Andreas ObstDer Basketballer, für den der FC Bayern „an die Schmerzgrenze“ geht

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„Wir wollen von Anfang an klarstellen, wo es langgeht:“ Andreas Obst, Topscorer des FC Bayern,  vor dem Halbfinale gegen Bonn.
„Wir wollen von Anfang an klarstellen, wo es langgeht:“ Andreas Obst, Topscorer des FC Bayern,  vor dem Halbfinale gegen Bonn. Steffie Wunderl/Beautiful Sports/Imago

Die Basketballer des FC Bayern sind auf dem Weg zur nächsten Meisterschaft. Das liegt auch an ihrem Topscorer, der sich zum internationalen Topspieler entwickelt hat.

Von Ralf Tögel, München

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Es ist ein Gerücht, dass kein Münchner Spieler besondere Lust verspürte, über Pfingsten auch nur einen Tag länger als nötig in Trier zu verweilen. Dabei hat die älteste Stadt Deutschlands einiges zu bieten, die Porta Nigra etwa, das Amphitheater, wo sich einst Gladiatoren beharkten, die Kaiserthermen oder die Römerbrücke. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass Basketball-Profis außer Hotel und Halle bei Gastspielen in der Fremde kaum etwas anderes zu Gesicht bekommen. Jedenfalls taten die Akteure vom FC Bayern München das Nötige, um die Stadt im Moseltal umgehend wieder zu verlassen, wofür ein 99:62-Sieg gegen die Gladiatoren genügte.

Zum einen beinhaltet jedes Gerücht einen Kern an Wahrheit, zum anderen war der Viertelfinalgegner heillos überfordert. München gewann auch die beiden ersten Partien der Serie deutlich (101:80, 92:65) und wischte die Gladiators Trier mit einem sogenannten „Sweep“ (ein 3:0 in einer Best-of-five-Serie) aus dem Viertelfinale. Der nächste Gegner sind nun die Telekom Baskets Bonn, die Würzburg mit 3:2 aus dem Wettbewerb warfen. Trotz der 63:66-Niederlage in Spiel fünf, das von zwei sehr giftigen Defensivreihen geprägt war, bewiesen die Würzburger, die in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils das Halbfinale erreicht hatte, dass sie sich unter Trainer Sasa Filipovski zu einem beständigen Halbfinal-Kandidaten entwickelt haben.

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Gegen den Titelverteidiger aus München sind die Bonner dennoch der klare Außenseiter. Das wolle man den Gegner auch unmissverständlich wissen lassen: „Wir wollen von Anfang an klarstellen, wo es langgeht“, sagt Andreas Obst. Der 29-Jährige kann dazu einiges beitragen, Obst ist Topscorer der Münchner, wurde gerade zum wertvollsten Spieler der Bundesliga (BBL) gewählt. Und Obst ist der Spieler im deutschen Basketball, der seit Jahren beständig und auf hohem Niveau liefert. Der Welt- und Europameister hat in dieser Saison in Euroleague und BBL bereits 65 Spiele auf dem Buckel, sein Punkteschnitt in der europäischen Königsklasse lag bei 14,5, in der BBL erzielt er aktuell 16,4 Punkte pro Partie. Seit 2021 hatte er angesichts großer Turniere wie Olympia, Welt- und Europameisterschaften so gut wie keine Zeit, in der Sommerpause Kräfte zu sammeln. Vielmehr sammelte er Titel und Auszeichnungen. Obst ist auch in der Nationalmannschaft der Dauerbrenner.

In den vergangenen fünf Jahren sind so mehr als 350 Pflichtspiele zusammengekommen, da stellt sich die Frage, wie das geht. Viele Gegner dürften sich fragen, ob sie es bei diesen Leistungen mit einem Menschen oder einer Maschine zu tun haben, Obst selbst hat eine einfache Erklärung: „Wir haben hier eine sehr gute medizinische Abteilung, ich fühle mich gut und achte auf meinen Körper.“ Obst ist ein Musterprofi, der auf seine Ernährung achtet, penibel in seinen Körper hört, um ihm die notwendigen Pausen zu geben. Zudem hat er sich in den vergangenen Jahren deutlich mehr Muskelmasse zugelegt und ist so gut wie nie verletzt. Und Obst ist ein mental außergewöhnlich gefestigter Spieler, das kann man in jedem Spiel beobachten. Auch in gelegentlichen Phasen, wenn kein Wurf fallen will, ist der Shooting Guard dadurch nie aus der Ruhe zu bringen. „Ich habe ein großes Selbstvertrauen in mein Spiel“, sagt Obst, der kürzlich seinen Vertrag beim FC Bayern bis 2029 verlängert hat.

Der FC Bayern weiß, was er an Andreas Obst hat: einen Sympathieträger weit über die Stadtgrenzen hinaus

Die Münchner sind dafür „an die finanzielle Schmerzgrenze gegangen“, wie Präsident Herbert Hainer erklärte, der Klub weiß nur zu gut, dass Obst längst zum Posterboy der Liga und des Nationalteams avanciert ist. Der Guard ist weit über die Landeshauptstadtgrenzen hinaus Sympathie- und Werbeträger, für einen polarisierenden Verein wie den FCB kaum zu bezahlen. Jüngstes Beispiel ist ein lustiger Werbespot von Obst und Hape Kerkeling mit dem Ernährungspartner der Nationalmannschaft. Die Vertragsverlängerung in München ist auch als Zugeständnis an den Arbeitgeber zu sehen, denn beim FC Bayern hat sich Obst zum internationalen Topspieler entwickelt, der nun maßgeblich an der Titelverteidigung mitwirken soll.

Woran die Fachwelt wenig Zweifel hegt, zumal neben Obst der komplette Kader erstklassig besetzt ist: Genannt seien nur die Welt- und Europameister Justus Hollatz, Oscar da Silva, Niels Giffey, Johannes Voigtmann und Leon Kratzer. Ganz zu schweigen von der Riege europäischer und amerikanischer Topspieler. Man darf davon ausgehen, dass diese Gruppe auch wenig Lust verspürt, ihre rare Freizeit in Bonn zu verbringen, zumal die Baskets vor der ersten Partie am Samstag zwei Spiele mehr in den Beinen haben.

Obst indes hat die erste Sommerpause seit fünf Jahren vor Augen, in diesem Jahr nämlich steht kein Großturnier an. Im Hinterkopf habe er diese schöne Aussicht, sagt Obst, das schon, aber vorher gelte es noch etwas zu erledigen: „Wer in diesem Verein spielt, der ist dazu da, Titel zu gewinnen.“ Und wer das nicht verinnerlicht habe, der sei „am falschen Ort“. Andreas Obst ist genau da, wo er sein will.

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