Algerien bei der Fußball-WM Selbst der Stoiker heult

Umstrittene Leitfigur: Vahid Halilhodžić.

(Foto: REUTERS)

Tapfer gekämpft und doch ausgeschieden: Die Leistung der algerischen Nationalmannschaft im WM-Achtelfinale findet in der Heimat große Anerkennung. Nur ein Thema trübt die Stimmung: Nimmt Trainer Halilhodžić Abschied?

Von Dominik Fürst

Als das Drama beendet war, als die Pfeife von Schiedsrichter Sandro Ricci nach 120 Minuten ein letztes Mal ertönte, ließen sich ein paar Algerier erschöpft auf den Rasen plumpsen. Die anderen klatschten ihre Mitspieler ab oder beglückwünschten die deutschen Gegner zum 2:1-Erfolg nach Verlängerung und dem Einzug ins Viertelfinale der Fußball-WM.

Nur einer stand da wie gelähmt am Spielfeldrand: Es war der algerische Trainer Vahid Halilhodžić, der dort ausharrte. Die Arme verschränkt, den Kopf gesenkt. Als einer seiner Spieler auf ihn zukam, um ihm die Hand zu schütteln, sah es kurz aus, als würde er aus einem Traum erwachen.

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Hinten wackelig, vorne trifft immerhin André Schürrle: Die deutsche Nationalmannschaft tappt im WM-Achtelfinale beinahe in die Falle und benötigt die Verlängerung für den 2:1-Sieg gegen Algerien. Die Partie hinterlässt Spuren - und einen schlecht gelaunten Per Mertesacker.   Von Thomas Hummel

Schließlich setzte auch er sich in Bewegung, machte sich auf zu seinen Spielern, die dem Favoriten aus Deutschland Gegenwehr geboten hatten bis zum endgültigen K. o. durch Özils 2:0 in der 120. Minute. Und dann umarmte er seine ausgepumpten Sportsmänner. Einen nach dem anderen, erst da wurde klar: Vahid Halilhodžić, der vielleicht größte Stoiker seit dem beinahe sprachlosen Walerij Lobanowski aus der Ukraine, er weinte.

Es waren nicht die ersten Tränen dieser WM und es werden nicht die letzten bleiben, doch wieder einmal hat der Fußball seine ganze Dramatik aufgeboten, um sogar diesen coolen Bosnier aus der Fassung zu bringen. Dass sein Team, die große Überraschungsmannschaft im WM-Achtelfinale, nun aus Brasilien abreisen muss, schmerzte ihn sehr.

2:1 gewannen die Deutschen, und es fällt schwer, von einem verdienten Sieg zu sprechen. Nach all den Schwierigkeiten, die die Algerier ihrem Gegner bereitet hatten, bleibt die Erkenntnis: Die Nordafrikaner waren verdammt nah dran an der Sensation. In der 16. Minute hatte Stürmer Islam Slimani nach einem der zahlreichen schneidigen Konter mit einem Kopfball gar Manuel Neuer überwunden - doch der Linienrichter wedelte Abseits. Immer wieder bedrängten die Außenseiter das deutsche Team im Mittelfeld, gleich mehrere gefährliche Angriffe waren die Folge.