American Football:Freche Frischlinge

razorbacks fürstenfeldbruck

Immer auf den Trainer hören: Die U19 der Razorbacks Anfang Oktober bei einer Ansprache von Headcoach Michael "Butch" Dohrmann (M.).

(Foto: Fursty Razorbacks/oh)

Die U19 des American-Football-Zweitligisten Fursty Razorbacks zieht mit einem Sieg über die Hamburg Huskies ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft ein - ihren Erfolg haben sie dem äußert erfahrenen Trainergespann zu verdanken.

Von Christoph Leischwitz

Das Spiel ist aus, schreit Larry Dixon auf Englisch ins Feld, während alle noch fragend in Richtung des Hauptschiedsrichters blicken. Kurz herrscht Verwirrung bei den Jugendspielern der Fursty Razorbacks: Eine Sekunde Spielzeit hatte die Uhr gerade noch angezeigt. Dann hatte sich ein Spieler des Gegners Hamburg zu früh bewegt. Doch der Spielzug war nun mal schon freigegeben, also läuft die Uhr herunter, endlich, Schluss. Die Spieler der Razorbacks recken ihre silbernen Helme in die Höhe, während die Hamburg Huskies ihre auf den Boden werfen. Fast dreieinhalb Stunden hat dieses Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft gedauert, die Sonne ist um kurz vor halb sechs schon weg im Stadion auf der Lände in Fürstenfeldbruck, aber eine lange Saison ist immer noch nicht zu Ende. Dank des spannenden 24:17-Erfolgs über die Besucher aus dem Norden ziehen die Razorbacks ins Halbfinale ein und empfangen Ende Oktober die Düsseldorf Panther.

Einige Spieler stechen klar heraus bei den Bruckern. David Eißel etwa, und das nicht nur, weil er zwei Lauf-Touchdowns zum Sieg beigetragen hat. Der überdurchschnittlich große, aber sehr bewegliche Ballträger hilft auch in der Abwehr aus. "In der Kombination Athletik und Verständnis ist er wahrscheinlich der Beste", sagt Razorbacks-Cheftrainer Michael Dohrmann, in der kommenden Saison soll Eißel als Quarterback auflaufen, als Spielmacher also.

Doch die Jungspunde haben den Erfolg zu einem großen Teil auch ihren Trainern zu verdanken. Da wäre zum einen Larry Dixon, ein 76-jähriger Texaner, der dank seiner Erfahrung oft schon ein bisschen früher als alle anderen weiß, was als Nächstes kommt. Er ist für die Defensive zuständig, und diese ist der Garant dafür, dass es die Fursty-U19 erstmals so weit gebracht hat. Die ewige Nummer eins der GFL Juniors im Süden, die Schwäbisch Hall Unicorns, wurden diesmal in beiden Partien geschlagen, zum ersten Mal überhaupt. Dem Favoriten gelangen dabei lediglich zwölf und sieben Punkte. Die Brucker Defensive war jener Mannschaftsteil auf dem Feld, dem in einer nervösen Partie mit Abstand die wenigsten Fehler unterliefen. Vor Jahrzehnten war Dixon Trainer bei den wohl berühmtesten Razorbacks der Welt gewesen, beim traditionsreichen College-Team aus Arkansas. Den Brucker Jugendleiter Dohrmann sprach er einmal an, weil der ein Razorbacks-T-Shirt trug.

Ein Hamburger Spieler erlitt eine Gehirnerschütterung und musste ins Krankenhaus gebracht werden

Während sich die Schiedsrichter nach dem Spiel an der Bierbank niederlassen und Burger essen, steht Dohrmann auf dem Spielfeld und blickt auf den Ringfinger seiner rechten Hand. "Ich kann's gar nicht mehr lesen", sagt er lächelnd. Dohrmann ist auch schon ewig dabei. Wie die amerikanischen Profi-Vorbilder bekommt man auch als deutscher Jugendcoach einen dicken Ring für eine Meisterschaft. In diesem Fall für die U15 der Fursty Razorbacks, die einmal deutscher Meister wurde: Das Jahr 2014 ist eingraviert. Es war der bislang größte Erfolg der Vereinsgeschichte. "Butch" Dohrmann ist mittlerweile 53 und auch schon ewig dabei. Es handele sich aktuell vielleicht gar nicht um den stärksten U19-Jahrgang. "Körperlich waren wir heute haushoch unterlegen. Aber taktisch waren wir noch nie so gut eingestellt wie heuer", sagt der Coach. Und unheimlich diszipliniert eben, vor allem die Abwehr. Ausnahmen bestätigen die Regel: Ein Hamburger Spieler erlitt eine Gehirnerschütterung und musste ins Krankenhaus gebracht werden, als ein besonders harter Hit unter dem Helm ans Kinn durchrutschte. Eine halbe Stunde lang war das Spiel unterbrochen gewesen.

Es ist durchaus möglich, dass die U19 stark genug ist für einen noch größeren Erfolg - zumindest konnte sich auch der gegen Fürstenfeldbruck unterlegene Süd-Rivale Schwäbisch Hall im Viertelfinale durchsetzen. Wichtig ist den Razorbacks aber auch, dass aus den Frischlingen schnell gestandene Wildschweine werden, die genug Erfahrung mitbringen, um in der zweiten Bundesliga gleich bestehen können. Und da, sagt Dohrmann, sei ihm angesichts des Trainerteams und der nachrückenden Spieler für die nächsten zwei, drei Jahre überhaupt nicht bange.

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