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America's Cup:Das Genie bekämpft sein Trauma

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Das Segel-Duell könnte weitergehen: Dean Barker kommandiert nun den japanischen Katamaran, muss sich aber erst für den eigentlichen Cup-Wettbewerb qualifizieren (Archivbild von 2013)

(Foto: Justin Sullivan/AFP)
  • Der Neuseeländer Dean Barker verlor vor vier Jahren auf dramatische Art und Weise beim America's Cup gegen Team USA.
  • Das Team Neuseeland hat ihn danach vor die Tür gesetzt. Obwohl er außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt.
  • Nun will er mit Team Japan Revanche nehmen - gegen seinen alten Rivalen.

Die Geschichte des Verlierers ist meistens faszinierender als die des Siegers. Der Gewinner macht, was Gewinner so machen: Er reißt die Arme nach oben, die Kleider vom Leib und posiert wie vorher geübt. Das Bild des Verlierers bleibt eher im Gedächtnis, vielleicht ein Leben lang, weil es nicht einstudiert wirkt, sondern spontan und echt: Bastian Schweinsteiger nach dem verschossenen Elfmeter im Champions-League-Finale 2012. Der Boxer Thomas Hearns nach seiner Niederlage gegen Marvin Hagler. Der Segler Dean Barker auf seinem Boot in der Bucht von San Francisco.

"Wer sich jahrelang auf eine Veranstaltung vorbereitet und alles in diese eine Aufgabe investiert, denkt nicht daran, was er bei einer Niederlage fühlen könnte", sagt Barker, vier Jahre nach seiner Niederlage beim 34. America's Cup. Er führte als Skipper der neuseeländischen Mannschaft bereits 8:1 und musste nur noch eine Regatta gewinnen, doch auf der vermeintlichen Siegesfahrt wurde er wegen eines nur aufgrund von TV-Verträgen eingeführten Zeitlimits gestoppt. Danach schafften die vom Software-Milliardär Larry Ellison subventionierten Amerikaner eines der unglaublichsten Comebacks der Sportgeschichte, sie siegten 9:8. Barker war der Verlierer: "Es hinterlässt ein schwarzes Loch und wird mich verfolgen, solange ich lebe."

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So war's vor vier Jahren: Im Kampf um den America's Cup hängt das amerikanische Boot (links) das von Dean Barker gesteuerte Team Neuseeland in der Bucht von San Francisco ab.

(Foto: Don Emmert/AFP)

Barker, 44, wird von diesem Freitag an erneut versuchen, den America's Cup zu holen. Er tritt in Bermuda als Skipper der neu gegründeten japanischen Crew gegen Teams aus Großbritannien, Schweden, Frankreich und Neuseeland an, um sich für eine Revanche gegen die Amerikaner und seinen Erzrivalen Jimmy Spithill zu qualifizieren. Der sagt über dieses wahnwitzige Rennen von 2013: "Wir wollten uns gegenseitig die Kehle aufschlitzen. Genau deshalb respektieren wir uns jetzt so sehr und mögen uns mittlerweile sogar ein bisschen." Die Geschichte des Verlierers Barker wird erst jetzt so richtig faszinierend.

Es ist wichtig zu wissen, dass Barker ein Genie ist. Wissenschaftler haben ihm mal nacheinander sechs Bilder für je eine Hundertstelsekunde gezeigt. Gewöhnliche Menschen können sich danach an zwei erinnern, Weltklasse-Sportler an vier oder fünf. Barker hingegen schaffte alle sechs, danach sieben, acht, neun, zehn. Solch eine Begabung hilft bei der Bedienung der High-Tech-Boote der AC50-Einheitsklasse, die in diesem Jahr eingesetzt werden. Es sind Katamarane mit Kufen und raffinierten Segelkonstruktionen, die in diesem Naturtheater in Bermuda eine Geschwindigkeit von knapp 100 Kilometern in der Stunde erreichen und noch schnellere Entscheidungen und waghalsigere Manöver erfordern als in der launigen Bucht in Nordkalifornien.

Jimmy Spithill, Segler aus den USA, über den Rauswurf seines Rivalen Dean Barker in Neuseeland

"So kann man nicht mit einem umgehen, der sich stets loyal verhalten und alles für sein Land gegeben hat"

Von Barker heißt es jedoch auch, dass er in wichtigen Rennen die Nerven verliert. Bei Neuseelands Triumph im Jahr 2000 durfte er das letzte Rennen als Skipper bestreiten - da stand es jedoch bereits 4:0. Er verlor 2003 und 2007 jeweils gegen das Schweizer Team Alinghi, vor vier Jahren unterlag er dann Spithill. Nach dem ersten America's Cup am 22. August 1851 um die Isle of Wright fragte Queen Victoria von England, wer denn Zweiter geworden sei. Die Antwort war: "Ähem, Majestät, es gibt keinen Zweiten." Nur der Sieger zählt bei dieser Regatta, es gibt keine Silbermedaille. Wer nicht gewinnt, der hat verloren.