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Sebastian Andersson bei Union:Die Wand von Köpenick

FC Schalke 04 v 1. FC Union Berlin - Bundesliga

"Man kann nicht immer Tore schießen, aber man kann immer kämpfen": Unions Stürmer Sebastian Andersson offenbart ein Faible für den Zweikampf auf dem Rasen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der Schwede Sebastian Andersson glänzt mit Union Berlin in der Bundesliga.
  • Jetzt soll er auch gegen Köln mithelfen, dass die Berliner wieder einen Heimsieg schaffen.

Wenn in der laufenden Fußballsaison ein Meister im Täuschen und Tarnen ausgerufen werden würde, dann wäre ein Schwede aus Berlin unter den engsten Kandidaten auf den Titel. Mindestens.

"M. Andersson" steht auf dem Aufstellungsbogen für die Bundesligapartie des 1. FC Union Berlin gegen den 1. FC Köln am Sonntag hinter der Berliner Rückennummer 10. Doch der Rufname des Stürmers ist nicht Martin, sondern Sebastian, weshalb er in der Kabine des 1. FC Union - und auf dem Rasen - "Seb" genannt wird. Und eine "10" im engeren Sinne, also ein klassischer Spielmacher, ist Andersson auch nicht.

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Im Gegenteil. Er ist eine "Nummer 9" vom Schlage des Wandspielers: ein Mittelstürmer also, der die Bälle "festmachen" soll, wie es im Branchenjargon heißt, damit der Rest der tief in der eigenen Hälfte stehenden Mannschaft nachrücken, ihn vom Ball zeitweise erlösen kann, um ihm diesen dann vor dem Strafraum wieder zuzuspielen. 13 Spieltage sind in der laufenden Saison vergangen, und dass der Bundesliganeuling aus Köpenick bereits acht Punkte Vorsprung auf die Aufstiegskollegen aus Köln hat, liegt auch an diesem Wandspieler Andersson und seinen bisher sechs Saisontoren.

Kaiserslauterns Drama war ein Segen für den 1. FC Union: Andersson kam ablösefrei

Entdeckt wurde Andersson für den 1. FC Union von Oliver Ruhnert, als der heutige Manager noch in der Rolle des Scouts für die Berliner arbeitete. Andersson spielte damals beim 1. FC Kaiserslautern, der mittlerweile so beharrlich heruntergewirtschafteten Wiege des deutschen Fußballwunders. Nach einer eher wechselhaften Karriere in Schweden - vier Profivereine in sieben Jahren, zuletzt beim IFK Norköpping - war er erstmals im Ausland unter Vertrag.

Andersson hätte damals also durchaus für sich reklamieren können, dass er Zeit zur Eingewöhnung in ein fremdes Umfeld benötige - stattdessen überzeugte er unter schwierigen Bedingungen mit Leistung. Er war erst spät zu Kaiserslauterns Mannschaft gestoßen, musste dort drei Trainer in einer Spielzeit ertragen (Norbert Meier, Jeff Strasser, Michael Frontzeck) und konnte bei aller Aufopferung und zwölf Toren in 29 Spielen nicht verhindern, dass der Traditionsklub FCK aus der zweiten in die dritte Liga abstieg.