American Football:Mit kühlem Kopf

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American Football: Alle mal herhören: Die Änderungen von Trainerin Nadine Nurasyid zeigten einmal mehr Wirkung. Die Cowboys drehten das Spiel und gewannen knapp in Straubing.

Alle mal herhören: Die Änderungen von Trainerin Nadine Nurasyid zeigten einmal mehr Wirkung. Die Cowboys drehten das Spiel und gewannen knapp in Straubing.

(Foto: Wolfgang Fehrmann/HMB-Media/Imago)

Die Munich Cowboys sichern sich nach einem Comeback-Sieg in Straubing den Heimvorteil in den Playoffs - und jetzt wollen sie mehr.

Von Jonas Kraus

Eigentlich hatte sie keinen Besuch auf dem Straubinger Gäubodenvolksfest eingeplant, erzählt Nadine Nurasyid, die Cheftrainerin der Munich Cowboys. "Aber nach dem Spielverlauf musste ich noch kurz hin." Für Nurasyid war am letzten Tag des zweitgrößten Volksfestes Bayerns kein Frusttrinken angesagt, dazu gab es keinen Grund. Vielmehr wollte sie nach dem dramatischen Spielverlauf "einfach noch ein wenig runterkommen und feiern".

Ihre Cowboys hatten die Nerven der Cheftrainerin dann doch etwas arg strapaziert beim Gastspiel bei den Straubing Spiders, das die Münchner am Sonntag mit 17:16 für sich entschieden. Mit dem Sieg sicherten sie sich Platz zwei in der Südstaffel der German Football League (GFL), was gleichbedeutend ist mit dem Heimvorteil in den Playoffs gegen die höher eingeschätzten Nordteams. "Ein unschätzbarer Vorteil", sagt Nurasyid, die früher bei Straubing gespielt und trainiert hatte.

Die Cheftrainerin wusste also, was auf ihr Team zukam. Aufsteiger Straubing ist das Überraschungsteam der Saison, die Spiders spielen mutigen American Football, ärgern reihenweise die Favoriten und hätten sich selbst mit einem Sieg gegen München noch den Heimvorteil sichern können. Für die Playoffs waren die Spiders schon zuvor qualifiziert - und sie waren hoch motiviert. "Ein Derby Provinz gegen München ist einfach was Besonderes, vor allem wenn wir es zu Hause austragen dürfen. Wir haben von Beginn an nur ein Ziel - Heimsieg", sagte Kapitän Max Andorfer im Vorfeld bei Idowa. Andorfer und sein Team wollten auch mit aller Macht die heftige Pleite aus der Vorwoche vergessen machen, als sie 7:43 von den Allgäu Comets vermöbelt wurden.

Rückstände sind die Cowboys aus dieser Saison gewohnt - aber auch, diese zu drehen

Entsprechend heiß startete Straubing, nahm einige Umstellungen in der eigenen Verteidigung vor und erwischte die Cowboys sichtbar auf dem falschen Fuß. "Wir sind nur schwer in Tritt gekommen", gibt Nurasyid zu. Im zweiten Viertel warf Quarterback Wyatt Simith einen einfachen Pass, den er sonst wohl auch nach einem Besuch auf dem Gäubodenvolksfest noch anbringen würde, in die Hände der Straubinger Verteidigung. Die nutzten das Malheur und trugen den Ball in die Endzone: Touchdown.

Mit 0:13 aus Sicht der Munich Cowboys ging es in die Halbzeit, der Leistungseinbruch warf Fragen auf in dieser sonst so starken Saison der Cowboys. Geschimpft habe Nurasyid ihre Spieler dennoch nicht: "Da bleibt auch gar keine Zeit, es ging nur darum, was wir besser machen können." Außerdem: "Es war nicht unser erster Rückstand in diesem Jahr, wir kennen die Situation."

Mit diesem Selbstverständnis kehrten die Cowboys zurück aufs Feld im Stadion Am Peterswöhrd. Dort spielen sonst die Fußballer von Landesligist VfB Straubing, bei Heimpartien funktionieren die Spiders das kleine Stadion in den "Spiders Dome" um. Plötzlich kam die Offense der Münchner ins Laufen, zweimal trug Running Back Brandon Watkins den Ball in die gegnerische Endzone, die Cowboys lagen 14:13 vorne, Nurasyids Anpassungen funktionierten. Die Cheftrainerin, die dieses Amt seit dieser Saison innehat, trägt auch die Verantwortung für die Defense, war also gleich doppelt gefordert. Und doppelt zufrieden.

"Aber dann haben wir es erneut spannender gemacht als nötig", ärgert sich Nurasyid. Straubings Simon Schwetz gelang ein Field Goal aus 52 Yards - knapp 50 Meter, eine stolze Distanz. Die 1525 Zuschauer jubelten, der Sieg der kleinen Niederbayern aus der Provinz gegen die großen Münchner schien wieder möglich.

In den Playoffs geht es nun gegen den Dritten der starken Nord-Gruppe. Da könnte das Heimrecht wertvoll werden

"Aber unser Markenzeichen sind derzeit einfach knappe Spiele, die wir dann gewinnen", sagt Nurasyid und lacht durchs Telefon. Schon bei den Saarland Hurricans hatten die Cowboys Mitte August hauchzart mit 30:27 gewonnen, gegen die Allgäu Comets reichte beim 21:20 im Juli ein Punkt Unterschied zum Erfolg. Genau wie am Sonntag. Nochmal bekamen die Cowboys den Ball. Zwar konnten sie sich nicht bis ganz nach vorne durchkämpfen, ein Field Goal von Robert Werner sicherte dann aber den Sieg eine Minute vor dem Ende. "Das macht uns derzeit aus", sagt Nurasyid. "Wir behalten einen kühlen Kopf, wenn es nicht so läuft. Wir spielen diszipliniert, ohne emotional zu werden."

Am Samstag bestreiten die Münchner noch ein sportlich wertloses Heimspiel gegen Frankfurt, dann starten am 10. September im Dantestadion die Playoffs gegen den Dritten aus der Nordstaffel. Was ist möglich? "Erstmal alles", sagt Nurasyid. Die beiden besten Teams im Norden seien wohl zu stark, aber gegen den Dritten, der noch nicht feststeht, könne schon was gehen.

Grundsätzlich gehe es in der Endrunde sowieso nochmal bei null los. Die Erfahrung von knappen Spielen mit positivem Ausgang könne die Mannschaft dann tragen, hofft Nurasyid - die dann womöglich bald mal mit dem ganzen Team auf ein Volksfest gehen kann. Am Sonntag noch fuhr die Mannschaft nachhause. "Die sind voll im Arbeitsmodus, da gibt es unter der Saison keinen Alkohol." Wenn die Saison aber vorbei ist, wann auch immer das sein wird, könnte das natürlich anders aussehen.

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