Tour de France FemmesIhre Momente kommen erst

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Größter Erfolg ihrer jungen Karriere: Den zweiten Platz in der Gesamtwertung der Italien-Rundfahrt genoss die einstige Skibergsteigerin Antonia Niedermaier im Ziel von Rom mit ihrem Hund.
Größter Erfolg ihrer jungen Karriere: Den zweiten Platz in der Gesamtwertung der Italien-Rundfahrt genoss die einstige Skibergsteigerin Antonia Niedermaier im Ziel von Rom mit ihrem Hund. Thomas Maheux/SW Pix/Imago

30 Sekunden fehlten Antonia Niedermaier beim Giro d’Italia zum Gesamtsieg. Bei der Tour de France der Frauen liegt die Rosenheimerin zur Halbzeit in Reichweite des Podiums – nun, da die Rundfahrt ins Gebirge abbiegt.

Von Korbinian Eisenberger

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Am 7. Juni 2026 setzte sich eine Frau mit Helm an einem römischen Absperrgitter auf den Asphalt und herzte den Träger eines roten Halstuchs, ihren Hund. Antonia Niedermaier war in diesem Moment nicht die Trägerin des begehrten rosafarbenen Trikots, sie hatte nicht diesen Giro d’Italia gewonnen. Aber sie war so nah dran gewesen wie nie zuvor eine Deutsche oder ein Deutscher; 30 Sekunden fehlten ihr nach neun Etappen auf die Gesamtsiegerin Demi Vollering. Und so bestieg die Niederländerin die oberste Stufe, ehe Niedermaier das zweithöchste Treppchen der Italien-Rundfahrt betrat. Stolz verdrängte Schüchternheit, so wirkte diese Frau aus Bruckmühl bei Rosenheim, die einst als Skibergsteigerin begonnen hatte – und spätestens jetzt auf der großen Bühne des Radsports angekommen war.

Gut acht Wochen nach diesem erinnernswerten Tag in Rom hat Niedermaier inzwischen die größtmögliche Bühne des Radsports erklommen. Seit Samstag schwitzt sich die 23-Jährige mit dem Peloton der Tour de France Femmes durch die Gluthitze Südfrankreichs. Nach vier Etappen wird sie als Gesamt-Neunte mit einem Rückstand von 1:34 Minuten auf die Schweizerin Marlen Reusser im Gelben Trikot (14 Sekunden vor Vollering und 54 Sekunden vor Cedrine Kerbaol aus Frankreich) gelistet. Als beste Deutsche. Nun, da sie Bekanntschaft macht mit jener berüchtigten – auch bei den Frauen – härtesten Radrundfahrt der Welt.

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In ihrer Frühphase entfaltete die fünfte Auflage der Tour de France Femmes ihre Härte in Form von Hitze. Bis zu 40 Grad Celsius stellten sich den Pedaleurinnen in den Weg, als würde man durch eine große Open-Air-Sauna radeln. Niedermaier beschwerte sich nicht über diesen Umstand. Aber die Tour de France verlangt es wiederkehrend, sämtliche Elemente zu beherrschen. Und Etappe vier ließ erahnen, dass Niedermaier nicht zwingend in ihrem Element ist, wenn Wind das Kommando übernimmt.

„Der Berg hat mir sehr gut gefallen, aber mit dem Rückenwind und bergab ist es für mich schwierig, ein gutes Pacing hinzubekommen“, resümierte sie am Dienstagabend bei der ARD. Auf der 21 Kilometer langen Einzelzeitfahrstrecke samt 255 Höhenmetern von Gevrey-Chambertain nach Dijon war Niedermaier solide unterwegs gewesen, jedoch nicht mit jener Rasanz, die sie in dieser Disziplin beim Giro gezeigt hatte, als sie das Ziel als Zeitfahr-Vierte erreicht hatte. Rang 23 wurde es am Dienstag, und im anschließenden TV-Interview wirkte Niedermaier nicht auffällig zufrieden. Auch wenn sie im Gesamtklassement vor dem Start der fünften Etappe nur 40 Sekunden hinter dem Podium lag – und erstmals bei der Tour unter die besten Zehn geklettert war.

„Mit dem Rückenwind und bergab ist es für mich schwierig, ein gutes Pacing hinzubekommen“: Antonia Niedermaier nach dem Einzelzeitfahren von Gevrey-Chambertin nach Dijon.
„Mit dem Rückenwind und bergab ist es für mich schwierig, ein gutes Pacing hinzubekommen“: Antonia Niedermaier nach dem Einzelzeitfahren von Gevrey-Chambertin nach Dijon. Isslerimages/Imago

Klettern ist eventuell ein Stichwort, das Niedermaier-Aficionados bestärken dürfte. In Frankreich stehen gut 6000 Höhenmeter mehr auf dem Programm als zuletzt in Italien, das kommt Bergspezialistinnen wie ihr zugute. Unpässlich für etwaige deutsche Fanhoffnungen indes könnte ihr derzeitiger Zuständigkeitsbereich sein. Die in Leipzig ansässige Equipe Canyon-Sram schickte wenig verblüffend Katarzyna Niewiadoma-Phinney aus Polen als Kapitänin ins Rennen, die Tour-Siegerin von vor zwei Jahren. Die 31-Jährige rangiert mit 1:09 Minuten Rückstand aufs Gelbe Trikot an sechster Stelle – also 25 Sekunden vor der Deutschen. Nun, da die französische Freiluftsauna ins Gebirge abbiegt, wo am Freitag die sogenannte Königsetappe samt Bergankunft am Mont Ventoux in der ikonischen Steinwüste bevorsteht.

Offensichtlich ist Antonia Niedermaier da mehr in ihrem Element, zumal ihr Aufgabenfeld als sogenannte Edelhelferin dem Vernehmen nach mit einer Art Klausel versehen ist. Ihr sei eine „etwas freiere Rolle zum Reinschnuppern und Testen“ zugedacht, wie sie vor der fünften Etappe von Mâcon nach Belleville-en-Beaujolais erzählte. Dort kam sie nach 140 Kilometern und 2900 Höhenmetern als Sechste mit 45 Sekunden Rückstand auf Siegerin Vollering ins Ziel. Niedermaier fährt nach dieser Klasseleistung im weißen Trikot der besten Nachwuchsfahrerin – und mit 2:40 Minuten Rückstand auf die Gesamtführende Reusser, die als Zweite vor Niewiadoma-Phinney (die ersten Drei waren zeitgleich) ins Ziel kam, um einen Podiumsplatz. Und womöglich wartet am 9. August 2026 im Ziel von Nizza ein schwitzender Bruckmühler Hund auf eine noch mehr schwitzende Bruckmühler Tour-de-France-Debütantin.

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