"Racquet Book Club":Dostojewski erhielt viele Stimmen

Mitglied ist jeder, der dem Instagram-Account @racquetbookclub folgt. Ein Klick reicht. "Für den Auftakt habe ich vier meiner Lieblinge ausgesucht", erklärt Petkovic, je einen aus der Kategorie Sachbuch, Roman, Sport, Klassiker. Sie entschied sich für "Lincoln im Bardo" von George Saunders, "mein absoluter Lieblingsroman". Dazu für "H wie Habicht" von Helen MacDonald, "eine Frau versucht nach dem Tod ihres Vaters einen Habicht zu zähmen, super". Außerdem für "String Theory" von David Foster Wallace sowie "Verbrechen und Strafe" von Fjodor Dostojewski. "Ein schweres Buch, klar", sagt Petkovic, "es hat erstaunlich viele Stimmen bekommen."

Doch String Theory setzte sich durch. Fünf Essays beinhaltet das Band, sie sagt: "Mein Lieblingsessay ist der erste. Foster Wallace schildert darin seine Zeit in Illinois, wie er als Mathestudent die Winkel der Tennisschläge berechnete und sich gegen Bessere behauptete, weil er schlau spielte." Sie würde gleich losdiskutieren, das klingt durch.

Eine Woche haben alle Zeit, sich das Buch zu organisieren und zu lesen, dann wird die Freestyle-Besprechung eröffnet. Petkovic ist noch unentschlossen, sie wird vielleicht einen Auszug auswählen und kommentieren, und dann Feuer frei. Wobei Petkovic das Buchklub-Rad weiterspinnt: "Schön wären auch Gastbeiträge, Podcasts." Und mal eine Lesung in New York? "Warum nicht? Wenn das jemanden interessiert." Garantiert wäre das der Fall, sie ist ja auch eine Menschenfängerin. Selbst wenn sie ihre fünf Regeln erklärt, die die Mitglieder verinnerlichen sollen, hört sich das nie belehrend an, eher kumpelig. "Ich will keine Deutschunterricht-Stimmung haben", sagt sie.

Regel eins also: Jeder soll über den Klub reden. "Im Film ,Fight Club' hieß es: bloß nicht drüber reden. Wir stellen die Regel auf den Kopf." Zwei: "Wir sind keine Professoren. Es geht um Spaß." Drei: "Quäl dich nicht! Leg das Buch weg, bevor es Lebenszeit raubt." Sie setzt die 20-Prozent-Regel um. Wenn es sie nach 20 von 100 Seiten nicht packt: weg! "An Bücher, durch die ich mich gequält habe, kann ich mich nie mehr erinnern." Sie freut sich auch über Fotos, wie man ein Buch wegwirft: "Das sind meine liebsten." Vier: "Wir sind eine Community." Alle sollen sich helfen, beim Bücherfinden etwa. Fünf: "Alle sollen den Klub aufbauen." Mit Posts, Hashtags, Threads.

In der zweiten Diskursrunde sollen andere Bücher zur Wahl stehen. Petkovic ist ja noch Tennisprofi. Sie erholt sich gerade von einer Knieoperation. "2020 sollte ein Ausklingjahr werden", sagt sie, "das fällt eher aus." Ihr Entschluss: "Ich hänge noch ein Jahr dran. Ich möchte die Turniere abreisen und mich verabschieden." Sicher wird sie dann Bücher dabei haben. Zu Hause in Darmstadt stehen schon 500 bis 600. "Alle schauen Netflix, die gleichen Serien, reden über das Gleiche", sagt Petkovic: "Lesen öffnet neue Perspektiven. Für den Kopf gibt es, grad heute, nichts Besseres."

© SZ vom 20.03.2020/sonn
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