bedeckt München 22°

American Football:Sie wollen nicht spielen

American Football Fursty Razorbacks Fürstenfeldbruck vs. Nürnberg Rams

Startklar: Die Fursty Razorbacks (re.) wollen so schnell wie möglich wieder Partien austragen. Ihre Betriebskosten sind im Vergleich zur ersten Liga deutlich niedriger, die Abhängigkeit von Zuschauereinnahmen ist geringer.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)

Die Erstligisten sagen ihre Saison ab - die zweite Liga will ihren Betrieb hingegen aufnehmen, mit Straubing und Fürstenfeldbruck.

In der deutschen Football-Bundesliga GFL wird aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr keine Saison stattfinden. Die sechs Teams, die ihre Bereitschaft an einer Durchführung einer Spielzeit schriftlich hinterlegt hatten, sprachen sich bei einer Sitzung in Frankfurt am Main nun doch mehrheitlich gegen die Austragung aus. Bei der Abstimmung entschieden sich fünf Teams bei einer Enthaltung gegen die eigene Teilnahme an einem Spielbetrieb. "Tragende Gründe für die Absagen waren unter anderem, dass die Gefahrenabwehrverordnungen der Bundesländer derzeit einen bundesweiten Trainingsbetrieb mit voller Mannschaftsstärke und einen Spielbetrieb mit einer ausreichenden Zuschauerzahl absehbar nicht ermöglichen würden", heißt es in einer GFL-Mitteilung: "Die derzeit wieder steigenden Infektionszahlen stimmten die Vereinsvertreter für die nächsten Wochen nicht optimistisch, dass noch weitere Lockerungen folgen werden."

Der Entscheidung war ein langer Streit zwischen den Vereinen und dem Verband AFVD vorausgegangen. AFVD-Präsident Robert Huber bange um sein Geschäftsmodell, warfen ihm die Klubs vor: Er habe mit eigenen Firmen, beispielsweise dem Vermarkter German Football Partners, persönlich viel zu verlieren. Es gehe längst nicht mehr nur um den Spielbetrieb, meinte etwa Alexander Korosek, Geschäftsführer der Frankfurt Universe, im Hessischen Rundfunk, "sondern um Geld und persönliche Einzelinteressen. Der heilige German Bowl soll mit Ach und Krach durchgeführt werden." Das Tischtuch zwischen Verband und Vereinen sei zerschnitten: "Es gibt null Vertrauen mehr. Wie kann man das auf den Weg bringen, wenn sich alle Vereine für etwas anderes aussprechen?"

Am Ende sprangen auch noch die letzten verbliebenen Interessenten ab - auch die Munich Cowboys

Verwirrung herrschte auch um die Frage, ob die GFL-Klubs bei Aufnahme eines Spielbetriebs Hilfsgelder aus einem Förderprogramm des Bundes zu erwarten gehabt hätten - denn dieses Paket ist für den Erhalt von Arbeitsplätzen in den Profiligen gedacht, die GFL ist aber eher als semiprofessionell zu betrachten - in den meisten Fällen werden lediglich Trainer und die aus den USA verpflichteten Spieler bezahlt. In ausgegliederten Betriebs-GmbHs wie der Frankfurter hatte man schon vor einiger Zeit bekannt gegeben, heuer auf ausländische Spieler verzichten zu wollen.

Am Ende sprangen auch noch die letzten Interessenten ab - neben Dresden, Schwäbisch Hall, Marburg, Potsdam und Berlin auch die Munich Cowboys. "Die schon frühzeitig in der Corona-Krise festgelegten grundlegenden Kriterien wurden bislang nicht erreicht und rücken im Gegenteil nach aktuell steigenden Infektionszahlen für September in weite Ferne", teilten die Münchner am Samstag mit. Präsident Werner L. Maier meinte: "Weiteres Zuwarten würde allen Beteiligten nur schaden und eine aktuell unbedingt notwendige Verbindlichkeit verhindern. Nachdem wir eines der Teams waren, die sich so lange wie möglich die Option zur Ligateilnahme bewahren wollten, schmerzt diese Absage natürlich sehr. Aber es ist dann nur konsequent, diese Entscheidung zu treffen, wenn die festgelegten Voraussetzungen nicht erfüllt sind." Vor allem die fehlende Perspektive für Heimspiele mit Zuschauern sowie die Tatsache, dass mögliche Mitbewerber noch gar kein Vollkontakt-Training durchführen dürfen, seien entscheidende Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt hätten. Die bayerischen Konkurrenten der Cowboys, die Allgäu Comets und die Ingolstadt Dukes, hatten bereits vor Längerem ihr Desinteresse an einer Saisonteilnahme kundgetan.

Anders sieht es kurioserweise in der zweiten Liga aus. Von den 16 Teams der GFL 2 will die Hälfte die Saison bestreiten. Acht Vereine haben sich dafür ausgesprochen, an einem Spielbetrieb teilzunehmen: Die Assindia Cardinals aus Essen, die Berlin Adler, die Düsseldorf Panther, die Langenfeld Longhorns, die Saarland Hurricanes, die Solingen Paladins - sowie aus Bayern die Fursty Razorbacks aus Fürstenfeldbruck und die Straubing Spiders. Die Teams werden in den nächsten Tagen einen Spielplan ausgearbeitet bekommen. "Der Spielbetrieb im Herbst steht selbstverständlich weiter unter dem Vorbehalt, dass dabei der Gesundheitsschutz für Beteiligte und Zuschauer gewährleistet sowie sämtliche behördlichen Auflagen erfüllt werden können", teilte der AFVD dazu mit.

"Wir wollen einfach spielen, bei uns steht der Vereinsaspekt im Vordergrund", sagt der sportliche Leiter der Razorbacks aus Fürstenfeldbruck, Michael Dohrmann. Den meisten Vereinen der zweiten Liga tue es zwar auch sehr weh, wenn nur wenige oder gar keine Zuschauereinnahmen flössen. Weil aber die Kosten in der zweiten Liga für den Spielbetrieb deutlich niedriger sind, muss dieser vorerst noch nicht ausgeschlossen werden. Das bedeutet: Es kann, Stand jetzt, zu einem verkürzten Ligabetrieb kommen, vielleicht werden aber auch nur einige Freundschaftsspiele ausgetragen. Für den Zweitliga-Saisonstart ist aktuell das erste September-Wochenende geplant.

© SZ vom 03.08.2020 / SZ

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite