Basketball:Albas letzte Chance

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Bald Kollegen? Alba-Center Johannes Thiemann (re.) und Münchens Spielmacher Leandro Bolmaro im Kampf um den Ball. (Foto: Claudius Rau/Eibner-Pressefoto/Imago)

Die Berliner Basketballer gehen als Zweite in die Playoffs um die deutsche Meisterschaft. Der Titel ist die letzte Gelegenheit, eine ansonsten mäßige Saison noch zu retten. Eine Trainerdiskussion aber schließt Geschäftsführer Baldi aus.

Von Ralf Tögel

Johannes Thiemann zum FC Bayern? Es ist das einzige Mal, dass Marco Baldi in den Telefonhörer lacht. "Ja, wen wollen die denn noch alles holen? Also viel mehr geht bei denen doch gar nicht auf den deutschen Positionen." Aber ja, gibt der Geschäftsführer von Alba Berlin zu: "Das Gerücht verfolgt uns schon das ganze Jahr." Jeder wisse, dass der Vertrag des Centers auslaufe, dessen Marktwert durch den Weltmeistertitel sicher nicht gesunken ist. Mehr mag Baldi zu dem Thema nicht sagen, man spreche zwar, "aber ich lauf doch nicht dauernd zu ihm hin und frage, bleibst du?" Das liege fortan in den Händen der Berater.

Im Basketballer Thiemann ginge dem Berliner Traditionsklub ein weiterer "Anker" verloren, wie Baldi sagt, aber auch das hat Tradition: dass Schlüsselspieler gehen. Zuletzt gingen die Anker Luke Sikma und Maodo Lo von Bord, das Schiff bekam etwas Schlagseite. Auch, dass sich Leistungsträger nach Süden verändern, ist nicht neu, Djedovic, Thompson, Schaffartzik oder Lo sind Beispiele, aktuell trägt Niels Giffey (über den Umweg Kaunas) das rote Trikot. Es wäre kaum überraschend, wenn Alba in der Finalserie auf seinen ehemaligen Kapitän treffen würde.

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Aber Marco Baldi hat andere Sorgen. Die 53:77-Niederlage in München etwa, als die Bayern dem Rivalen deutlich zeigten, "in welchem Zustand wir gerade sind". Seine personell arg gerupfte Mannschaft wurde von einem Gegner mit drei Weltmeistern, einem NBA-Champion und zahlreichen Euroleague-erfahrenen Spielern im Kader im zweiten Viertel mit 30:5 vorgeführt. Immerhin, im Rückspiel nur fünf Tage später, gewann Alba 59:53. Auch wenn dieses Spiel der Konkurrenz die Hoffnung geben dürfte, dass der FCB zu schlagen ist, möchte der Alba-Geschäftsführer das Ergebnis nicht überbewerten.

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Zumal Primus München bis ins Finale der Best-of-five-Serien Heimrecht hat, ein nötiges fünftes Spiel also in heimischer Halle. Der Hauptrunden-Zweite Alba bekommt es im Viertelfinale mit dem Siebten Bonn zu tun, dem Zweiten des Vorjahres, als Berlin schon im Viertelfinale am späteren Meister Ulm scheiterte. Das soll nicht nochmal passieren, immerhin lichten sich die Reihen der Verletzten. Thiemann ist fit, auch Nationalspieler Louis Olinde dürfte in den Playoffs nach Verletzung wieder einsteigen. Der zurückgekehrte Center Khalifa Koumadje hat gezeigt, dass er wichtig für die K.-o.-Runde ist - sofern er seine Nerven im Griff behält.

Der Center aus dem Tschad musste zuletzt eine Fünf-Spiele-Sperre abbrummen, nachdem er wegen Revanchefouls mehrmals vom Feld verwiesen war. Er sei intern sanktioniert worden, sagt Baldi, aber auch, dass der 2,21-Meter-Riese in der Bundesliga (BBL) besonders ruppig angegangen wird: "In der Euroleague gibt es vergleichbare Spieler, da gab es keine Probleme. In der BBL nicht, er hat längere Hebel, als es die Gegner gewohnt sind und wird deshalb besonders hart gefoult. Aber er darf sich nicht so verhalten."

Im internationalen Wettbewerb war Berlin auch mit Koumadje nicht konkurrenzfähig, wurde nach der Hauptrunde abgeschlagener Letzter. Ob Alba erneut eine Wildcard erhält, wurde zuletzt von Euroleague-Geschäftsführer Paulius Motijejunas zumindest in Zweifel gezogen. Weil Paris, der Champion des eine Liga darunter angesiedelten Eurocups, in den erlesenen Kreis der europäischen Königsklasse einziehen wird, werde eines der beiden Belgrader Teams Roter Stern und Partizan, Bologna, Valencia oder eben Alba scheiden müssen.

Baldi blickt dieser Ankündigung gelassen entgegen: Es habe zwar mehrere Führungswechsel in der Euroleague gegeben, weshalb es die in Aussicht gestellte Lizenz, die etwa die Bayern bekamen, bisher nicht gab, aber: "Ich gehe davon aus, dass wir nächstes Jahr Euroleague spielen. Das ist unser absolutes Ziel." 2026 würden ohnehin alle Lizenzen auslaufen, da müsse sich die wirtschaftlich geführte Liga, deren Anteile von 13 Vereinen gehalten werden, ohnehin neu formieren.

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Dafür muss Berlin seinen Weg finden, sagt Baldi, denn finanziell sei man nicht konkurrenzfähig. Das habe man stets mit mannschaftlicher Geschlossenheit und Spielwitz ausgeglichen, "aber es wurde in der Euroleague so viel Geld wie noch nie ausgegeben." Zumal mit Umbruch und Verletzungspech, so Baldi - für die Italiener Gabriele Procida, Matteo Spagnolo und den Slowenen Ziga Samar ist die Saison bereits beendet, "damit fehlen drei Nationalspieler", sagt der Alba-Boss.

Befürchtet wird, dass nach drei Meisterschaften von 2020 bis 2022 die zweite titellose Saison hintereinander folgen könnte. Auch das schreckt Baldi nicht, man werde den Weg fortsetzen: "Wir sind kein Klub, der Routiniers verpflichtet, wir leben vom Aufbau, holen junge, talentierte Spieler, damit sie wachsen, zu Ankern der Mannschaft werden. Wir müssen Spieler bauen, das schafft Kontinuität und alles andere herum muss wachsen und zusammenkommen."

Zufrieden mit der Saison sei er "natürlich nicht", Baldi erinnert aber daran, dass die Playoffs erst mal gespielt werden müssen. Ja, es sei der Anspruch, Titel zu gewinnen: "Es ist unsere 34. Saison in der Männer-Bundesliga, wir haben 23 Titel gewonnen", das sei so schlecht nicht. Wenn aber der Meistertitel nicht in die Hauptstadt geht, gibt es dann eine Trainerdiskussion um Israel González? Jetzt macht Baldi eine Pause, dann sagt er in den Hörer: "Die wird es nicht geben, egal was passiert." Er klingt sehr ernst.

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