American Football Der Beste bei den Schlechten

Odell Beckham Jr. muss von den New York Giants zu den Cleveland Browns wechseln.

(Foto: Seth Wenig/AP)

Odell Beckham Jr., einer der gefährlichsten Wide Receiver der NFL, wechselt zu den Cleveland Browns. Die Fans seines Ex-Klubs New York Giants fragen sich, was das soll - und er versteht es auch nicht.

Von Fabian Dilger, New York

Odell Beckham Jr. hatte sich seinen Platz in den Archiven der amerikanischen Football-Liga schon nach zwölf Spielen gesichert. Am 23. November 2014 stand Beckham für seine New York Giants gegen die Dallas Cowboys auf dem Platz, damals ein absoluter Neuling, erst seit ein paar Monaten in der Liga. Nach 15 Minuten Spielzeit lief der Wide Receiver in Richtung Endzone, der gegnerische Verteidiger zog und zerrte an ihm, Beckham musste sich nach hinten strecken wie ein Gummimensch, mit nur einer Hand, mit den Fingerspitzen, erwischte er ein Stück des heranfliegenden Footballs - und gegen jede Logik blieb der Ball an seiner Hand kleben. Touchdown. Die NFL hat diesen Fang später dann in einem weltweiten Werbespot verwendet, untertitelt als "the greatest catch ever". Ein Spielzug für die Ewigkeit.

Er war der Urknall am Anfang einer Karriere. Seitdem hat sich Beckham zu einem der gefährlichsten Wide Receiver der NFL entwickelt, zum Gesicht der New York Giants. Im Sommer 2018 unterschrieb er einen extrem teuren Fünf-Jahres-Vertrag - zwar keine ewige, aber doch langfristige Verbindung. Das dachten zumindest viele. Aber schon nach einem Jahr muss Beckham nach Ohio umziehen, in die ehemalige Industriestadt Cleveland. Am Mittwoch haben die Giants ihren prägenden Spieler zu den Browns getauscht, einem Team, das in den vergangenen 15 Jahren eine einzige Konstante hatte: nämlich miese Leistung. Die Browns-Fans freuten sich deshalb über den hochkarätigen Zugang. Während sich die Anhänger der Giants fragten, was das Ganze soll.

Ihre Mannschaft befindet sich gerade in einem Umbruch. Das aktuelle Team war trotz Beckham eher mittelmäßig. In den letzten Jahren schafften es die Giants nur einmal in die Playoffs. Für Beckham bezahlten die Browns zwei Draftpicks in der ersten und dritten Runde und den Defensiv-Spieler Jabrill Peppers. Nach allgemeiner Meinung haben die Giants bei diesem Deal allerdings deutlich zu wenige Bausteine für die Zukunft mitgenommen. Es heißt, sie hätten Beckham unter Wert hergegeben. Die Giants kommentierten den Wechsel mit in einer kargen Pressemitteilung, Beckham sagte dem NFL Network: "Im Moment habe ich keine Idee, was ich davon halten soll. Es ist, was es ist, das Leben."

Beckham fiel oft neben dem Platz auf - negativ

Dass die Giants sich von Beckham trennen wollen, wurde schon öfter gemunkelt, aber genauso oft von den Giants dementiert. Das Verhalten des extrovertierten Beckham sorgte immer mal wieder für Knatsch in New York. 2017, einige Tage vor dem bisher einzigen Playoff-Spiel seiner Karriere, starteten Beckham und Teamkollegen zum Beispiel auf eine lustige Bootsfahrt in Miami. Andere Personen hatten anscheinend Substanzen dabei, die das Ganze noch lustiger machen sollten, aber verboten sind. 2018 tauchte ein Video von Beckham auf, das ihn mit einem Blunt zeigt, normalerweise raucht man damit lustige, aber verbotene Substanzen. Vergangenen Herbst beklagte er in einem TV-Interview die Qualität seines Teams. Eventuell hatten die Giants-Manager nicht mehr den Glauben, dass Beckham in den nächsten mageren Jahren selbstlos mitzieht.

Die Cleveland Browns haben mit dem Erwerb von Beckham jedenfalls genau das abgeschlossen, was in New York gerade erst ansteht: den Rebuild, den Prozess, wenn eine schlechte Mannschaft komplett umgekrempelt und neu aufgebaut wird. Im Gegensatz zu den Giants hatten die Browns aber eine sehr klare Vorstellung und haben in den letzten Jahren vieles davon umgesetzt. Die Browns haben ein Überangebot an jungen, talentierten Spielern. Und vor allem haben sie ihren Quarterback für die Zukunft gefunden: Baker Mayfield, vor der vergangenen Saison gedraftet, hat gezeigt, dass er die Offensive der Browns führen kann. Mit dem Beckham-Trade bekommt Mayfield jetzt eine gefährliche Waffe und ein verlässliches Ziel mehr. Das Ziel für die Browns heißt in der nächsten Saison auf jeden Fall Playoffs.

Der Beckham-Trade bestätigt einen NFL-Trend der vergangenen Jahre. Wenn Teams einen jungen Quarterback gedraftet haben, der überzeugt, dann investieren sie sofort teuer in die anderen Mannschaftsteile. Das Geld dazu haben sie, weil die jungen Spielmacher noch unter ihren ersten, billigen Verträgen spielen. Jared Goff und seine L.A. Rams hat diese Taktik in der letzten Saison in den SuperBowl geführt - ein Odell Beckham Jr. im nächsten Superbowl, das hätte Flair.