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American Football:Gewagter Sprung

David Bada hat es in die NFL geschafft. Dass man in den USA auf ihn aufmerksam wurde, liegt an einem speziellen Auswahlprogramm.

Morgens um drei Uhr klingelte sein Telefon. Und wenn David Bada nun erzählt, dass die Nachricht des Anrufers ein "unbeschreibliches Gefühl" ausgelöst habe, dann ist das nicht als Floskel abzutun. Das Leuchten in seinen Augen, während er darüber berichtet, spricht Bände. Für den Münchner Footballspieler hat sich eine Hintertür aufgetan, durch die er sich erfolgreich gekämpft hat mit seinen 135 Kilogramm und 1,95 Metern Körpergröße. Er ist ausgewählt worden von den Washington Redskins und hat nun die Chance, es in die beste Footballliga der Welt zu schaffen, der National Football League (NFL) in den USA. Die Redskins gehörten zuletzt zwar zu den schlechtesten Teams - Cheftrainer Ron Rivera jedoch zu den Besseren seines Fachs. Das Besondere daran ist vor allem, dass es diese Hintertür noch gar nicht so lange gibt.

Der Anruf kam gut 24 Stunden nach Badas 25. Geburtstag und kurz nach dem Draft-Prozedere der NFL. Bei dieser jährlichen Auswahl der neuen Profis buhlen die Klubs um die besten Abgänger der US-Universitäten. Um die Kader aufzufüllen, werden zusätzlich die sogenannten undrafted players angerufen. Auch diese haben meist irgendwo in den USA studiert oder Förderprogramme durchlaufen. Seit 2017 ist nun die Chance gestiegen, dass auch irgendwo in Europa mal ein Handy klingelt.

AMERICAN FOOTBALL - GFL 2 - 13.06.2015, WIESBADEN PHANTOMS vs. INGOLSTADT DUKES, David Bada (Dukes),Timo Jensen (WP), -

Als Fußballer Angebote von 1860 München und Unterhaching bekommen: Der Footballer David Bada (li.).

(Foto: Rene Schulz/Imago)

International Player Pathway (IPP) nennt sich das Programm, das mehr nicht-nordamerikanische Spieler in die NFL schleusen soll. Die Idee dafür entstand unter anderem, nachdem die NFL ihre Schattenliga, die NFL Europe, 2007 abgeschafft hatte. Danach erhielt ein einziger Spieler im Jahr die Möglichkeit, in den USA vorzuspielen. Das war der Liga offensichtlich zu wenig. Nun werden neun Spieler jedes Jahr in den Wintermonaten nach Florida eingeladen, um zu zeigen, was in ihnen steckt. Diesmal klingelten danach vier Telefone: Neben jenem von Bada noch je eines in Australien, in Mexiko und in Österreich.

Die NFL macht keinen Hehl daraus, dass IPP nicht nur das Ziel hat, gute Athleten zu rekrutieren. Es geht auch darum, die Fangemeinde im jeweiligen Land zu vergrößern, es geht letztlich also um Einschaltquoten und Absatzmärkte fürs Merchandising. "PPI ist heilig", sagt Bada. Spieler wie er, der zuletzt als Heizungsinstallateur arbeitete, würden sonst nie eine Chance bekommen. Den Sprung in die NFL haben schon einige Deutsche geschafft, darunter der gebürtige Ansbacher Mark Nzeocha, der Anfang Februar für die San Francisco 49ers im Super Bowl zum Einsatz kam. Gedraftet wurde heuer auch Dominik Eberle, ebenfalls aus Ansbach. Der Kicker spielte zuletzt an einer Universität in Utah, und so wie er schaffen die allermeisten Europäer den Sprung üblicherweise über das Studium an einem College. Bada hingegen spielte zuletzt für die Schwäbisch Hall Unicorns. Und auch, wenn es sich bei den Einhörnern um eines der zwei besten Teams im Land handelt, drängt sich die Frage auf: Ist der direkte Sprung über den großen Teich nicht ein bisschen sehr gewagt?

Bada vor NFL-Chance: ´Man ist nicht so weit weg, wie man denkt"

1,95 Meter groß und 135 Kilogramm schwer: David Bada, 25, dürfte zumindest körperlich keine Probleme haben, sich in der NFL bei den Washington Redskins durchzusetzen.

(Foto: dpa)

Badas Football-Werdegang klingt typisch deutsch. Mit 17 hat ihn ein Freund zum Training der Munich Cowboys mitgenommen, davor spielte er Fußball. "Ich hatte auch Angebote von 1860 und von Unterhaching, aber dann wurde ich zu schwer", erzählt er. Im Jugendtraining der Cowboys faszinierte ihn der Teamgeist. Und die Kollisionen. "Jerome lief immer wieder in mich rein", erzählt er heute über seinen Mentor, den damaligen Cowboys-Runningback Jerome Morris. Mit den Ingolstadt Dukes erlebte Bada den Aufstieg in die erste Liga. Deren Trainer Eugen Haaf erzählt, dass der junge Abwehrspieler schnell zum Publikumsliebling wurde, dank spektakulärer Tackles. Und dass er gleichzeitig aber auch gar nicht so heiß drauf war, "das Fitnessstudio regelmäßig von innen zu sehen". Doch irgendwann in dieser Zeit merkte Bada, dass er schon früh zu einem Anführer auf dem Feld wurde, dass da viel Potenzial in ihm schlummerte. Er arbeitete so hart an sich, dass er jetzt zumindest schon einmal aussieht wie ein NFL-Spieler. Am meisten arbeiten müsse er freilich noch am Spielverständnis. Da dürfte nun die größte Lücke liegen zu den Konkurrenten aus den USA.

Zwei Wochen nach der Zusage ist Bada allerdings immer noch in München gewesen und hielt sich so gut es ging im Olympiapark fit: das Coronavirus, natürlich. Selbst wenn er gerade einen Flug bekäme, die Trainingsanlagen der Redskins waren zuletzt geschlossen. Wann es losgeht, weiß Bada noch gar nicht. Wie groß seine Chance wirklich ist, ein NFL-Spiel zu bestreiten, das ist noch schwerer zu beantworten. Denn kurz vor Saisonstart wird der Kader noch einmal deutlich verkleinert.

Recht gutes Geld kann er aber auch allein schon damit verdienen, dauerhaft zur Trainingsgruppe eines NFL-Teams zu gehören, so wie der deutsche PPI-Vorgänger und Freund von Bada, Christopher Ezeala bei den Baltimore Ravens. "Das wäre der schlechteste Fall", sagt David Bada, und lächelt dabei. Denn selbst das schlechteste Szenario in der National Football League ist ja immer noch irgendwo ein wahr gewordener Traum für ihn.

© SZ vom 06.05.2020

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