André Schürrle in der Nationalmannschaft:Glückliche Wendung

"Als er bei uns anfing vor drei Jahren, hatte er eine sehr gute Phase. Dann ist er ein bisschen stehen geblieben", erinnerte sich Bundestrainer Joachim Löw. Schürrle spulte in Leverkusen mäßig sein Programm herunter, in der Nationalmannschaft fiel er im Kampf um die begehrten Plätze in der Offensive zurück, Spieler wie Mario Götze oder Julian Draxler zogen vorbei. Dennoch holte ihn Mourinho nach London - und das scheint die glückliche Wendung in der Karriere des André Schürrle gewesen zu sein.

Schweden - Deutschland

Und wieder Schürrle: Der Mann vom FC Chelsea traf gegen Schweden dreimal.

(Foto: dpa)

Schweden musste alle Vorzüge ertragen

Schon beim Spiel um den europäischen Supercup gegen den FC Bayern München Ende August fiel ein sehr agiler, sehr dynamischer Schürrle auf. In der Premier League hat er bislang als einzige Offensivkraft alle sieben Spiele bestritten, wenngleich ihm dort noch kein Tor gelungen ist. "Ich glaube, der Wechsel zu Chelsea hat mir gut getan für mein Auftreten. Ich fühle mich gut, bin körperlich fit und selbstbewusst", erklärte er in Solna.

José Mourinho erklärte ihm, er solle sein Spiel durchziehen, dann werde es für jeden Gegner schwer. Leidtragende dieser Erkenntnis waren in Schweden vor allem Pierre Bengtsson und Per Nilsson, an denen sich Schürrle bisweilen spielend vorbeischwang. Vor dem 3:2 nahm er einen katastrophalen Fehlpass des Nürnbergers Nilsson auf und ließ sich während des Sprints zum Tor nicht mehr stoppen.

Beim 4:2 startete er unwiderstehlich in den Strafraum und vollendete einen Pass des ebenfalls sehr starken Mario Götze. Beim 5:3 zirkelte er praktisch aus dem Stand den Ball traumhaft in den entfernten Torwinkel. Die Schweden mussten alle Vorzüge des in Mainz ausgebildeten Profis ertragen: extreme Antrittsschnelligkeit, dynamischer Zug zum Tor, dabei trotz des enormen Tempos technisch gut am Ball. An Tagen wie diesem in Solna geht es einfach zu schnell für die Bengtssons und Nilssons dieser Welt.

Der Druck lähmt ihn nicht - ganz im Gegenteil

Beim FC Chelsea, sagte Schürrle, müsse er täglich darum kämpfen, am Wochenende spielen zu dürfen. Die "unglaubliche Dichte im Kader" erfordere das. Bringt es der Schürrle nicht, dann spielt eben ein anderer. Doch dieser Druck lähmt ihn nicht, sondern spornt ihn an.

Was die Konkurrenz betrifft, geht es ihm im Klub nun genauso wie in der Nationalmannschaft. Auch hier steht auf den Offensivpositionen sofort Ersatz parat. Mesut Özil ist bei Bundestrainer Löw zentral gesetzt. Spielt vorne mit Miroslav Klose, Mario Gomez oder wie diesmal Max Kruse ein echter Mittelstürmer, verbleiben zwei Stellen auf den Außen. Darum bewerben sich außer Schürrle Thomas Müller, Marco Reus, Lukas Podolski, Toni Kroos, Mario Götze, Julian Draxler und Sidney Sam. Eine Sammlung an Feinfüßen und Tempo-Fußballern, die es so im deutschen Fußball wohl noch nie gegeben hat.

"Jeder versucht, wenn er auf dem Platz steht, sich zu zeigen", erklärte Schürrle, "es geht die ganze Zeit um die Plätze und die Formation." Er hat mit seinen Auftritten gegen Irland (ein Tor) und Schweden (drei Tore) seine Position sicher nicht verschlechtert. Löw sagte nach dem Schlusspfiff in Solna: "Also wenn er so spielt", dann werde es in Brasilien bei der WM schwer, ihn nicht aufzustellen.

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