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Angelique Kerber:Keine Zeit zu genießen

2018 US Open - Day 6

Da geht gar nichts: Angelique Kerber wirkte in New York schon unzufrieden, als sie noch führte.

(Foto: Julian Finney/AFP)

Die Wimbledonsiegerin scheitert in der dritten Runde der US Open an der Slowakin Dominika Cibulkova - und an sich selbst. Sie weiß, dass sie nun wird härter arbeiten müssen. Nach dem Aus wirkte sie aber eher gleichmütig,

Angelique Kerber wird in diesem Jahr die US Open nicht gewinnen, sie ist gegen Dominika Cibulkova ausgeschieden (6:3, 3:6, 3:6). Was für eine Enttäuschung für eine Spielerin, die vor ein paar Wochen Wimbledon gewonnen hat, das bedeutendste Tennisturnier der Welt, und die nun in New York als eine der Favoritinnen angetreten ist. Der Rapper Nelly behauptet in seinem Lied "Number One", dass schon die Zweitplatzierte keine Siegerin sei und dass sich an die Dritte niemand erinnern würde. Wie muss sich dann erst eine Spielerin fühlen, von der ein weiterer Turniersieg erwartet worden war und die in der dritten Runde gescheitert ist?

Kerber saß nach ihrer Niederlage in den Katakomben, und natürlich war sie enttäuscht. Sie hatte nicht besonders gut gespielt, sie hatte zu passiv agiert und sich auch nicht so grimmig gegen diese Niederlage gewehrt, wie sie das schon so oft in ihrer Karriere getan hatte. Sie wirkte aber auch nicht wie eine Gescheiterte, eine Geschmähte oder wie eine, an die sich niemand erinnern würde. Sie wirkte eher gleichmütig, sie bezeichnete ihre Saison als eine bislang ordentliche, und den Wimbledon-Sieg, den könne ihr sowieso niemand mehr nehmen.

Die Gier nach Erfolg, diese permanente Unzufriedenheit, das kann einen unglücklich machen

Weiter, immer weiter, das ist das Mantra im Profisport. Wer die eine Hürde überspringt, der soll sogleich an die nächste denken, und wer bei dem einem Turnier siegt, der soll auch das nächste gewinnen. Warum sollte jemand überhaupt noch Titel gewinnen wollen, wenn ihm danach nicht vergönnt ist, den Erfolg auch mal ein bisschen zu genießen? Dieses Andauernd-Gewinnen-Müssen, diese Gier nach Erfolg, diese permanente Unzufriedenheit, das kann einen auch unglücklich machen.

Kerber hat nun gegen eine Gegnerin verloren, die vor einem Jahr auf Platz vier der Weltrangliste geführt wurde, vor ihr sind bei diesen US Open schon die topgesetzten Simona Halep und Caroline Wozniacki ausgeschieden. So was passiert, gerade derzeit im Frauentennis. Kerber hatte sich nach ihrem Erfolg in Wimbledon nicht sogleich auf die Hartplatzsaison vorbereitet, sondern sich erst einmal daheim erholt und den Triumph in Wimbledon genossen. Warum denn auch nicht? Sie hat 2016 die Australian Open und die US Open gewonnen, ihre Grand-Slam-Bilanz in diesem Jahr: Halbfinale, Viertelfinale, Sieg - und nun dritte Runde. Das ist nicht nur ordentlich, das ist gut.

Sie weiß, dass sie in New York nicht gut gespielt hat, und dass sie wieder hart, nein: härter wird arbeiten müssen. Nach ihrer Niederlage bei den US Open sagte sie, dass sie doch noch gerne auch die French Open gewinnen würde, um den sogenannten Career Slam zu komplettieren, einen Erfolg bei allen Grand-Slam-Turnieren. Das haben in der Geschichte dieses Sports erst zehn Frauen geschafft. Weiter, immer weiter - aber im eigenen Takt, und das hat sie sich verdient.