Alemannia Aachen Ultras kapitulieren vor rechten Schlägern

Weil sie seit Jahren von einer rechtsgerichteten Fangruppe angegriffen wird, zieht sich eine antirassistische Ultra-Gruppe aus dem Stadion des Fußball-Drittligisten Alemannia Aachen zurück. Ein bundesweites Fan-Bündnis erhebt schwere Vorwürfe gegen den Klub.

Alemannia-Fans gegen Alemannia-Fans: Diesen Kampf führten die "Aachen Ultras" (ACU) und die "Karlsbande Ultras" (KBU) seit Monaten. Die ACU ist eine antifaschistische Fangruppierung des insolventen Fußballdrittligisten, die verfeindete KBU rechtsgesinnt. Nach gewaltsamen Übergriffen der Karlsbande will ACU die Alemannia vorerst nicht mehr unterstützen, sie fühlt sich im Stich gelassen von ihrem Verein.

"Wir lassen unsere Aktivitäten ruhen", teilte ein Sprecher den Aachener Nachrichten mit, "aber wir lösen uns nicht auf." Die Ultras wollen vorerst keine weiteren Spiele des Drittligisten mehr besuchen. Der Rückzug der linksorientierten Gruppierung ist der traurige Höhepunkt eines Konflikts, der sich seit Jahren zuspitzt und in dem Mitglieder der ACU immer wieder Opfer von Attacken durch die KBU wurden.

Als Bühne für den vorläufigen Abschied nutzten die "Aachen Ultras" das Zweitrundenspiel im Mittelrheinpokal beim Regionalligisten Viktoria Köln (2:5 n.E.). Mit zahlreichen Transparenten drückten die Fans ihren Unmut über den Verein aus. "Nazis am Tivoli? Nie gesehen" oder "Diskriminierende Gesänge? Nie gehört", war zu lesen. Die Alemannia, so die Meinung der ACU, verschließe die Augen vor den rechten Strömungen innerhalb der Fanszene.

Wie das bundesweite Bündnis aktiver Fußballfans (Baff) schreibt, sei es auch bei diesem Spiel zu Beginn des Elfmeterschießens zu einem Angriff der "Karlsbande Ultras", die seit Jahren Anlaufpunkt für rechtsgesinnte Alemannia-Anhänger ist, auf den Block der ACU gekommen. "Die anwesende Polizei ging dabei unverständlicherweise mit Schlagstock und Pfefferspray auf die angegriffene Gruppe los, anstatt sich um die Aggressoren zu kümmern", teilt Baff mit.

"Der Vorwurf der 'Aachen Ultras', der Verein habe sich nicht klar positioniert, ist nicht haltbar", sagte dagegen Holger Voskuhl, Sprecher der Sondierungsgeschäftsführung des Klubs: "Alemannia Aachen spricht sich eindeutig gegen Rechtsextremismus aus. Menschen mit solcher Gesinnung schaden dem Verein", sagte Voskuhl, der allerdings vor einer zu einseitigen Wertung des Konflikts warnte: "Es gab zahlreiche Vermittlungsversuche des Vereins innerhalb der Fanszene, die bislang leider gescheitert sind."

Auch Lutz van Hasselt, Fanbeauftragter der Alemannia, sieht beim Verein keine Versäumnisse. Der Klub habe "sich sowohl in der Vergangenheit als auch aktuell immer wieder klar gegen Rechtsextremismus und Rassismus positioniert. Außerdem wurden Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund konsequent unter anderem mit Stadionverboten bestraft", teilte van Hasselt mit.