Alexander Zverev gewinnt in Rom:Machtvakuum erfolgreich genutzt

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"Nach meiner Verletzung war ich mir nicht mehr sicher, ob das alles noch kommen wird": Alexander Zverev nach seinem Sieg gegen den Chilenen Nicolas Jarry in Rom. (Foto: Tiziana Fabi/AFP)

Nach 2017gewinnt Alexander Zverev in Rom seinen zweiten Titel und berichtet von der Rückkehr seines Selbstbewusstseins - das der Olympiasieger nun mit nach Paris zu den French Open nehmen will.

Von Felix Haselsteiner

Was aus Rom blieb, war mehr als ein Pokal - den hatte Alexander Zverev bereits. Seit 2017 steht der silberne Kelch, den der Sieger des Masters-Turniers im Foro Italico am Stadtrand von Rom erhält, bei dem 27-Jährigen zuhause. Er ist eine Erinnerung an die erste Hochphase seiner Karriere. Auf Bildern von damals sieht man einen jungen, selbstbewussten Kerl mit noch etwas dünneren Armen und einer wallenden Mähne, der beim ersten Aufeinandertreffen Novak Djokovic einen Titel raubte. In zwei Sätzen gewann Zverev damals, gehörte zum ersten Mal zu den besten zehn Spielern der Weltrangliste, in der italienischen Presse schrieb man damals vom Beginn von etwas Großem: "É arrivato Alexander Zverev" - Alexander Zverev war angekommen.

"Das Selbstvertrauen, zu wissen, dass das schon alles noch passieren wird", das hatte er damals, sagte Zverev am Sonntagabend im Rückblick nach seinem zweiten Titelgewinn in Rom. Die Siege, die Titel würden kommen, dessen waren sich alle gewiss - und die Prophezeiung erfüllte sich auch in weiten Teilen. Siege kamen, Titel kamen, der ganz große bei einem Grand Slam fehlte zwar, aber früher oder später wäre auch der fällig, darüber herrschte im Fachpublikum Einigkeit.

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Im Verlauf der vergangenen zwei Jahre allerdings wusste Zverev es selbst nicht mehr so genau. "Nach meiner Verletzung war ich mir nicht mehr sicher, ob das alles noch kommen wird", sagte er bei der Pressekonferenz, während er etwas gedankenverloren über den Pokal neben ihm streichelte. Die seitlichen Bänder im Knöchel rissen im Halbfinale von Roland Garros 2022, "ich wusste danach nie, ob ich noch mal zu Siegen komme".

Zverev holt aus der Ausgangsposition in Rom gekonnt das Maximum heraus

Der zweite Pokal von Rom ist daher auch vielmehr eine Bestätigung, dass Zverev wieder angekommen ist - was seiner Meinung nach die größere Herausforderung war. Ein Randaspekt ist da auch nur, dass er in den vergangenen zwei Wochen eine Art Machtvakuum ausnutze, das kurzfristig entstanden war: Jannik Sinner und Carlos Alcaraz mussten verletzungsbedingt absagen, Novak Djokovic verlor in der zweiten Runde überraschend. Und Rafael Nadal wirkte wie ein Spieler, der seine Energie konservieren muss, für ein letztes Aufbäumen in Paris ab der kommenden Woche, wo Zverev daher mit einer anderen Ausgangslage rechnet: "Sie werden sehen, Novak wird auf seinem besten Level sein, Rafa wird auch deutlich besser spielen", prognostizierte er.

In Rom holte er aus der Ausgangsposition jedenfalls gekonnt das Maximum heraus, schlug im Viertelfinale den US-Amerikaner Taylor Fritz und dann zwei Chilenen: erst den Djokovic-Bezwinger Alejandro Tabilo im Halbfinale, dann Nicolas Jarry im Finale. Beim 6:4, 7:5 zeigte Zverev seine wohl beste Turnierleistung, gewann beeindruckende 36 von 38 Punkten mit seinem ersten Aufschlag und war in den entscheidenden Momenten in beiden Sätzen der bessere, reifere Spieler. Er habe einen "wirklich guten Rhythmus" gefunden in Rom, sagte er später - den gelte es nun mitzunehmen.

Durch den Erfolg klettert Zverev in der ATP-Weltrangliste von Rang fünf auf Rang vier, er überholt damit den Russen Daniil Medwedew. Bei den am Sonntag beginnenden French Open auf rotem Sand in Paris kann er somit erst im Halbfinale auf einen der drei top gesetzten Spieler Novak Djokovic (Serbien), Jannik Sinner (Italien) oder Carlos Alcaraz (Spanien) treffen.

Ob er eine offene Rechnung habe mit den French Open, nach den Ereignissen von 2022, wurde Zverev gefragt - und verneinte insofern, als er dem Turnier in Paris ohnehin schon immer eine herausragende Beachtung geschenkt hatte. "Das ist das Turnier, das ich gewinnen möchte, auf das ich mich am meisten freue", sagte er. An den roten Sand von Paris habe er die intensivsten Erinnerungen, gute wie schlechte, aber er sprach mit einer innigen Zuneigung über das Geläuf, auf dem er beinahe seine Karriere verloren hätte - und das ihn zugleich in eine neue Phase seiner Laufbahn brachte.

"Wenn ich schlecht spiele, kann ich gegen jeden verlieren", sagte Zverev noch demütig im Hinblick auf das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres, bevor wieder eine Spur von dem wilden Selbstbewusstsein des jungen Kerls aus dem Jahr 2017 durchkam: "Aber wenn ich gut spiele, kann ich dafür jeden schlagen."

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