Emotionalität im Fußball ist immer gut. Insofern ist der Spanier Albert Riera, der demnächst offiziell als neuer Trainer von Eintracht Frankfurt vorgestellt werden soll, vermutlich eine passende Wahl für einen Bundesliga-Standort, an dem die Gefühle gerne mal zwischen den Extremen schwanken. Das Auf und Ab, die Achterbahnfahrt, scheint für Eintracht-Fans eben eingepreist zu sein.
Riera dürfte zumindest ahnen, worauf er sich einlässt – der 43-Jährige gilt selbst als impulsiv. Bis vor wenigen Tagen hatte den bei NK Celje in Slowenien arbeitenden Fußballlehrer niemand auf dem Zettel, als es darum ging, dass die Eintracht einen Nachfolger für den im Januar entlassenen Dino Toppmöller sucht. Aber auch das ist typisch, zumindest für Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche, der auch bei Spielern gerne unerwartete Verpflichtungen tätigt.

Podcast „Und nun zum Sport“:Krise bei Eintracht Frankfurt: „Es ist nicht allein die Schuld von Dino Toppmöller“
Trainer weg, Unwuchten im Kader, viele Gegentore: Bei der Eintracht läuft vieles schief, was zuvor lange funktionierte. Dabei galt Sportvorstand Krösche bislang als Macher mit dem richtigen Händchen.
Krösche, 45, hätte gewiss einen der üblichen Verdächtigen holen können; allen voran Marco Rose, der bei RB Leipzig im Frühjahr vergangenen Jahres den Job verlor und der seit mehreren Tagen in den Medien gehandelt wurde. Mit Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann ist Rose, 49, bestens bekannt, beide haben auf dem Frankfurter Opernplatz schon mal fröhlich Silvester gefeiert. Aber nun soll der 16-malige spanische Nationalspieler Riera den Job bekommen, der zwar keine Welt- und Europameisterschaften, aber viel auf Vereinsebene erlebt hat.
Als Profi trug der Mittelfeldspieler zwischen 2001 und 2016 das Trikot von elf verschiedenen Klubs, seine besten Jahre erlebte er bei Espanyol Barcelona und beim FC Liverpool, wo er unter anderem an der Seite von Xabi Alonso spielte. Er weiß als Spieler, wie Traditionsvereine ticken. Und als Trainer? Der aus Manacor auf Mallorca stammende Familienvater fing als Assistent von Fatih Terim bei Galatasaray Istanbul an, übernahm 2022 erstmals als Cheftrainer bei NK Olimpija Ljubljana, wo seine Vorstellung gründlich missriet: Vermummte Ultras stürmten die Pressekonferenz, weil sie gegen den Weggang von Robert Prosinecki protestierten.
Rieras Philosophie orientiert sich wenig überraschend an der spanischen Ballbesitzschule
Riera beruhigte die aufgeregten Gemüter schnell, führte den Hauptstadtvertreter zu Meisterschaft und Pokalsieg, um dann 2023 bei NK Celje anzuheuern, ehe ihn Girondins Bordeaux mitten in der Saison abwarb. In die beschauliche Fürstenstadt Celje kehrte der Spanier nach nur neun Monaten wieder zurück. Sein Team ist aktuell mit zwölf Punkten Vorsprung Tabellenführer und hat den Einzug in die Playoffs der Conference League geschafft. Auch dank ihres Einpeitschers, der viel fordert – und das gerne lautstark. Rieras Philosophie orientiert sich wenig überraschend an der spanischen Ballbesitzschule und ist geprägt von hohem Pressing, was grundsätzlich zum Frankfurter Fußballverständnis passen sollte.
Offiziell bestätigt werden soll der Wechsel erst nach dem sportlich bedeutungslosen Champions-League-Heimspiel gegen Tottenham Hotspur. Die Hessen hatten sich in der Vorwoche mit einer blamablen Vorstellung in Baku gegen Qarabag Agdam um die letzte Chance in der Königsklasse gebracht, auch im DFB-Pokal war gegen Borussia Dortmund früh Schluss. Und in der Bundesliga entspricht der achte Platz auch nicht den Erwartungen. Das internationale Geschäft ist das Mindeste, was dieser vergleichsweise teure Kader erreichen muss.
Riera soll nun dringend benötigten Impuls bringen. Das zuletzt völlig verunsicherte und seltsam verzagt auftretende SGE-Ensemble benötigt einen Coach, der zunächst einmal Emotionen weckt. Überdies sollte Riera die Serie der Spiele mit vielen, teils slapstickartigen Gegentoren in diesem Jahr beenden. Läuft alles wie geplant, wird der Toppmöller-Nachfolger bereits das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr) verantworten. Ursprünglich wollte Riera noch das slowenische Topspiel von Celje gegen Verfolger Maribor bestreiten, aber das fand sein neuer Arbeitgeber nicht ganz so gut.
Wie die Bild berichtete, überweist die Eintracht 1,3 Millionen Euro Ablöse, damit Riera unverzüglich einen Verein übernimmt, der sich in seiner bewegten Geschichte noch nie einem Trainer aus Spanien anvertraut hat. Die größten Verdienste als ausländischer Coach erwarb sich der Serbe Dragoslav Stepanovic, der in zwei Amtszeiten in den 90er-Jahren allerdings so wechselvolle Zeiten prägte, das der Klub den Beinamen „launische Diva“ davontrug.

