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Alexander Zverev:Wer feiert, fliegt

Sport Bilder des Tages  18.06.2020., Zadar, Croatia - Kids Day of the tennis mega-spectacle Adria Tour held on Zadar For

In der Kritik: Alexander Zverev (links) feierte auch auf Novak Djokovics Adria Tour - und danach in Monte-Carlo gleich wieder.

(Foto: Dino Stanin/Pixsell/Imago)

Edwin Weindorfer veranstaltet ein Tennis-Schauturnier in Berlin, auch Alexander Zverev hat vertraglich zugesagt. Ob er nach seinen jüngsten Fehltritten kommt, ist offen.

Von Gerald Kleffmann

Edwin Weindorfer ist ein erfahrener Veranstalter im Profitennis, seit Ewigkeiten Manager von Tommy Haas, er leitet Stuttgarts Rasenturnier der Männertour und schaffte es, Roger Federer zu verpflichten. Aber das, was er jetzt machen muss, hat er noch nie erlebt: Weindorfer muss versichern, was es demnächst in Berlin auf seiner Veranstaltung nicht geben wird: "Es wird keine Players Party geben, keine Kid's Clinic, kein Rahmenprogramm, alles gestrichen", betont er.

Ursprünglich wollte er im Juni die Premiere des Rasenturniers der Frauentour beim LTTC Rot-Weiß Berlin durchführen, zwei Wochen vor Wimbledon. Angelique Kerber wollte auch kommen. Aber dann kam Corona. Und alles fiel aus. So schuf der Unternehmer als Ersatz eine Schaukampfserie, die vom 13. bis 15. bei Rot-Weiß sowie vom 17. bis 19. Juli in einem Tempelhof-Hangar stattfindet. Eigentlich wollte er nur mit den zwölf Topprofis werben, je sechs für das Frauen- und Männerfeld. Und damit, dass sein Event das erste in Deutschland seit Monaten sein wird, bei dem Zuschauer erlaubt sind, wenn auch stark begrenzt. Nun wirbt er gezwungenermaßen mit einer völlig neuen Botschaft: "Bei uns herrscht Zero Tolerance. Wenn sich ein Spieler hier daneben benimmt und glaubt, er kann in dieser Woche Party machen, wird dieser Spieler von uns eliminiert." Das ist Österreichisch für: Er fliegt.

Nun ist Weindorfer sicher keiner, mit dem man zuallererst Mitleid haben müsste in dem Geschäft. Er hat noch immer gewusst, sich Ertrag zu erwirtschaften, er ist clever und sieht sich in erster Linie als Unternehmer, betont er selbst. Entsprechend packt er an. Alle offiziellen Turniere fallen flach, wegen Corona? "Das ist höhere Gewalt", so sieht er das. So wurde die Idee geboren, eine Eventserie zu starten. "Bett1 Aces" heißt sie, der Titelsponsor des Frauenturniers zog begeistert mit. Alles nahm schön seinen Gang: Berlins Senat genehmigte das 59-seitige Hygienekonzept, das alles regelt, wie und wo sich wer aufhalten darf, Spieler, Mitarbeiter, Journalisten, Zuschauer. Tennis Channel, Eurosport, Servus TV, ARD/ZDF in Ausschnitten, das Fernsehen ist dabei. Man kann auch endlich das Steffi-Graf-Stadion am Hundekehlesee, nun mit Rasen als Belag, einweihen. Julia Görges und Andrea Petkovic sagten zu, Alexander Zverev und Nick Kyrgios ebenfalls. Doch seit den jüngsten Ereignissen ist klar: Weindorfer muss nicht nur auf das Virus achten. Er muss auch wie ein Wachhund aufpassen, dass mancher Spieler nicht steil geht und alle anderen, die das Virus ernst nehmen, wieder fassungslos sind. Alexander Zverev etwa wäre so ein Party-Kandidat - wenn er noch kommt.

"Sascha hat nicht nur einen Fehler gemacht, sondern zwei!", sagt Weindorfer

Die Vorgeschichte ist ja wirklich so, wie sie selbst Weindorfer nicht kommen sah. Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic lud Topprofis zu seiner Adria Tour ein. Es wurde wild gefeiert, zig positive Corona-Fälle waren die Folge (Djokovic und Gattin seien seit Donnerstag wieder negativ). Auch Teilnehmer Zverev (negativ) zeigte Reue, per professioneller Erklärung. Und ward sechs Tage später tanzend auf einer Party an der Côte d'Azur gesehen. "Djokovic hat auf der Adria Tour alles falsch gemacht, was man falsch machen kann", sagt Weindorfer noch ruhig. Aber als er über Zverev, 23, spricht, ist seine Verärgerung selbst durchs Telefon zu spüren. "Sascha hat nicht nur einen Fehler gemacht, sondern zwei!" Und Weindorfer ist indirekt der erste, der das als Geschäftspartner ausbaden muss. Noch weiß er ja nicht, ob die größte Werbe-Person seines Feldes anreist. Er ist zwar mit dessen Management im Austausch. Aber mit Zverev hat er nicht gesprochen - der sei abgetaucht. Was dazu führt, dass Weindorfer nicht weiß, ob er ihn noch will. Das alles läuft wohl auch auf ein Machtspiel hinaus. Dabei geht es um ein Show-Event ohne Weltranglistenpunkte.

"Ich habe mit allen Spielern einen Vertrag", betont Weindorfer, "und ich bin ein Mensch, der Verträge einhält." Für ihn gebe es zwei Wege: "Ich sage: Sascha, ich fasse dein Verhalten als Vertragsbruch auf. Dazu habe ich mich noch nicht entschieden. Die zweite Möglichkeit ist, dass ich sage: Sascha, du bekommst von uns eine Chance, aber hier sind ganz klare Verhaltensregeln." Quasi kostenfrei bietet ihm Weindorfer, der Zverev ja gar nicht als eigenen Spieler unter Vertrag hat (Zverev ist bei Federers Agentur Team8), einen Ausweg an. "Ich würde mich freuen, wenn er das Thema ernst nehmen würde und wenn er sich entschuldigen würde für die Situation, dass er die selbst auferlegte Isolation nicht eingehalten hat." Seine Schlussfolgerung: "Wenn er dazu bereit ist, könnte das auch eine Chance sein, dass er in Berlin die eine oder andere Klarstellung macht. Und zurückkehrt mit sportlichen Leistungen."

Betteln, das steht fest, wird Weindorfer nicht um Zverev: "Es ist nicht so, dass, wenn Sascha nicht spielt, das Turnier vor die Hunde geht." Im Gegenteil, "das Projekt steht". Die Ruhe, die Österreicher gerne ausmacht, hat er längst wieder. "Es sind noch zehn Tage", sagt er, "in zehn Tagen kann viel passieren." Gerade in dieser nervösen Tenniswelt.

© SZ vom 03.07.2020/tbr

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