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Anti-Doping-Gesetz:Bedrohliche Blicke in Berlin

Entwurf des Anti-Doping-Gesetzes

Bundesjustizminister Heiko Maas (linksl) und Bundesinnenminister de Maiziere bei der Vorstellung des Gesetzes

(Foto: Lukas Schulze/dpa)

"Kampfansage an Doper": Die Minister Maas und de Maizière stellen das Anti-Doping-Gesetz vor - und hören von vielen Seiten Anerkennendes. Doch manche Aussage verwundert.

Die Miene von Thomas de Maizière war ernst, wie betoniert, nur ein paar Mal deutete er in seinem Mundwinkel kurz ein Grinsen an. Doch selbst wenn der Bundesinnenminister grinst, ein paar Millimeter seines Oberkiefers entblößt, bleibt sein Gesichtsausdruck markant. Das kann bedrohlich wirken.

Am Mittwoch passte das Mienenspiel des CDU-Politikers zum Anlass seines Auftritts. Gemeinsam mit Justizminister Heiko Maas (SPD) stellte er in Berlin den Entwurf für ein neues Anti-Doping-Gesetz vor - und von vielen Seiten hören sie anerkennend, dass ihnen damit ein guter Wurf geglückt ist. Erstmalig sollen Spitzensportler für Besitz und Konsum von Dopingmitteln strafrechtlich belangt werden, mit bis zu drei Jahren Haft. Die Justiz kann schon Ermittlungen aufnehmen, wenn sie bei einem Top-Athleten nur eine einzige Pille findet. Für beteiligte Ärzte und Dealer gibt es härtere Strafen als bisher.

Experte Franke wettert: "Total dumm oder total hinterhältig."

Entwurf für ein Anti-Doping-Gesetz

"Das ist eine Kampfansage an Doper"

46 Seiten ist der Entwurf für das Anti-Doping-Gesetz lang. Nun ist er im Bundestag vorgestellt worden. Die Minister halten ihr Projekt für einen "Meilenstein" - und auch die Nationale Anti-Doping-Agentur ist angetan.

"Meilenstein", "Kampfansage an Doper", solche Formulierungen fielen in Berlin zuhauf. "Das Gesetz ist wirksam, kurz, klar, aber auch hart", sagte de Maizière. Für dopende Spitzensportler klang das: bedrohlich.

Doch de Maizière und Maas blickten in der halben Stunde, in der sie Fragen zum Gesetzestext beantworteten, auch deshalb ernst, weil sie sich vielfältiger Kritik ausgesetzt sehen. Der Anti-Doping-Experte Werner Franke etwa hatte sich in einem Interview mit dem Radiosender hr1 in der Sache zu Wort gemeldet. Die Vorlage sei "nicht nur ein kleiner Wurf, sondern gar kein Wurf", sagte er: "Das ist entweder total dumm oder total hinterhältig."

Seine Hauptkritikpunkte: Erstens breche der Gesetzentwurf nicht die Schweigepraxis der Sportmediziner. Zweitens sehe er strafrechtliche Konsequenzen bei Dopingbesitz nur für Spitzenathleten und Profis vor, nicht aber für Amateure und Freizeitsportler. Dabei kreuzen sich im Dopingmilieu die Wege von Amateuren und Profis häufig. De Maizière hält eine praktische Umsetzung von Verfahren bei Breitensportevents mit Tausenden Teilnehmern jedoch für undenkbar, weil unpraktikabel. "Das halte ich nicht für klug", sagte er: "Es würde das Strafrecht als Instrument maßlos überfordern."

Daneben mahnten Datenschützer unverhältnismäßige Eingriffe in die Grundrechte an. Der Entwurf sei verfassungswidrig, sagte Edgar Wagner, Landesbeauftragter für den Datenschutz in Rheinland-Pfalz. De Maizière räumte ein, dass die Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, nach denen Spitzenathleten täglich ihren Aufenthaltsort mitteilen müssen, um für Kontrollen angetroffen werden zu können, einen signifikanten Eingriff darstellen würden. Allerdings sei die Verhältnismäßigkeit der Praxis geboten: Sauberer Spitzensport sei ein Anliegen der gesamten Gesellschaft.

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