch scheint ein Thomas Müller derzeit eine unberechenbare Gefahr für die gegnerischen Abwehrlinien darzustellen, während Rodriguez lange Zeit mit Sebastian Verón um seinen Platz kämpfen musste.

Punkt für Deutschland: 3,5:4,5

-

Quelle: afp

9 / 11

Lionel Messi/Mesut Özil

Der Bundestrainer verglich vor dem Viertelfinale die beiden Spielmacher. Zu Messi sagte er: "Er kommt über das Tempodribbling, will die Gegenspieler ausspielen mit seinen kurzen, schnellen Bewegungen." Zu Özil: "Er versteht sich im Kombinationsspiel, spielt einen hervorragenden letzten Pass und setzt andere Spieler gut ein. Er hat erst wenige Spiele auf dem höchsten Niveau bestritten und seine Sache dafür ausgezeichnet gemacht. Er hat keine Angst und riskiert viel." Und nochmal zu Messi: "Er spielt seit Jahren in der wohl besten Mannschaft der Welt, dem FC Barcelona, und hat deshalb schon viel Erfahrung auf diesem Niveau."

Dem ist wenig hinzuzufügen, außer dass Messi derzeit als bester Spieler der Welt gilt und praktisch alles im argentinischen Spiel auf ihn ausgerichtet ist. Für Mesut Özil könnte diese WM zwar der Start für eine große, internationale Karriere darstellen, dennoch:

Punkt für Argentinien, plus Extra-Messi-Punkt: 5,5:4,5

Tevez, Podolski

Quelle: afp/getty

10 / 11

Carlos Tevez/Lukas Podolski

Lukas Podolski könnte bei dieser WM mit einem bekannten deutschen Fußballsatz umschrieben werden: Da macht es Bumm. Hat er den Ball auf dem linken Fuß, knüppelt der Kölner drauf. Was im Prinzip richtig ist, weil er einen knüppelharten Bumms im linken Fuß hat, wird bisweilen zum Ärgernis, weil die Streubreite seiner Knüppelschüsse enorm ist. Kann ein Spiel mit entscheiden (Australien, England), kann aber auch die entscheidenden Chancen in Serie verballern (Serbien).

Carlos Tevez kann auch ein Spiel entscheiden, im Achtelfinale gegen Mexiko schoss er zwei Tore. Dass er entscheidende Chancen in Serie verballert, ist indes nicht bekannt. Ist der wohl bulligste Angreifer der Welt, die deutschen Abwehrspieler dürfen sich auf einige blaue Flecken gefasst machen. Tevez kann neben Messi zum entscheidenden Offensivfaktor des Spiels werden.

Punkt für Argentinien: 6,5:4,5

Higuain, Klose

Quelle: ap/dpa

11 / 11

Gonzalo Higuáin/Miroslav Klose

Stoßstürmer, Wandspieler, Speerspitze: Die beiden können sich ihren Beinamen aussuchen. Beide wissen eine starke Reihe von exzellenten Zulieferern hinter sich, Messi und Tevez für Higuáin, Müller, Özil und Podolski für Klose. Sie sollen vorne das Kunstwerk vollenden und den Ball ins Netz befördern. Das hat bislang bei Higuaín mit vier Toren besser geklappt als bei Klose mit zwei.

Auch die Referenzen der vergangenen Saison sprechen für den Argentinier: 27 Treffer für Real Madrid. Bei Klose waren es drei Treffer und viel Frust auf der Ersatzbank bei Bayern München. Dass Klose bei der Nationalmannschaft wieder ein anderer Klose wurde, dass er gegen England ein herausragendes Spiel gezeigt hat, macht den Deutschen Hoffnung. Es macht ihnen sogar so viel Hoffnung, dass sie glauben, Klose könnte in seinem 100. Länderspiel die entscheidenden Tore machen. Deshalb:

Unentschieden: 7:5

© sueddeutsche.de/jbe
Zur SZ-Startseite