American Football:Der Himmel verdunkelt sich

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American Football: Enttäuscht nach dem Playoff dahoam: Kevin Titz und die Cowboys.

Enttäuscht nach dem Playoff dahoam: Kevin Titz und die Cowboys.

(Foto: Wolfgang Fehrmann/HMB-Media/Imago)

Bei den Munich Cowboys scheint endlich alles gerichtet zu sein für eine goldene Zukunft - doch nun kommt ein Team der Profiliga ELF in die Stadt. Dem GFL-Klub droht ein empfindlicher Aderlass.

Von Christoph Leischwitz

Die Cowboys waren raus, aber immerhin mit Applaus. Die Spieler blickten hinauf auf die Tribüne des Dantestadions und klatschten den Fans zu wie die Fans ihnen, hinter ihnen auf dem Rasen prangten quer über die Yardlinien geschrieben die beiden Worte: "Playoff dahoam." Mit viel Stolz hatten sie diese dort hingeschrieben. Im Prinzip hatte der Football-Bundesligist 21 Jahre lang auf diesen Tag hingearbeitet. So lange nämlich war das Team nicht mehr Zweiter in der Südstaffel geworden, um Heimrecht im Viertelfinale genießen zu können. Wenn sie doch mal Dritter oder Vierter wurden, setzte es auswärts im Norden regelmäßig klare Niederlagen.

Zum Playoff dahoam am Samstag kamen die Cologne Crocodiles, und es wurde ein Duell, das Werbung für die German Football League (GFL) war. Die Cowboys sahen wie der sichere Verlierer aus, doch der Kölner Vorsprung schmolz im letzten Viertel von 13:31 auf 31:34, dann aber ging den Cowboys die Zeit aus. Trotzdem hatte ihre neue Cheftrainerin Nadine Nurasyid wenige Minuten später schon das große Ganze im Blick: "Es war eine großartige erste Saison, die Lernkurve war immens, bei mir, aber auch beim Team." Alle Sympathiebekundungen wurden jedoch abrupt beendet. Regen zog auf, der Himmel verdunkelte sich, und das war in mehrfacher Hinsicht sinnbildlich.

Auch wenn die Cowboys es nicht geschafft haben, unter die letzten Vier zu kommen, setzte das Spiel einen Meilenstein. Es hat sie über einen langen Zeitraum viel Energie gekostet, wieder zu den besten Teams des Landes zu gehören. Nicht nur sportlich gab es viele Baustellen zu bearbeiten, zum Beispiel auf der schier ewigen Suche nach einem geeigneten Quarterback - Wyatt Smith ragte dieses Jahr im Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich heraus. Ein anderer wichtiger Punkt: Die Cowboys durften heuer zum ersten Mal, coronabedingt etwas verzögert, das Catering im Stadion komplett selbst übernehmen, was für Amateur-Footballteams einen wichtigen Einnahmefaktor darstellt. Es war für die Cowboys lange ein Wettbewerbsnachteil, dies nicht tun zu können.

Die meisten GFL-Spieler bekommen höchstens Spritgeld

Nun scheint endlich alles gerichtet zu sein für eine goldene Zukunft, doch da wird plötzlich "der Himmel dunkel". In dieser Formulierung kündigen die Raben, die gerade über München kreisen, bei Twitter ihre Landung 2023 an: Die Munich Ravens, die kommende Saison in der European League of Football (ELF) antreten werden. Ein professionell geführtes Team, das ziemlich sicher für Unruhe bei den Cowboys sorgen wird: Die meisten Spieler der ELF beziehen Minijob-Gehälter, die meisten GFL-Spieler bekommen höchstens Spritgeld.

Zwei Tage vor dem Playoff-Heimspiel der Cowboys wurde der Name des Teams und die Namen der Investoren bekanntgegeben. "Natürlich" werde es viele Veränderungen geben, sagt Cowboys-Präsident Werner Maier, der jetzt aber noch nicht komplett schwarzmalen will: "Wenn wir es schaffen, das Trainerteam zusammen zu halten, wird auch ein Großteil der Spieler bleiben", ist er überzeugt. Trainerin Nurasyid gibt zu, dass ihr die privatwirtschaftliche Konkurrenz in der Stadt schon jetzt Sorgen bereite.

Auch die Allgäu Comets müssen sich Sorgen machen

Der Gegner aus Köln ist eigentlich Beweis dafür, dass es sehr wohl möglich ist, ein GFL- und ein ELF-Team in derselben Stadt zu beheimaten. Doch gerade deren Coach David Odenthal findet die deutlichsten Worte: "Es funktioniert nicht", sagt er. Wegen der Cologne Centurions und der 2022 gegründeten Rhein Fire in Duisburg habe er schon "zweimal den kompletten Kader verloren", ergo zweimal komplett neu aufbauen müssen. Er spricht von einer vergifteten Atmosphäre, weil es nur noch ums Geld gehe. Mit der ELF kämen Trainer "auf einmal von irgendwo her, die das Spiel nicht richtig gelernt haben, sie bedienen sich mit Geld an einem Pool" der GFL-Mannschaften, "das funktioniert für mich nicht". Er kündigte eine Konferenz der GLF-Trainer an, die "irgendwas hinkriegen" soll, "das wettkampffähig ist gegen diese ELF" - etwa einen spannenderen Modus.

Der Dritte im Süden, die Comets aus Kempten, pfiffen übrigens auf den Heimvorteil und gewannen überraschend beim Zweiten im Norden, den Lions aus Braunschweig, mit 14:10. Doch auch im Allgäu werden sie aufpassen müssen, im Winter nicht Spieler an das neue Team zu verlieren. Mit dem bayerischen ELF-Standort, dem siebten in Deutschland, droht dem gesamten süddeutschen Amateur-Football ein empfindlicher Aderlass.

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