Amateurfußball:Urlaubsreif

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Amateurfußball: Ausgehebelt: Paul Grauschopf symbolisiert die Schieflage, in die der SV Donaustauf im Relegationsspiel gegen Greuther Fürth II und seinen Torschützen Afimico Pululu geriet.

Ausgehebelt: Paul Grauschopf symbolisiert die Schieflage, in die der SV Donaustauf im Relegationsspiel gegen Greuther Fürth II und seinen Torschützen Afimico Pululu geriet.

(Foto: Wolfgang Zink/Imago)

Bayernligist SV Donaustauf geht im Regionalliga-Relegationsspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth II regelrecht unter - nach Hin- und Rückspiel heißt es 0:10. Der Geschäftsführer und Geldgeber ist bedient, will aber trotz des Desasters einen neuen Angriff wagen.

Von Christoph Leischwitz

Matthias Klemens macht gar keinen Hehl daraus, dass er sauer war auf die Spieler, die an diesem Desaster beteiligt waren. Aber auch auf einen, der nicht da war, namentlich den Angreifer Belmin Idrizovic. "Der hatte seinen Urlaub gebucht, weil er gedacht hat, dass wir die Relegation nicht mehr erreichen", erzählt der Geschäftsführer des Bayernligisten SV Donaustauf. Klemens ist zugleich auch der wichtigste Finanzier der ambitionierten Mannschaft. Eine Absenz aus solch einem profanen Grund, in zwei Spielen, auf die man jahrelang hingearbeitet und -gefiebert hat, das dürfte dem 50-Jährigen schon arg aufgestoßen sein.

Das Desaster in Zahlen: 0:6 im Hinspiel, und dann auch noch ein 0:4 im Rückspiel, addiert also 0:10 - das ließ bayernweit aufhorchen. Und befürchten, dass der bisweilen recht impulsive Klemens gleich auch eine zweistellige Zahl an Spielern rauswirft. Es ist höchst ungewöhnlich, dass auf so hohem Amateurniveau in entscheidenden Partien so deutliche Ergebnisse zustande kommen. Übrigens setzte sich im anderen Duell der Bayernligist SpVgg Ansbach gegen den Regionalligisten SC Eltersdorf durch.

Klemens geht davon aus, dass Donaustauf kommende Saison in der Bayernliga Nord antritt, wegen der geografischen Aufteilung

Klemens hat schon vieles probiert, um mit dem SV so hoch wie möglich hinauszukommen. 2016 holte er keinen Geringeren als Klaus Augenthaler als Trainer für das damalige Landesliga-Team. Als dieses Unterfangen floppte, gleich noch Karsten Wettberg hinterher. Nach dem Aufstieg in die Bayernliga (weit nach Wettberg) holte der SV viele erfahrene Regionalliga-Kicker in die Oberpfalz, dazu Ex-Profis wie Lucas Hufnagel und Paul Grauschopf. Gegen Ende der aktuellen Saison fand das zusammengekaufte Team dann auch zusammen und katapultierte sich mit sechs Siegen in Serie noch auf den zweiten Platz, und damit in die Relegation. Um dann im Hinspiel auf eigenem Platz von Greuther Fürth II vorgeführt zu werden, trotz Berichten, dass tatsächlich Aufbruchsstimmung herrschte.

Angesichts der Fallhöhe hört sich Klemens wenige Tage später überraschend aufgeräumt an. "Logisch", sagt er auf die Frage, ob er wieder angreifen will, also: weiter bezahlen. Der Gegner sei nun mal sehr stark gewesen. Und man habe ja schon vor den Aufstiegsspielen gewusst, wo die Schwächen liegen: im Angriff. Da habe man für kommende Saison bereits Abhilfe geschaffen (in Form von Lukas Dotzler von der DJK Ammerthal). Überraschend ist seine Einschätzung aber schon, denn Donaustauf hat mit Abstand die meisten Tore erzielt (80), an der Zahl der Gegentore gemessen (56) würde das Team hingegen auf Rang 15 stehen. Viele Gegentore fing man sich übrigens, wie auch in der Relegation, gegen Zweitvertretungen, jene aus Regensburg und Ingolstadt. Ein Indiz, dass man mit spielerisch starken Mannschaften nicht so gut klarkommt - und der Gang in die Regionalliga womöglich zu früh gekommen wäre.

Die Chancen dafür dürften trotzdem steigen. Klemens geht davon aus, dass Donaustauf kommende Saison nicht nur einen besseren Kader zur Verfügung haben wird, sondern obendrein in der Bayernliga Nord antritt, aus Gründen der geografischen Aufteilung. Viele meinen, die Nordstaffel sei ein wenig schlechter besetzt. "Sie bringt auch mehr Zuschauer", glaubt Klemens. Vor allem findet sich dort keine einzige U23-Mannschaft.

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