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Amateurfußball:"Nicht sauber abgerechnet"

Gasthaus

Immer häufiger hört man von Schlägereien und gebrochenen Knochen im bayerischen Amateurfußball. Verband und Trainer fordern ein hartes Durchgreifen.

(Foto: Lukas Barth)

Mindestens 150 Millionen Euro: Vor der Verlängerung des Grundlagenvertrags mit der DFL kritisiert Engelbert Kupka die Spitze des DFB und fordert mehr Geld für den Amateurfußball.

Engelbert Kupka hat eine ereignisreiche Karriere hinter sich. Der 77-jährige Rechtsanwalt war Landtagsmitglied (CSU) und Bürgermeister der Gemeinde Unterhaching, zudem 39 Jahre Präsident der dort ansässigen SpVgg. Für die finanziellen Rechte des kleinen Vorstadt-Klubs hat er sich schon zu Profizeiten immer wieder eingesetzt. Das alles liegt eigentlich hinter ihm. Doch nun hat sich Kupka wieder ins Gespräch gebracht, für einen Politiker ungewöhnlich laut und polternd.

Im Zusammenhang mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) benutzt er Begriffe "Turbo-Kapitalismus" oder "Vertuschung und Verschleierung". Sein Anliegen: Er findet, dass dem Amateurfußball mehr Geld zusteht. Sehr viel mehr.

"Herr Grindel hat sich von Herrn Rauball über den Tisch ziehen lassen", sagt Kupka

Laut des Grundlagenvertrags mit der DFL, dessen Verlängerung beim DFB-Bundestag an diesem Freitag in Erfurt abgesegnet werden soll, stehen den Amateurvereinen drei Prozent der Einnahmen aus Ticketverkauf und Verwertung der TV- und Radiorechte zu. Bis 2021 wird es sich dabei um jährlich 1,16 Milliarden Euro handeln. Die Regionalverbände würden für den Amateurfußball zweckgebunden jährlich 34,8 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Schon da beginnt Kupka zu poltern. Erstens glaubt er, dass "nicht sauber abgerechnet" wurde. Er gehe davon aus, dass die weltweiten, relevanten Einnahmen rund 1,5 Milliarden Euro betragen. Doch er geht noch weiter: Er fordert mindestens zehn Prozent, also 150 Millionen Euro - 40 Millionen für zweite und dritte Liga, 110 Millionen für die Amateure. Und mit Blick auf die lange Laufzeit des neuen Grundlagenvertrages bis 2023 - in dessen Verlauf die Einnahmen weiter steigen können - sagt Kupka: "Herr Grindel hat sich von Herrn Rauball über den Tisch ziehen lassen." Der DFB und sein Präsident seien "zu schwach", um gegen die DFL und deren Präsidenten ihre Interessen durchzusetzen.

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Dem früheren Kapitän der Nationalelf wird eine seltene Ehre zuteil. Chef der neuen DFB-Ethikkommission soll überraschend Ex-Außenminister Klaus Kinkel werden.

Rainer Kochs Antworten fallen nicht so laut aus. Der DFB-Vize und Chef des bayerischen Landesverbandes sagte vor wenigen Tagen gegenüber dem WDR-Fernsehen: "Herr Kupka hat nicht Recht, wenn er glaubt, dass wir hier etwas mit Gewalt durchsetzen könnten."

Doch was würde passieren, würde sich Kupka mit den Forderungen durchsetzen? Wie verteilt man einen dreistelligen Millionenbetrag auf etwa 26 000 Vereine? Das Prinzip Gießkanne würde wenig Sinn ergeben. Demnach bekäme jeder einen jährlichen Zuschuss von 4200 Euro - Geld, das selbst in unteren Spielklassen schnell versickern würde. Außerdem darf es nicht dafür genutzt werden, den Kader einer ersten Mannschaft zu finanzieren.