Fußball-Bayernliga:Ein Experte für Aufstiege

Fußball-Bayernliga: Chef im Mittelfeld: Yasin Yilmaz (re.), hier noch im Trikot von Türkgücü München in der Regionalliga am Ball.

Chef im Mittelfeld: Yasin Yilmaz (re.), hier noch im Trikot von Türkgücü München in der Regionalliga am Ball.

(Foto: Sven Leifer/foto2press/Imago)

Yasin Yilmaz, der mit Türkgücü München von der Landesliga bis in die dritte Liga geklettert ist, heuert beim FC Ismaning an. Zu den aktuellen Vorgängen bei seinem früheren Klub hat er eine klare Meinung.

Von Stefan Galler, München

So richtig viele Fans waren es schon damals nicht. Aber jene Sympathisanten von Türkgücü München, die in der Regionalligasaison, die 2019 begann und wegen der Pandemie sogar 2021 nicht fertig gespielt werden konnte, in den Sportpark Heimstetten kamen, hatten einen absoluten Favoriten: Yasin Yilmaz wurde an der gemieteten Heimspielstätte sogar dann und wann mit Sprechchören gefeiert; wer in der laufenden Drittligasaison mal ein Heimspiel im Stadion erleben durfte, weiß, dass eine solch emotionale Wertschätzung bei diesem Klub keineswegs die Regel ist.

Dennoch musste Yilmaz nach seinem dritten Aufstieg in Serie im Sommer 2020 gehen. Er passe nicht mehr ins Konzept, erklärten der damalige Trainer Alexander Schmidt und Kaderplaner Roman Plesche dem zweikampfstarken Mittelfeldspieler, nachdem feststand, dass der Klub am grünen Tisch den Sprung in Liga drei schaffen würde. Man habe ihm Videos vom Pressingfußball von RB Leipzig gezeigt und ihn dann fortgeschickt, so Yilmaz. "Das war schade, aber so ist es eben im Fußball", sagt der 32-Jährige heute mit etwas Abstand.

Für Yilmaz ging es danach zum Bayernligisten Türkspor Augsburg, dort zog er sich zu Beginn der aktuellen Saison im August 2021 einen Innenbandriss im Knie zu. Seither war er nur noch Assistent von Trainer Matthias Strohmaier, bis jener im Oktober wiederum vom früheren Türkgücü-Interimscoach Serdar Dayat ersetzt wurde und im Anschluss nach Hallbergmoos weiterzog. Nun ist auch die Zeit von Yilmaz in Augsburg abgelaufen, er schließt sich mit sofortiger Wirkung dem Ligakonkurrenten FC Ismaning an, wo der frühere Schalke-Profi Mijo Stijepic als Coach das Sagen hat. Derzeit liegt der Klub aus dem nordöstlichen Landkreis München im Mittelfeld der Rangliste, doch Yilmaz hat Großes vor: "Ich war in den letzten Jahren mit all meinen Klubs immer im oberen Tabellendrittel und will meinen Beitrag leisten, dass das auch mit Ismaning gelingt." Als Routinier, der einst bei der SpVgg Unterhaching ausgebildet wurde, es dort bis zum Drittligaspieler brachte und später mit dem FC Unterföhring den wundersamen Aufstieg in die Regionalliga bewerkstelligte, soll er die Jungen im Team anleiten.

In Ismaning haben sie sich einen klassischen Leitwolf gesichert, der sich auf dem besten Weg wähnt, wieder in absolute Topform zu kommen: "Ich werde am 19. Februar 33 Jahre alt, da spielen wir gegen Kirchanschöring. Ob ich bis dahin bei hundert Prozent bin, weiß ich nicht, aber ich werde alles dafür tun."

"Die ganzen Hater fühlen sich jetzt wieder bestätigt", sagt Yilmaz in Bezug auf die Insolvenz von Türkgücü München

Topfit sei er auch gewesen, als ihm Türkgücü vor knapp anderthalb Jahren die Tür gewiesen habe. "Ich war unter den Top drei, was die Laktatwerte anging." Dass man ihn trotz der drei Aufstiege, bei denen er jeweils eine tragende Rolle gespielt hatte, nicht weiterbeschäftigen wollte, trägt Yilmaz heute niemandem mehr nach. "Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass der Kurs, den der Klub eingeschlagen hat, erfolgreich gewesen wäre. Alleine schon, weil sich jetzt die ganzen Hater wieder bestätigt fühlen", sagt er und räumt ein, dass der Kontakt zum Klub seit seinem Ausscheiden praktisch abgebrochen ist. In Ünal Tosun ist ohnehin nur noch einer im Klub, der schon zu Bayernligazeiten für die Münchner gespielt hatte. Die fehlende Identifikation sei womöglich ein Faktor dafür gewesen, dass das Projekt Türkgücü letztlich scheiterte, glaubt Yasin Yilmaz. "Vielleicht wären nicht tausend Leute extra wegen Alpay Kayabunar, Andreas Pummer und mir gekommen, aber es wäre leichter gewesen, Fans an den Klub zu binden, wenn die Fluktuation nicht so groß gewesen wäre."

Er habe andererseits auch Verständnis für Geldgeber Hasan Kivran, dass der den schnellstmöglichen Aufstieg verfolgte, und bleibe trotz der schlimmen Entwicklung und des Insolvenzantrags ein Fan des Klubs, der an diesem Dienstag (19 Uhr) zum Kellerduell beim Halleschen FC antritt: "Ich war mit meinem Papa schon in den Neunzigerjahren im Dantestadion bei Türkgücü-Spielen mit 10 000 Zuschauern und schaue mir auch diese Saison jedes Match zumindest im Fernsehen an, wenn ich nicht selbst gerade spiele." Ende November war er auch mal wieder im Stadion, gegen Zwickau an einem kalten Montagabend. "Von mir wird es kein Nachtreten geben." Es könne ja auch sein, dass man sich nochmal über den Weg läuft. Vielleicht dann, wenn an der Heinrich-Wieland-Straße kein Leipzig-Fußball mehr gefragt ist.

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